Zwischen »Endlich!« und »Schon wieder!« – Deutschland sucht ’nen Grüßaugust +++ Auch das noch: Kirchenvertreter aussichtsreiche Anwärter aufs Amt des Bundespräsidenten +++ FDP zwingt Kanzlerin zu Gauck als Bundespräsident +++ Bundespräsident Gauck: Die Mär vom Pokersieg der FDP +++ Bundespräsidentenwahl: Das Volk bekommt, was es verdient +++
Wie gegen #Gauck ätzen? Hier wird aufgeklärt mehr nicht.—
♫ Andreas Wagner (@RumbaDelSol) February 20, 2012
Endlich hat es sich ausgewulfft. Nach wochen- um nicht zu sagen monatelangem Herumgedruckse vor dem Unausweichlichen trat der Bundespräsident vergangenen Freitagvormittag vor die Presse und erklärte seinen Rücktritt. Die Staatsanwaltschaft hatte tags zuvor die Aufhebung seiner Immunität beantragt, sonst wäre er diesen Schritt nie und nimmer gegangen. Anscheinend kleben Machtstühle besonders gut.
Eine halbe Stunde später trat die Kanzlerin vor die Presse und sagte artig auswendig gelernte Höflichkeiten auf, während auf Twitter und im Netz allgemein längst die Nachfolgerdiskussion entbrannte.
Da bereits 2010 alle davon überzeugt waren, dass Joachim Gauck der bessere Kandidat gewesen wäre, fiel sein Name auch als erster und vor allem am häufigsten. Nur dass er diesmal mit einer gewissen Abscheu vorgetragen wurde. Wer sich 2010 auf Twitter noch mit dem Hashtag #notmypresident gegen Wulff und für Gauck ausgesprochen hatte, wollte davon nichts mehr wissen. Stattdessen begann die Suche nach dem Dreck an Gauckens Stecken, irgendwo musste doch so ein verlottertes Haar in der Suppe zu finden sein.
Aber klar doch! Als erstes fiel natürlich allen ein, dass Gauck erst vor kurzem die Occupy-Bewegung als albern bezeichnet hatte. Und rasch fanden sich auch Belege dafür, dass er Sarrazin-Fan ist und Hartz-VI-Bezieher verachtet und generell ein reaktionärer, deutschnationaler Kirchenheini mit unverarbeitetem DDR-Trauma ist.
Das schien wiederum für eine andere Fraktion im Netz ein unhaltbarer Zustand (die Mainstreammedien konnten weder mit der Meinungsmache noch mit der Meinungsbildung Schritt halten). Zitate fahrlässig aus dem Zusammenhang gerissen, alle miteinander vorschnell rückkoppelnd den Daumen senkend, so was darf doch nicht sein! Also kamen die Gauck-Apologeten und Political-Correctness-Wächter zu Wort, bevor wiederum andere noch gründlicher recherchiert hatten, und alle längst bestätigten Vorurteile endgültig bestätigten.
Diesen Vorgang im Netz zu geißeln, noch dazu in der Geschwindigkeit, in der er stattfindet, ist völlig daneben. Denn das Netz bewährt sich hier mit all seinen Stärken: Nirgendwo sonst und niemals zuvor fand und findet ein Meinungsbildungsprozess so rasant und gründlich statt. Dafür sei allen am Diskurs Beteiligten gedankt!
Ihr merkt schon, auch diese Woche gibt es wieder ein Special im Rückspiegel. Aber sicher wollt ihr noch meine Meinung zu Gauck lesen: ich mag ihn nicht, hatte Vorurteile, fand sie bestätigt und habe nun irgendwie Vorbehalte gegen ihn als »meinen« Präsident. Aber im Grunde ist es mir wurscht, weil ich das Amt für überflüssig halte. Meinetwegen kann es abgeschafft werden. Darüber würde ich höchstens dann anders denken, wenn der Präsident direkt vom Volk gewählt werden könnte. – Allerdings erinnere ich mich an die stark von Ablehnung geprägte Diskussion, als Roman Herzog 1994 zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Und im Verlaufe seiner Amtszeit mussten selbst die größten Kritiker anerkennen, dass er seine Sache gut machte. Vielleicht also wächst der Gauck ja mit seinen Aufgaben als Amtsinhaber.
Linktipps zum Wochenende
"Ich danke meiner Frau. Sie verkörpert für mich das moderne Deutschland." #wulff—
Martin Lindner (@martinlindner) February 17, 2012
»Der „Kandidaten der Herzen“, wie Gauck 2010 gern von den Medien bezeichnet worden ist, ist also eher ein Theologe der Herzlosigkeit. Damit wäre er nicht unbedingt ein Mann der Reichen, – das also, was bei Christian Wulff in wachsendem Maße zutagegetreten ist -, mit Sicherheit aber ein Mann, der konsequent gegen die Ärmsten der Armen in diesem unserem Lande polemisiert. Unserem Land tut weder das eine noch das andere gut.«
Kandidat der Herzen? Ein Theologe der Herzlosigkeit » Spiegelfechter
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Wenn es Huber wird, ist das mit der Theokratie dann offiziell?—
Der Freund (@der_freund) February 19, 2012
»Was da im Gespräch ist als Darsteller eines Staatsoberhauptes, ist eine Frechheit: Pfarrer Huber, Pfarrer Gauck, Christenfunktionärin Göring-Eckardt? Warum nicht gleich Notker Wolf? Sie vertreten neoliberale Parteien, Vereinigungen und Ansichten in einer christlich verquasten Leistungsethik, die keine Probleme hat mit der Diskriminierung der Verlierer im “Wettbewerb” oder der Befürwortung von Kriegen. Vor dem Hintergrund des Labels “Nächstenliebe” also eine Brutstätte der Schizophrenie, eine Werkstatt für kognitive Dissonanzen und die Legitimation beliebiger Herrschaftsansprüche. Hier sind die Kirchen fest in ihrer Tradition verankert. Nachher waren sie eh immer bei den Guten.«
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Eine Pastorentochter aus Templin UND ein verbitterter Pastor aus Rostock. Das ist mehrheitsfähig? Deutschland im Wachkoma.—
Der Wurfschuh (@Wurfschuh) February 20, 2012
»Die Kanzlerin stand vor der Wahl zwischen ihrer Ablehnung Gaucks und dem drohenden Bruch der Koalition. Sie entschied sich für die Koalition und für Joachim Gauck. Das Gesetz des Handelns war ihr entglitten, die europäische Führungsfigur wurde plötzlich zur innenpolitisch Getriebenen.
Sie wird diesen Tag nicht vergessen und ihn auch der FDP nicht vergessen. Da bleiben Narben. Diese Wende war ihre bisher persönlich schmerzhafteste.
Respekt vor der FDP. Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, kann man offenbar mutig sein. Zum ersten Mal seit der Wahl 2009 hat die FDP etwas uneingeschränkt Gutes bewirkt.«
SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin» Blog Archive » Merkel, die FDP und die Würde
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Rosenmontag und Gauck soll BuPrä werden. Die Frage ist: Wolle mer ne reilasse?—
RivKos (@Riv_Kos) February 20, 2012
»Wenn wir uns das Ergebnis ansehen, stellen wir fest: Das Kandidatenproblem ist schnell abgeräumt worden. Es ist zur Zufriedenheit einer übergroßen Mehrheit im Land gelöst. Und es wirkt, als hätte die FDP sich zum ersten Mal seit Jahren in einem Punkt durchgesetzt, bei dem sie den größten Teil der Bevölkerung hinter sich hat. Alles das zum Preis einer Entscheidung, bei der Merkel sich nur vorwerfen lassen muss, sie wäre spät “zur Vernunft gekommen”, sie hätte erst später als andere erkannt, was richtig ist – also genau das, was sie am Beispiel Atom und am Beispiel Mindestlohn durchexerziert hat, ohne dass es ihren Popularitätswerten irgendwie geschadet hätte. Es hat ihr, im Gegenteil, wahrscheinlich eher genutzt, dass sie nicht als beratungsresistent gelten kann.«
Die will das doch! « Michalis Pantelouris
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Es gibt wirklich Leute da draußen, die Erwartungen an den neuen Bundespräsidenten haben? Hallo? Das ist ein Begrüßungsaugust, mehr nicht.—
Dirk (@Ziegelei) February 20, 2012
»Schramm und Gauck passen ganz außerordlich gut zu einem Land, in dem Wutbürger_innen, Antikommunist_innen und Vergangenheitsbewältiger_innen gemeinsam den Ton angeben. Die Ideologie der Kandidaten offenbart allerdings einiges über die deutschen Zustände. Auf der einen Seite ein Wutbürger, der gegen „Geldverleiher” und „Parasiten” anschreit. Auf der anderen Seite ein stolzer „Patriot”, der „Pommern” und Schlesier” zu Opfern macht. Letztendlich wird wohl Joachim Gauck gewählt werden, Georg Schramm dürfte trotz alledem von der Medienaufmerksamkeit profitieren. Man wird mit beiden nicht glücklich werden, egal wie diese Wahl-Qual ausgehen wird.«
Die Wahl der Qual. | Reflexion
Ein schönes Wochenende wünscht
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN


24. Februar 2012

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