Aufbruch in die Cloud

Es ist keine neue Beobachtung, dass die Cloud sich allmählich durchsetzt und von immer mehr Nutzern genutzt wird. Wir wissen und schätzen das Social Web, das gewissermaßen den Übergang von Social Media – oder wenn man so will: vom Web 2.0 – zur Cloud darstellt. Aber fragt man, wie es eigentlich dazu gekommen ist, findet man interessante Parallelen.

Die wesentlichen Nutzungsszenarien des Web 2.0 – Teilen von User Generated Content – gab es bereits in den 1990ern, als das Internet gerade mal erfunden war. Zwar hielten die Nutzer sich auf eher geschlossenen Plattformen (Geocities, Yahoo, AOL) oder in entlegenen Fachforen auf. Aber der Wunsch, sich einander mitzuteilen, auszutauschen, war bereits deutlich erkennbar. Ein weiteres Beispiel aus dieser Zeit war die Massenmail, die jemand an etliche in seinen Kontakten vorhandene Empfänger verschickte, sobald er ein lustiges Bildchen irgendwo gefunden hatte, und von wo aus sie kettenbriefartig immer mehr Empfänger erreichten.

Eine technische und eine technologische Komponente

Aber erst die allgemein verfügbare DSL-Bandbreite sowie die damals neu entwickelte AJAX-Technologie erlaubten ein Nutzererlebnis, das richtig Spaß machte. Das waren die entscheidenden Komponenten dafür, dass sich immer mehr Menschen dafür interessierten. Und genau dieser begeisternde Effekt versprach wiederum ausreichende Marktgröße für neue Plattformen und Dienste, sodass Kapitalgeber in Start-Ups mit entsprechenden Angeboten investierten.

Jede neue Plattform versprach noch mehr Spaß und noch mehr Grund mitzumachen. Natürlich löste das auch den Hype aus, der sich einerseits bis heute auf anhaltendes Wachstum berufen kann, andererseits immer auch überzogen ist. Aber im Wesentlichen beruht diese Erfolgsgeschichte auf einer technischen und einer technologischen Komponente.

Nun steht Entwicklung bekanntlich nicht still. Auf der Suche nach immer neuen Geschäftsmodellen reicht es oftmals, eins und eins zusammenzuzählen und Fragen nachzugehen wie, was war in der jüngsten Vergangenheit erfolgreich und was hat sich in technischer und technologischer Hinsicht auf diesem Gebiet getan? Ein Beispiel wäre das Mobiltelefon, das Nutzern ähnlich viel Spaß bereitet hat. Die Kombination von Mobiltelefon mit dem Web 2.0 lag also mehr oder weniger auf der Hand. Und neue Entwicklungen wie der Toachscreen verhelfen solchen Innovationen rasch zum Durchbruch – jeder kennt die Erfolgsgeschichte von iPhone und iPad.

Jede Innovation zieht aber immer neue nach sich, schon allein weil bestehende Anbieter ihre Dienste und Produkte konkurrenzfähig anbieten müssen. Diese Entwicklung läuft in einer so großen Geschwindigkeit ab, dass der Übergang in eine neue Qualität kaum noch als solcher wahrgenommen wird. Gerade die Early Adopter, die Neues immer wieder sofort ausprobieren, tragen außer zur Verbreitung vor allem auch dazu bei, neue Bedürfnisse zu erkennen, die das Entstehen weiterer Dienste unmittelbar nach sich zieht.

Nachfolger des Web 2.0 ist die Cloud – Das iWeb oder +Web

Wer im Social Web aktiv ist, bloggt, facebookt, twittert, googleplusst, Bilder auf Flickr, Picasa oder Instagram, Videos auf YouTube und Vimeo teilt, Notizen mit Evernote oder Memonic macht, Musik auf iTunes, Spotify oder Last.FM hört, ist ja sowieso always on, benutzt also all diese Dienste permanent im Internet und benötigt allenfalls Speicherplatz. Kein Wunder, dass entsprechende Angebote entstehen, sei es dass Google etliche Tools samt Speicherplatz zur Verfügung stellt, seien es Dienste wie Dropbox oder box.net, die sich ganz auf Online-Festplatte spezialisieren, welche die Synchronisierung sämtlicher Daten auf allen Endgeräten vornimmt.

De facto sind bereits viele Nutzer in der Cloud und benötigen nichts als ein Zugriffsgerät. Man kann also davon ausgehen, dass Rechner schon in naher Zukunft gar nicht mehr mit Festplatte ausgeliefert werden. Und auch ein Betriebssystem ist nicht mehr notwendig, wie die aktuell von Google auf den Markt gebrachten Chromebooks zeigen. Nützliche Tools werden schon jetzt als Apps nicht nur für mobile Endgeräte, sondern auch für den Browser – also für die Nutzung im Internet – angeboten und häufig auch öfter aktualisiert als die auf dem Rechner installierte Software.

Der Nachfolger des Web 2.0 weilt also schon längst unter uns und heißt Cloud. Seine technische Komponente (analog zum Breitbandzugang) ist der mobile Zugriff. Und seine technologische Komponente (analog zu AJAX) sind die Apps bzw. auch HTML5/CSS3. Das Hauptnutzungsszenario wird nicht länger (nur) das Teilen von User Generated Content sein, sondern themenbezogenes Nicheworking, das mit Likes und +1en bestätigt wird.

Dem Charakter nach wird die Cloud nicht social, sondern useful sein, da die Nützlichkeit seiner Werkzeuge Vorrang vor dem Vernetzungswunsch der Anwender hat. Und ich glaube nicht, dass ein neu zu erfindender Marketingbegriff dann einfach aufzählt und das Web 3.0 daraus macht. Es wird entweder bei der cool klingenden Cloud bleiben, oder aber in Anlehnung an die Vorreiterprodukte von Apple iWeb bzw. in Anlehnung an Googles endlich erfolgreiche Social Plattform +Web heißen.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN

 

Über kadekmedien

Ich gestalte Ihr Erscheinungsbild, erzähle Ihre Geschichte und bringe Sie nach vorn. Kommunikationsdesign, Content Creation, SMO.

2 Antworten zu “Aufbruch in die Cloud”

  1. Ich stimme zum Teil zu, doch nicht immer wollen wir “in der Wolke” sein. Und was passiert mit uns / unserem Netzwerk beim “Status Offline”?

  2. Größtenteils sind wir doch meist in der Cloud. Es wandern auch immer mehr Daten dahin und man verbringt allgemein mehr Zeit. Die Cloud hat aber nur bedingt etwas mit dem Netzwerk zu tun. Wie ich schrieb, geht Nützlichkeit vor Vernetzung. Wenn ich bspw. Dokumente zusammenstelle oder andere Arbeiten erledige, Termine verwalte usw., dann bin ich nicht im Netzwerk, also »offline« und kommuniziere nicht. Das halte ich für meinen Teil sogar mit den alten Kommunikationsmitteln so: wenn ich mitten in einem Entwurf bin oder eine Website code, gehe ich nicht ans Telefon; wenn es mich nervt, stelle ich sogar das Klingeln stumm. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich »always on« und in der Cloud bin.

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