Die Woche im Rückspiegel – KW 25-2011

Diskussion um Privatsphäre: Wandel heißt nicht Verzicht +++ Planet Social Media: Es gibt Leben außerhalb der Buzzwordsphäre +++ Problem der Meinungsfreiheit vom Troll enttarnt: sie stört! +++ Digitale Euphoriker und professionelle Bedenkenträger in tatenloser Meckerei vereint +++ Den Graben zwischen Offlinern und Onlinern überwinden, nur wie? +++ Koch-Mehrin: Kavaliersdelikt Plagiieren – Na und? +++

http://twitter.com/#!/alleskleber_/statuses/83787784959172608

Die Selbstbespiegelung geht weiter. Diesmal sogar einen ganzen Schritt hin zur Selbstkritik. Jedenfalls was die allseits beliebte jedoch nicht existente Internetszene angeht, denn die ist diese Woche ganz schön hart mit sich ins Gericht gegangen. Was natürlich nichts weiter bedeutet und auch ebenso wenig bewirkt, denn wie gesagt, es gibt sie ja gar nicht…

Ungefähr ebenso wenig bewirkt es inzwischen, des Plagiierens überführt zu sein. Wurde zu Guttenberg zu guter Letzt doch noch zum Rücktritt gezwungen, wird Frau Koch-Mehrin sogar in den Forschungsausschuss befördert. Wenn sie damit durchkommt, hat Hollywood Stoff für einen neuen Klassiker, Arbeitstitel »Die Schöne ist das Biest«.

Oder aber wir erleben einen unglaublichen Paradigmenwechsel und definieren »geistiges Eigentum« und mithin »Plagiat« gänzlich neu:

Das hieße dann aber auch, Wissenschaft ebenso wie die Künste neu zu definieren und letztlich »die nächste Gesellschaft« heraufziehen zu sehen. Aber das führt zumindest für heute zu weit. – Den besten Überblick über die vergangene Woche, wie immer hier im Rückspiegel.
 

Linktipps zum Wochenende

»Schaue ich zurück in 2006/2007 waren wir förmlich hemmungslos und experimentierfreudig. Es wurde jeglicher private Scheiß getwittert ohne Rücksicht auf eigene oder vor allem Verluste Dritter. …
Aber das hat sich dramatisch geändert. Der Umgang ist ein anderer geworden. Die Leute fragen heute, ob es in Ordnung ist ein Foto zu veröffentlichen oder überhaupt bekanntzugeben, dass man vor Ort ist. Wenn andere Leute es trotzdem ungefragt tun, werden Sie auch gerne mal von anderen ermahnt, die das mitbekommen haben.«

Die Privatsphäre ist tot – lang lebe die Privatsphäre! – pixelsebi’s repository

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http://twitter.com/#!/mbukowski/statuses/83132146205732864

»Was man dabei schnell vergisst, ist die Tatsache, dass “die Anderen” weder eine besonders kleine Gruppe, noch besonders weit von uns entfernt sind. Die Generation meiner Großeltern gehört beispielsweise dazu, aber es sind auch, und das finde ich ganz entscheidend, die Leute, mit denen ich zusammen Medienwirtschaft studiert habe, die in der gleichen Branche arbeiten, aber eben nicht den Schwerpunkt auf “Online” gelegt haben, sei es beruflich oder privat. In ihren Ohren sind Foursquare, QR-Codes und Dropbox nur Begriffe. Ein Onliner könnte zu jedem Begriff minutenlange Vorträge halten.«

Es gibt auch noch die Anderen » punktefrau

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»So haben wir es aktuell mit der Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Lernprozesse zu tun: während die einen noch immer das Recht auf demokratische Freiheit einfordern und durchsetzen, müssen die anderen schon anfangen, mit der Ausweglosigkeit zu recht zu kommen, die sich einstellt, wenn dieser Freiheit nichts mehr entgegenstellt ist, sobald sie zweiseitig akzeptiert wird. Denn das Internet ist die Erfüllung eines großen Versprechens: Freiheit in Wort, Schrift und Bild für alle, und zwar nicht mehr als utopisches Ziel oder unverbindliche Hoffnung, sondern als wirkmächtige Realität.«

Meinungsfreiheit. Beobachtungen zum Zerfall einer Form #trollforschung « Differentia

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»Schlimm ist, daß sich die digitale Kombo in ihrer Meckerei so gefällt, das sie anscheinend verlernt hat, selbst zu gestalten. Sie diskutiert und demonstriert sich die Seele aus dem Leib aber die Gestaltung von Neuem bleibt aus. Liegt das nur daran, dass unsere Gründergeneration von Investoren beigebracht bekommt, dass ein amerikanisches Copy Cat viel mehr Erfolgsaussichten hat als die eigene ungetestete Idee? Liegt es daran, dass den Bloggern eigentlich selbst die Businessmodelle fehlen, wie Journalismus 2.0 wirklich ausgestaltet sein kann? Liegt es daran, dass uns Programmierer fehlen? An was liegt es?«

Die Nullmacher at Themenriff

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»Womit wir aber beim Grundproblem – nach Lobo – in der gesamten Diskussion sind. Nämlich die Art und Weise der Diskussion. Das läuft nämlich so einiges falsch – und das nicht nur im Internet. Zum Beispiel dass die größte Aufmerksamkeit immer der bekommt, der am lautesten schreit.
Mit dem Ergebnis, dass die differenzierten, leisen Töne in der Regel nicht gehört werden. Zu sehen an so ziemlich jeder öffentlichen Diskussion, die im Internet oder sonstwo in den Medien stattfindet. Und ich weiß wovon ich rede: Ich habe es jahrelang in meinen Büchern oder hier im Blog mit differenzierten, leisen Tönen versucht.«

Meine Replik auf Sascha Lobos Spiegel-Kolumne: Digitale Herrenmenschen & Gunter Dueck als Asozialer? » Simone Janson

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»Nur, falls es jemand immer noch nicht verstanden hat: Deutschland wird im Forschungsausschuss des Europaparlaments durch eine überführte wissenschaftliche Betrügerin repräsentiert.
Die Botschaft, die Koch-Mehrin und ihre Unterstützer in den Führungsgremien der FDP damit an Wissenschaft und Gesellschaft senden, ist kristallklar: Ihr könnt uns mal. Eure Regeln gelten nicht für uns. Wir sind unantastbar. Wir lügen und betrügen, und wenn wir auffliegen, halten wir kurz inne, um euch ins Gesicht zu spucken. Und dann machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben.

Das Ende der Lügen | Sprachlog

 

Ein schönes Wochenende wünscht
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN

 

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