Wer einmal bewusst darauf achtet, wird feststellen, dass Logos heutzutage in allen erdenklichen Varianten zum visuellen Alltagserlebnis gehören. Der von einem Logo symbolisierte Markenwert ist offenbar so überzeugend, dass jeder für sein Unternehmen ein Logo haben möchte. Am besten für jedes einzelne Produkt ein eigenes Markenzeichen. So ist unsere Wahrnehmung in den vergangenen Jahrzehnten mit einer unglaublichen Fülle an Logos regelrecht überschwemmt worden. Und das wurde nur deshalb nicht als Inflation wahrgenommen, weil es in der zumeist visuell kommunizierten Informationsflut unterging.
Man sollte also meinen, ein Logo löst keinerlei Brandingeffekte mehr aus. Und orientiert man sich an den Weltkonzernen und großen nationalen Unternehmen, bemerkt man ja auch eine zunehmende Fülle an Werbemitteln, mit deren Hilfe um das knappe Gut Aufmerksamkeit gebuhlt wird. Mitunter wird man den Eindruck nicht los, das große Geld, das von den wenigen weltweit bekannten Marken repräsentiert wird, markiere sein Revier und beraube den urbanen Lebensraum seiner individuellen Vielfalt.
Dieser Eindruck trügt allerdings, denn erstens ist Wahrnehmung ein selektiver Prozess und zweitens nicht jeder ein Grafiker, der derlei Dinge durch die Fachidiotenbrille betrachtet. Für gewöhnlich vergleicht niemand die Logos von zwei gleichartigen Produkten oder Dienstleistern miteinander, schon gar nicht, um seine Wahl davon abhängig zu machen. Und genau das ist das Geheimnis, weshalb es einer abstrakten grafischen Figur in Kombination mit einem Schriftzug gelingt, optisch anzusprechen und emotional zu berühren.
Ein Logo sagt mehr als tausend Anzeigen
Ein Logo bringt die Kernaussage von Unternehmen und Produkten auf den Punkt, wodurch es den Markenwert vermittelt und Orientierung ermöglicht. Wer einmal »seine« Marke gefunden hat, wird schwerlich von einer anderen, die Gleichwertiges bietet, zu überzeugen sein. So wie ein Bild mehr als tausend Worte sagt, transportiert ein Logo mehr als tausend Anzeigen.
Diese hohe, komprimierte Aussagekraft können sich selbst kleinste Unternehmen zunutze machen. Zumal die Auswahl für ein Produkt oder einen Dienstleister unbewusst getroffen wird und im Wesentlichen davon abhängt, ob ein Logo die angesprochenen Emotionen auf sich vereinen und also fortan zu symbolisieren vermag.

Gerade wenn das Werbebudget äußerst knapp bemessen ist oder – im Falle von Kleinstunternehmen – es oftmals gar keinen Sinn machte, Werbebroschüren drucken oder ähnlich aufwändige Werbemittel herstellen zu lassen, kann ein ansprechend gestaltetes Logo seine Wunderkraft entfalten. Voraussetzung ist allerdings, dass man nicht am falschen Ende spart und sich ein x-beliebiges Logo aneignet.
Es gibt zwar zahlreiche Möglichkeiten, im Internet extrem günstig an ein Logo zu kommen. Was dort aber angeboten wird, sind willkürliche Zeichen, die meist aus grafischen Übungen hervorgegangen sind und denen jeglicher Bezug zum beauftragenden Unternehmen fehlt. Wie soll es dann die Werte dieses Unternehmens vermitteln?
Welchen Aufwand ein gut gestaltetes Logo erzeugt, habe ich hier schon einmal beschrieben. Und dass der Kunde von einer Vielzahl an Vorschlägen überfordert wird, weil sie die Angst auslösen, sich für das Falsche zu entscheiden, schrieb ich erst kürzlich in diesem Artikel. Diese Probleme stellen sich vor allem, wenn Kunden sich auf Gestalterplattformen nach günstigen Angeboten umsehen. Auch wenn durchaus gelungene Entwürfe darunter zu finden sind, fehlt ihnen die emotionale Bindung zum Auftraggeber. Ein Logo für ein Kaffeehaus ist eben nicht das Logo für Ihr Kaffeehaus.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN


4. April 2011

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