Mit diesem Tutorial möchte ich zeigen, wie man aus geometrischen Grundformen ein einfaches Logo gestalten kann. Als Beispiel habe ich ein Löwengesicht gewählt, da der Löwe seit jeher als Wappentier Verwendung findet und auch heute noch in den unterschiedlichsten Varianten als Signet beliebt ist.
Zunächst einmal begibt man sich auf die Suche nach geeignetem Rohmaterial. Am schnellsten wird man auf Flickr oder Google fündig. Ich habe für dieses Beispiel die Google-Bildersuche benutzt und auf Anhieb auch ein ansprechendes Bild eines Löwengesichts gefunden.
Vorbereitung in Photoshop

Die Vorarbeit wird in Photoshop erledigt. Und zwar soll eine einfache, umrisshafte Skizze als Vorlage dienen, um im späteren Logo in etwa naturgetreue Proportionen zu erhalten. Wie in den Schritten 1 – 4 ersichtlich, bin ich über den Stilisierungsfilter »Leuchtende Konturen« gegangen (Filter » Stilisierungsfilter » Leuchtende Konturen). Die Einstellungen sind vom gewählten Bild abhängig und können also variieren. Anschließend hab ich das Ergebnis invertiert (Bild 3 – Bild » Anpassungen » Umkehren oder Strg+I) und danach einen Schwellenwert eingestellt (Bild 4 – Bild » Anpassungen » Schwellenwert…). Für das Beispielbild habe ich einen Wert von 150 eingestellt.
Gesichtszüge aus Dreiecken

Die benötigten Grundformen erstellt man sich auf Bedarf mit den entsprechenden Formwerkzeugen. Für das Dreieck, aus dem Augen, Nase und Maul geformt werden sollen, wählt man also das Polygon-Werkzeug, klickt einmal beliebig in die Arbeitsfläche und gibt im sich öffnenden Dialogfenster eine »3« ein.
Damit man auch was sieht, sollte das Dreieck zunächst keine Füllung haben. Mit dem Direktauswahl-Werkzeug (A) klickt man nacheinander die Dreiecksspitzen an und zieht sie so über das Auge, bis es die gewünschte Form annimmt (Bilder 6 und 7). Anschließend kann man es mit einer Farbe füllen und die Kontur entfernen.
Nun wird noch eine vertikal gespiegelte Kopie für das zweite Auge benötigt. Dazu öffnet man im Menü Objekt » Transformieren » Spiegeln… das entsprechende Dialogfenster, wählt die Option »Vertikal« und klickt auf »Kopieren« (Bild 8). Und das so entstandene zweite Auge wird nun noch mit gedrückter Maustaste an die richtige Stelle positioniert; damit es sich vertikal nicht verschiebt, wird zusätzlich die Umschalttaste auf der Tastatur gehalten.

Das Polygon-Werkzeug erzeugt Dreiecke immer mit der Spitze nach oben. Für die Erstellung der Nase muss es also zunächst um 180 Grad gedreht werden. Ich hab das »manuell« gemacht: einfach das Dreieck auswählen und dann den Mauszeiger in die Nähe der unteren rechten Ecke bewegen. Dort verändert er seine Form in einen kleinen Bogen mit Pfeilspitzen an den Enden – daran erkennt man, dass man das ausgewählte Objekt nun drehen kann. Hält man während des Drehens die Umschalttaste, werden die in den Voreinstellungen eingetragenen Standardwerte verwendet, das heißt man gelangt schneller und akkurat ans Ziel (Bild 9).
Die Nasenform erzeugt man genau wie beim Auge, indem die Ankerpunkte mit dem Direktauswahl-Werkzeug an die entsprechende Stelle positioniert werden (Bild 10).
Auf die gleiche Weise wird zunächst ein Dreieck erzeugt, dass in etwa die Form des Löwenmauls hat. Dieses wird anschließend dupliziert (Strg+C, Strg+F – positioniert es genau über dem kopierten Objekt) und etwas nach unten versetzt. Und wenn beide ausgewählt sind, klickt man in der Pathfinder-Palette auf den Formmodus »Vom Formbereich subtrahieren« (Bilder 10 und 11).
Wenn man die Augen zuvor gruppiert hat (Strg+G) oder zu einem Pfad zusammengesetzt hat (Objekt » Zusammengesetzter Pfad » Erstellen oder Strg+8), kann man Nase und Maul an deren horizontalen Mittelpunkt zueinander ausrichten – und schon sind die »Gesichtszüge« fertig erstellt (Bild 12).
Gesichtsform aus Ellipsen

Am besten man gruppiert die »Gesichtszüge« oder setzt sie zu einem Pfad zusammen (Strg+G bzw. Strg+8). Die Objekthöhe der »Gesichtszüge« habe ich als Radius für einen Kreis ausgewählt, aus dem die Gesichtsform erstellt wurde.
Von diesem Kreis werden zwei Kopien benötigt (Strg+C, Strg+F). Der eine Kreis bekommt die doppelte Höhe. Dazu löst man in der Transformieren-Palette das Verankerungssymbol (einfach draufklicken) und gibt hinter das Höhenmaß »*2« (sprich: »mal 2«) ein und betätigt die Entertaste. Und dem zweiten Kreis hab ich auf die gleiche Weise die anderthalbfache Breite (B: »*1,5«) zugewiesen (Bild 13).
Diese Maße sind natürlich arithmetische Willkür und stimmen nur noch entfernt mit den Proportionen aus dem Beispielbild überein. Aber es geht ja letztlich nicht darum, ein Löwengesicht naturgetreu nachzubilden, sondern es zu stilisieren.
Die beiden Ellipsen werden nun in der Pathfinder-Palette, Formmodus: »Dem Formbereich hinzufügen« miteinander verschmolzen (Bild 14). Und mit dem Ankerpunkt-löschen-Werkzeug werden die beiden Ankerpunkte der oberen »Gesichtshälfte« gelöscht (Bild 15).
Für die Ohren wird ein letztes Mal die Vorlageskizze benötigt. Einfach einen Kreis in ungefährer Größe an die ungefähre Stelle zeichnen, und wie bereits bei der Erstellung der Augen beschrieben, duplizieren und horizontal verschieben. Danach werden die Kreise zu einem Pfad zusammengesetzt (Strg+8) und zur Gesichtsform zentriert.
Von der Gesichtsform habe ich eine Kopie erzeugt (Strg+C, Strg+F) und proportional vergrößert. Dazu in der Transformieren-Palette das Verankerungssymbol wieder aktivieren (erneut draufklicken) und einfach einen der beiden Werte (Höhe oder Breite) mit einem Prozentwert überschreiben. Im Beispiel habe ich »140%« gewählt, damit die Kreise, aus denen die Ohren entstehen sollen, auch überlappt werden. Und in der Pathfinder-Palette wird diese Überlappung mit Klick auf den Formmodus »Vom Formbereich subtrahieren« entfernt (Bild 16).
Hintergrund erzeugen

Die der Löwenmähne ähnlichste geometrische Form ist ein Polygon. Sicher lassen sich spannende Ergebnisse mit einem Fünf- oder Sechseck erzeugen. Für dieses Tutorial hab ich mich aber für ein Achteck entschieden. Polygon-Werkzeug auswählen, beliebig in die Arbeitsfläche klicken und den eingetragenen Wert mit einer »8« überschreiben (Bild 17).
Außerdem verwendete ich ab da bereits sinnfälligere Farben. So bekam der Hintergrund das gleiche dunkle Braun wie die Gesichtszüge; die Gesichtsform erhielt ein helleres Orange.
Um die stilisierten Strähnen der Mähne zu erzeugen, hab ich mich für einen Strahlenkranz entschieden. Dazu zeichnete ich zunächst ein Dreieck (man kann auch die »Nase« kopieren), positionierte seine untere Spitze im Bildmittelpunkt (x/y-Werte vom Hintergrund-Achteck in der Transformieren-Palette ablesen und für die Dreiecksspitze angeben) und verlängerte es etwas über den Hintergrund hinaus (Bild 18).
Dieses Dreieck wird anschließend horizontal gespiegelt (Bild 19 – Objekt » Transformieren » Spiegeln…) und auch hier die Spitze im Bildmittelpunkt positionieren. Die beiden Dreiecke anschließend zu einem Pfad zusammensetzen (Strg+8) und davon um 30 Grad gedrehte Kopien erzeugen (Bild 20 – Objekt » Transformieren » Drehen…, im Dialogfenster bei Winkel »30°« eintragen und auf »Kopieren« klicken).

Diese »Strahlen« werden miteinander gruppiert (Strg+G) und erhalten einen helleren Braunton. Danach wird dieser »Strahlenkranz« dupliziert (Strg+C, Strg+F) und etwas gedreht (Bild 21 – Objekt » Transformieren » Drehen…). Er bekommt den helleren Orangeton der Gesichtsform.
Nun werden zwei Duplikate des Hintergrund-Achtecks benötigt, je eins, um einen Strahlenkranz auf dessen Form zuzuschneiden (Bild 22 – Pathfinder-Palette, Formmodus: »Schnittmenge von Formbereichen«).
In der Ebenen-Palette wird als nächstes die »richtige« Reihenfolge hergestellt: ganz unten das dunkelbraune Achteck, darüber der orangene »Strahlenkranz«, darüber der hellbraune. Darüber liegt das »Gesicht« und auf diesem die »Gesichtszüge« (Bild 23).
Nun wird allerdings ersichtlich, dass die »Ohren« irgendwie »in der Luft hängen«. Da das gewünschte Endergebnis ein stilisiertes Löwengesicht sein soll, darf also von der anatomischen Richtigkeit abgewichen werden. Das heißt, ich löste die Gruppierung oder den zusammengesetzten Pfad der Gesichtsform wieder auf (Objekt » Zusammengesetzter Pfad » Zurückwandeln oder Alt+Umschalt+Strg+8) und bewegte die »Ohren« direkt an das »Gesicht« heran und vereinte sie in der Pathfinder-Palette zu einer neuen Gesichtsform (Bild 24).
Grafische Gesichts-Chirurgie

Jetzt, wo die »Ohren« am »Gesicht« anliegen, gefiel mir die hohe »Stirn« nicht mehr. Mit dem Direktauswahl-Werkzeug wählte ich den oberen Ankerpunkt aus, zog die Anfasser etwas auseinander und bewegte den Ankerpunkt anschließend etwas nach unten, um die »Stirn« etwas abzuflachen (Bild 25). Das macht man am besten in der Pfadansicht (Strg+Y).
Mit dem Ankerpunkt-löschen-Werkzeug werden die inneren Ankerpunkte am unteren »Löwenmaul« gelöscht (Bild 26).
Und in der Pfadansicht (Strg+Y) verformte ich mit dem Direktauswahl-Werkzeug die Pfade der »Nase« (Bild 27). Dazu ist es notwendig, die zuvor ausgewählten Ankerpunkte in »Übergänge« zu konvertieren, und dann lassen sich die Pfade an den Anfassern in die gewünschte Form verbiegen. In den oberen Pfad muss mit dem Ankerpunkt-hinzufügen-Werkzeug zuvor noch ein neuer Ankerpunkt gesetzt werden.
Das stilisierte Löwengesicht ist nun so weit fertig (Bild 28).
Finaler Feinschliff
Ich finde es etwas langweilig, wenn das Löwengesicht zum Hintergrund exakt zentriert ist. Darum bewegte ich das »Gesicht« etwas nach oben (Bild 29). In der hier abgebildeten Pfadansicht (Strg+Y) kann man genauer erkennen, um wie viel in etwa.

Und das war’s. Das aus geometrischen Grundformen erstellte Löwengesicht-Logo ist fertig (Bild 30).
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN


31. Januar 2011 
Das ist wie bei meinem Profilbild damals. Man denkt, es is’ SOO easy, dabei ist das ein Aufwand… Wahnsinn.