Starke Marken durch Reduktion – oder: Der minimalistische Ansatz

In einer Welt des Überflusses wird es zunehmend schwieriger Produkte zu platzieren, die es so oder in ähnlicher Form nicht schon längst gibt. Darum setzt ab einem bestimmten Zeitpunkt weniger ein Wettbewerb um die Qualitätsmerkmale der Waren oder deren Preis ein, als vielmehr um die Aufmerksamkeit des Konsumenten. Mit langfristig angelegten Brandingstrategien und aufwändig produzierten Marketingkampagnen wird das knappe Gut in den Medien umkämpft und versucht, den Kunden zur Treue zu bewegen.

Das Problem hierbei ist, dass jeder seine Waren verkaufen möchte, weshalb von allen die Werbetrommel immer lauter gerührt werden muss und der Medienzirkus immer bunter wird. Doch alles was daraus resultiert ist bunter Lärm, in dem die einzelne Marke untergeht. Das einzelne Produkt wird entweder aus Gewohnheit oder aus einer zufälligen Laune heraus erworben. Marktanteile lassen sich so kaum noch gewinnen.


 

Reduce to the Max: Weniger ist mehr

 
Ein gegenteiliger Effekt soll von einem noch recht jungen Trend im Verpackungs- und Kommunikationsdesign bewirkt werden: Minimalismus. Apple und Starbucks haben es jüngst erst mit dem Redesign ihrer Logos vorgemacht: Indem auf überflüssige Elemente weitgehend verzichtet wird, wird die eigentliche Stärke der Marke klarer kommuniziert. So hebt man sich im Meer lärmender Buntheit nicht nur besser hervor, sondern bestätigt den mit der Marke immer auch Identität kaufenden Konsumenten und stärkt dessen emotionale Bindung.

Die Design Beratergruppe Antrepo hat in ihrem neuesten Projekt bekannte Marken auf ihr Potenzial hinsichtlich eines minimalistischen Redesigns untersucht. Ausgehend vom Original wurden jeweils eine vereinfachte und eine minimalistische Variante kreiert. In fast allen Fällen gefällt mir die auf das Wesentliche reduzierte Version am besten. Und es wird deutlich sichtbar, dass minimalistisches Design das Produkt hochwertiger wirken lässt.

 

In Zukunft alles in unbedruckten Verpackungen?

 
Russell Davies, Planungschef der Werbeagentur Ogilvy and Mather und Kolumnist für Campaign und Wired schreibt in seinem Beitrag [runterscrollen auf: 5 Advertising: 'All sorts of things will just be sold in plain packages'] für die 20 predictions for the next 25 years im Guardian, dass es Produkte geben wird, für die schlicht nicht geworben werden darf, weil sie einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit oder die Umwelt haben, jedoch von der Politik nicht verboten werden können. Unter anderem deswegen werde es darauf hinauslaufen, dass Produkte nur noch mit minimalistischem Aufdruck verkauft werden.

In 25 years, I bet there’ll be many products we’ll be allowed to buy but not see advertised – the things the government will decide we shouldn’t be consuming because of their impact on healthcare costs or the environment but that they can’t muster the political will to ban outright. So, we’ll end up with all sorts of products in plain packaging with the product name in a generic typeface – as the government is currently discussing for cigarettes.

Nun ja, man braucht nur an eine Reihe illegaler Produkte zu denken, um sich derlei gesetzlich verordneten Radikal-Minimalismus vorstellen zu können. Andererseits ist ja heute bereits jeder, der ein Smartphone hat, in der Lage, Produktinformationen über Barcode-Scans abzurufen. — Wenn in 25 Jahren Packungen mit einem RFID-Chip ausgestattet sein werden, gelangt die gesamte Information ohnehin auf ganz anderem Weg zum Konsumenten. Wozu also sollte es noch bedruckte Packungen geben?

Bis es soweit ist, freue ich mich allerdings schon auf zahlreiche minimalistische Redesigns, denn weniger ist nun mal mehr.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN

 

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KREATIV seit ich DENKEN kann. – Design • Print & Digital

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