Ignoranz im Marketing – Garant für Misserfolge

Obwohl für mich Die Sache mit den Pressemitteilungen an Blogger eigentlich kein Thema ist, greife ich es heute mal auf, weil ich erst vergangene Woche mit zwei ähnlichen Anfragen kontaktiert wurde.

Worum geht es eigentlich? Marketing- bzw. PR-Verantwortliche oder Agenturen kontaktieren Blogger mit der oftmals unbeholfen vorgetragenen Bitte um Publikation. In den allermeisten Fällen bieten sie dafür keinen Gegenwert. Blogger sehen darin eine Missachtung oder Geringschätzung ihrer Arbeit.

Das Problem beruht – wie so oft – auf Ignoranz. Man kann bereits aus den Formulierungen der Anfragen herauslesen, dass der Absender sich keinen Deut mit dem betreffenden Blog beschäftigt hat. Und ich bin sicher, genau darin offenbart sich die Respektlosigkeit, die Blogger zu Recht empört. Denn ein Blogger generiert ja nicht nur Inhalte, er sorgt auch noch für Reichweite. Das geschieht weder von heute auf morgen, noch lässt es sich aus dem Ärmel schütteln.

Wie bei jeder anderen Unternehmung auch, ist auch der Erfolg eines Bloggers das Ergebnis seines Fleißes. Kommt dann jemand daher und sagt: »Mensch, Du bloggst doch immer so schön, blogg’ doch auch mal was über mich«, sagt er mehr über seine Ignoranz aus als ihm lieb sein kann. – Ich stelle mir gerade vor, wie ich runter auf die Straße gehe, ein x-beliebiges Auto anhalte und sage: »Hey, Du fährst doch sowieso grad in die Richtung; nimm mich mal mit zum Wittenbergplatz!« Natürlich ohne ein Entgelt zu offerieren, sonst hätte ich ja gleich ein Taxi nehmen können…
 

 
So schrieb mir bspw. eine Dame, ihres Zeichens Product Assistent bei einer Job-Suchmaschine:

Sehr geehrter Herr Knoll,
auf der Suche nach Blogs, die qualitativ über Marketing berichten, bin ich auf Ihr Blog http://kadekmedien.com/tag/marketing/ gestossen.
Ich kann mir vorstellen, dass unsere Webseite für Ihre Nutzer, welche sich derzeit auf Jobsuche im genannten Sektor befinden, interessant sein wird. …

In Klartext übersetzt heißt das, bei der Suche nach dem Keyword »Marketing« wurde auch mein Blog angezeigt, also probiert sie es auch mal da. Mein Blog ist lediglich als Multiplikator interessant. Worum es inhaltlich wirklich geht und an wen sich die Inhalte richten, interessiert gar nicht. – Ich bin sicher, das ist genau der Punkt, der Blogger auf die Palme bringt. Leute, die keine Ahnung haben, wen sie da anschreiben, möglichst kostenlos vor den eigenen Karren spannen zu wollen. Deutlicher kann man kaum sagen: »Mir doch egal, wie Du zu Deiner Reichweite kommst, Hauptsache Du lässt sie mir zukommen.«

»Am besten gar nicht erst ignorieren.«

 
Im Normalfall ignoriere ich so was gnadenlos zurück. Mails wie diese zieht mein nervöser Klickfinger schneller in den Spamordner als meine Augen von rechts oben nach links unten fliegen können. Aber ich hatte wahrscheinlich besonders gute Laune, daher machte ich mir die Mühe und formulierte einen Zweizeiler, ohne Hoffnung auf Antwort zu hegen:

Leider haben Sie vergessen einen Preis zu nennen, bei dem ich unmöglich »nein« sagen kann.

Am nächsten Morgen kam dann das Angebot, »im Gegenzug« mein Werbanner/-logo auf den Seiten der Job-Suchmaschine einzubinden.

  1. Warum nicht gleich so?
  2. Was haben die Nutzer einer Job-Suchmaschine mit meiner Zielgruppe zu tun?

Ist das eigentlich ein Überbleibsel kolonialen Denkens, den »Primitiven« im Austausch gegen Gold und Sklaven Glasperlen anzubieten? Welchen Nutzen hat denn dieses abverlangte Angebot für mich? Weshalb sollte ich darauf eingehen?

Es geht immer um Mehrwert

 
Ein Blog stellt immer einen Mehrwert dar. Und zwar – davon bin ich felsenfest überzeugt – auch private Blogs, in denen Menschen anderen, vielleicht anonymen Lesern einfach »nur« ihre Gefühlslage mitteilen. Wer solche Posts liest, tut das, weil er einen Mehrwert für sich darin erkennt.

Bei Corporate-, Marketing- oder Selbstmarketing-Blogs ist das nicht anders. Lediglich die thematische Ausrichtung und die anvisierte Leserschaft sind eine andere. Und wie bereits weiter oben beschrieben, ist die erzielte Reichweite eine Komponente des Erfolgs. Sie setzt relevanten Content voraus, motiviert allerdings auch, diesen weiterhin zu generieren.

Daher kommen Anfragen, über einen bestimmten Sachverhalt zu bloggen, ganz anders daher, wenn sie von vornherein einen Mehrwert für den Blogger oder die Leser des Blogs anbieten.

Eine solche Anfrage hatte ich vergangene Woche ebenfalls in der Mailbox. Da fragte der Marketer einer Online-Druckerei an, ob ich nicht über eine bis Heiligabend terminierte Sonderaktion bloggen wolle. Bei Neuanmeldung auf dem Portal der Druckerei erhalten die ersten 5.000 jeweils 200 Vierfarb-Visitenkarten gratis. Eine vergleichbare Aktion gab es ja bereits letztes Jahr. Und auch diesmal blogge ich nicht direkt darüber, weil mir als Fachmann die Bezeichnung »Vierfarb-Visitenkarten« zu ungenau ist. Einseitig, beidseitig? Und wenn ja, auf welchen Karton?

Der eigentliche Grund aber, weshalb ich ablehne dieses Angebot zu promoten, liegt in folgender Formulierung begründet:

Über Ihre Veröffentlichung auf Ihrem Top-Blog http://kadekmedien.com würden wir uns sehr freuen.

  • Was bitte ist ein »Top-Blog«?

Ich bekomme glücklicherweise nicht sehr oft solche Anfragen, vielleicht eine im Monat. Aber sie mehren sich. In den letzten vier Wochen waren es schon fünf oder sechs, und sie sind alle in der »Ablage P« verschwunden. Naiv zu sein, oder etwas relativ Neues noch nicht so zu kennen, ist keine Schande. Aber man kann sich damit vertraut machen, »zuhören« wie es immer so schön heißt, um sich anschließend zu fragen: »Ist das was für mich? Und wenn ja, wie stelle ich Kontakt her?«

Es geht meines Erachtens auch nicht darum, den Blogger zu »bestechen«, obwohl ich gegen bezahlte und entsprechend gekennzeichnete Posts keine Einwände hätte. Advertorials muss es ja nicht nur in Fachzeitschriften geben.

Man kann aber versuchen herauszufinden, auf welcher Bühne die eigene Show inszeniert werden soll. Von jedem wird das erwartet. Ob sich jemand bei einem Unternehmen um einen Job bewirbt, ob ein Autor einen Verlag sucht oder ein Marketer seine Zielgruppe, immer steht Informieren am Beginn und wird Interesse durch Kenntnis bezeugt. Ignoranz verrät sich immer im Sprachgebrauch und führt – wenn schon nicht zu Verstimmungen – so auf jeden Fall zu Misserfolgen.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN

 

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  1. Tweets that mention Ignoranz im Marketing – Garant für Misserfolge « kadekmedien's Blog -- Topsy.com - 6. Dezember 2010

    [...] This post was mentioned on Twitter by Michael Manger, Klaus-Dieter Knoll. Klaus-Dieter Knoll said: frisch gebloggt: Ignoranz im Marketing – Garant für Misserfolge http://wp.me/pqPns-Wu #smm [...]

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