Facebook: Eine Ergänzung ist kein Ersatz

Anscheinend gibt es einen entsprechenden Wunsch seitens einiger Kunden, zugunsten einer Facebook-Page auf die eigene Website zu verzichten. Erst vergangene Woche ist das Thema wieder einmal aufgegriffen worden, mit einem nicht konsequent zu Ende gedachten Vergleich, einer präzisierenden Entgegnung und schließlich einer umfassenden Aufklärung über die damit verbundenen Risiken.

Ich kann nur spekulieren, woher ein solcher – in meinen Augen absurder – Wunsch kommen kann. Aber ich vermute sehr stark, es hängt mit den immer wieder einmal erwähnten niedrigen Kosten zusammen, die das Social Web ermögliche.

Es ist bemerkenswert kurzsichtig, von der kostenlosen Nutzung eines Webservices (etwa die Einrichtung einer Facebook-Page) auf niedrige Gesamtkosten zu schließen. Und es ist mindestens grob fahrlässig, aufgrund dieser falschen Annahme die mediale Selbstdarstellung des eigenen Unternehmens zu ramponieren.

Kurzsichtig und grob fahrlässig

An einem simplen Beispiel möchte ich das verdeutlichen: Sie planen für Ihren nächsten Messeauftritt sich unter anderem mit einer Imagebroschüre zu präsentieren. Sie beauftragen einen Kommunikationsdesigner mit der Erstellung eines Konzeptes und der Gestaltung der Broschüre. Ein Werbetexter bringt ihre Aussagen zielgruppengerecht auf den Punkt. Die fertige Imagebroschüre wird in einer Druckerei auf hochwertiges Papier gedruckt und eventuell sogar mit diversen Techniken veredelt. Das ganze hat natürlichen seinen Preis, und den ist es auch wert.

Jetzt flüstert Ihnen aber jemand ein, es gehe auch billiger. Sie bräuchten sich nur einmal in Ihrem Büro umzusehen, und schon fänden Sie alles, was Sie benötigten, um sich kostengünstig selbst dazustellen. Anstatt eines Werbetexters nehmen Sie also die Sache selber in die Hand und diktieren Ihrer Assistentin ein paar Kernsätze mit dem Hinweis, sie solle da mal was draus machen.

Das tut sie auch gern, weil sie schon immer einmal jenseits ihrer üblichen Aufgaben herausgefordert werden wollte. Und da sie sicher im Umgang mit der Office-Software ist, bringt sie das ganze auch noch in Form und druckt Kopiervorlagen auf dem Multifunktionsgerät aus. Texte in schwarz-weiß, weil das billiger kommt, Tortengrafiken in Farbe, weil das hübscher aussieht.

Noch bevor Sie sich versehen, läuft ihre Assistentin zur Hochform auf und handelt im Copyshop nebenan einen günstigeren Preis aus, in dem die farblich passende Plastikringbindung bereits enthalten ist. Von den eingesparten Kosten verdoppeln Sie ihr selbstverständlich das Urlaubsgeld und die Weihnachtsgratifikation und haben immer noch ein Schnäppchen gemacht.

Messeauftritt. Ihre Konkurrenz wirbt mit erstklassig veredelten Hochglanzbroschüren für ihre Produkte. Sie halten mit 08/15 dagegen. Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich wohl?

Man kann auch am falschen Ende sparen

Was auf den ersten Blick verlockend erscheint, kann sich rasch auch als Irrtum herausstellen. Auch wenn das Einrichten einer Facebook-Page scheinbar nichts kostet (bezahlt wird in Wirklichkeit mit den eigenen Daten), das Betreiben erfordert Community-Management und Content-Erstellung. Beides erfordert Spezialkenntnisse, die nirgendwo zum Nulltarif angeboten werden.

Eine Facebook-Page kann schon aus Erfahrung mit Medien immer nur als Ergänzung gesehen werden. Ebenso wenig wie das Radio die Zeitung verdrängt hat, das Fernsehen weder das Kino noch das Radio, so haben auch neuere Medien und Kanäle ältere zwar verändert, nicht aber verdrängt. Und in der Werbung spiegelt sich diese Geschichte genau so wieder.

Kein Mensch käme auf die Idee, auf Anzeigenwerbung in Zeitungen oder auf Plakate am Straßenrand zu verzichten, weil die Leute beim Autofahren Radio hören und der Werbespot sie schon irgendwie erreichen würde. Das gleiche bei TV-Werbung. Niemand verzichtet auf den Radiospot, weil analog dazu ein Werbeclip gedreht wurde.

Repetitio mater studiorum est – oder:
Stetes Tropfen höhlt den Stein

Es ist nicht einmal so, dass man einfach alle Kanäle für Werbung benutzt, weil sie da sind. Die einzelnen Teile erfolgreicher Werbekampagnen werden selbstverständlich unter Berücksichtigung medienspezifischer Eigenheiten aufeinander abgestimmt. Im Idealfall sieht ein Rezipient einen Werbespot abends im Fernsehen, hört morgens auf der Fahrt zur Arbeit den Radiospot und passiert entlang des Wegs entsprechende Plakate, und findet schließlich in der Zeitung noch einmal die Anzeige. Medienübergreifende oder Crossmedia-Werbung beruht auf Wiederholung.

Auf ein Medium zu verzichten, weil es ein neues gibt, anstatt das neue Medium als Ergänzung aufzufassen, zeugt schlicht von Ignoranz. Die dabei eingesparten Kosten werden sich in Umsatzverlusten niederschlagen und finanzieren allenfalls den Wettbewerbsvorteil der Konkurrenz.

***

Übrigens, falls Sie bereits eine Facebook-Page haben und sie professionell gestalten wollen, schauen Sie sich doch einmal diesen Artikel an: 520 Grid System – HTML/CSS Framework made for Facebook Page Developers

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN

 

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Über kadekmedien

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7 Antworten zu “Facebook: Eine Ergänzung ist kein Ersatz”

  1. Stimmt.

    Gerade der Gedanke: Socialmedia wäre kostenfrei ist doch gerade stark verbreitet. Ich höre diese Meinungen derzeit immer wieder. Doch gerade eine im Sinne von Unternehmen geführte Socialmedia Präsenz auf Facebook bedeutet enorme Aufwendungen im Bereich des Dialog.
    Socialmedia kost nix. Dazu habe ich selbst hier http://www.socialmedia-mainfranken.de/2010/11/21/socialmedia-kostnix/ ein paar Worte geschrieben.
    Besonders passend ist jedoch auch der Post von Sachar auf seinem Blog:
    http://www.massenpublikum.de/blog/?p=1666 “Don’t call it socialmedia”
    Gerade diese – jetzt 3 Beiträge – binnen kürzester Zeit zeigen das aktuelle Dilemma sehr gut auf:
    Jeder will auf den Zug socialmedia Marketing aufspringen, aber nur wenige sind sich des Dogmen-Wechsel im Bereich der Unternehmens-Kommunikation und des Marketings bewusst und so verkommt socialmedia zu flachster Werbung auf Facebook mit zu wenig Dialog.

    Schade drum.

  2. Auf meinem Handy sieht dein Blog irgendwie komisch aus.

  3. Er passt sich nicht ans Hochformat an. Aber wenn ich ihn auf meinem Handy im Querformat ansehe, ist alles wunderbar.

  4. Ich sehe ihn auch im Hochformat passend.

  5. Ein Unternehmen braucht seine eigene Homepage, da nur dort der eigene Stil, die eigene Philosphie usw. kommuniziert werden kann.
    Ich sage immer: Seine Homepage ausschließlich auf Facebook zu verlagern (wie die FHM z.B.) ist wie Visitenkarten bei Vistaprint kostenlos zu bestellen und zu akzeptieren, das hinten deren Werbung drauf ist.

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  1. Tweets that mention Facebook: Eine Ergänzung ist kein Ersatz « kadekmedien's Blog -- Topsy.com - 22. November 2010

    [...] This post was mentioned on Twitter by frischgebloggt and Herbert Peck, 3te-Etage/Kieslich. 3te-Etage/Kieslich said: RT @kadekmedien: frisch gebloggt: Facebook: Eine Ergänzung ist kein Ersatz http://wp.me/pqPns-Ul #smm [...]

  2. Totterturm » Blog Archive » Vertraut und Verkauft – Warum eigentlich Social Media? - 25. November 2010

    [...] die Markenwebseite ganz auf Facebook zu verlagern. Die sich daraus entspannende Diskussion hat Klaus-Dieter Knoll auf kadekmedien sehr schön zusammengefasst. Das Ganze hat  mich noch einmal dazu gebracht, darüber nachzudenken, [...]

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