So faszinierend Social Media auch ist, es bringt immer auch Unmengen an Informationen mit sich, die zumindest dem Anschein nach zu einem anwachsenden Berg unerledigter Aufgaben führen. Das frustriert nicht nur, weil man das ungute Gefühl hat, nicht genug zu leisten, sondern auch weil es sich neben liegen gebliebenen Aufgaben um menschliche Belange handelt, etwa unbeantwortete Mails und Kontaktanfragen. Viele von denen, die behaupten, keine Zeit für Social Media und Social Networking zu haben, ahnen zumindest das Überforderungspotential, das die Bewältigung zu vieler Informationen mit sich bringt. Die folgenden Tipps können helfen, den Information Overload zu vermeiden.
Prioritäten setzen
Zugegeben, es ist enorm verführerisch, Zugang zu einer munter sprudelnden Quelle ständig neuer Nachrichten zu haben. Und da die allermeisten Hinweise auf interessante Neuigkeiten von Quellen kommen, die man ja selbst erst abonniert hat, verursachen nicht gelesene Meldungen mitunter das ungute Gefühl, man beachtete die Menschen dahinter nicht. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss, der schnell zum Burnout führen kann.
Weniger gefährlich ist es, die verbreiteten Nachrichten als reichhaltiges Angebot zu sehen, aus dem man wählen kann. Und sinnvollerweise setzt man Prioritäten und wählt nur solche Nachrichten aus, die zu den anstehenden Aufgaben passen.
Die meisten Meldungen sind mit einem Link zu einem ausführlicheren Beitrag versehen, den man bookmarken kann, falls man ihn interessant findet, das Thema aber nicht zur aktuellen Aufgabe passt. Beispielsweise speichere ich deutschsprachige Seiten bei Mister Wong und fremdsprachige in StumbleUpon. Versieht man sie beim Bookmarken mit sinnfälligen Tags, ist es kein Problem, sie später mühelos wieder zu finden. Die meisten erledigen sich aber wie von selbst, wenn sie auf der Prioritätenliste dem eigenen Workflow entsprechend als weniger dringlich eingestuft werden.
Quellen limitieren
Um die Nachrichtenflut einzudämmen, ist es wichtig die Quellen zu limitieren. Für Anfänger empfiehlt es sich ohnehin, mit so wenigen wie möglich zu beginnen. Auf diese Weise lernt man sich an die Menge gleichzeitig erscheinender völlig unterschiedlicher Nachrichten heranzutasten. Zehn Leuten, denen man auf Twitter folgt, fünf abonnierte Blogs im RSS-Reader sowie die eigenen Facebook-Friends sorgen für ausreichend Neuigkeiten, um den Blick für das Wesentliche zu erlernen. Zeitgemäße Aggregatoren wie beispielsweise die Twitter Times helfen dabei, einen Überblick über das Wichtigste aus den eigenen Followings zu gewinnen.
Sobald man den Eindruck hat, mit dem hereinkommenden Nachrichtenstrom fertig zu werden und auf einen Blick Wichtiges von weniger Wichtigem unterscheiden kann, spricht nichts dagegen, mehr Leuten zu folgen, mehr Blogs zu abonnieren. Am besten, man behält stets im Hinterkopf, dass man nicht alles lesen muss – es ist nicht wirklich alles von Belang, auch wenn es manchmal den Anschein hat.
Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.
Allerdings muss man auch hin und wieder nachjustieren, denn Quantität ist nun mal kein Qualitätskriterium. Im Zusammenhang mit seiner Prioritätenliste sollte man die abonnierten Quellen immer wieder kritisch hinterfragen. Twitterer, die überwiegend andere Themen vertwittern, kann man entfolgen. Blogs, die man nicht wirklich regelmäßig liest, kann man deabonnieren. Und auch nicht jede Facebook-Seite, die mit einem Klick auf den „Gefällt mir“-Button Eingang in den Newsstream fand, gefällt einem dauerhaft.
Man darf entfrienden
Und das führt direkt zum nächsten Tipp: Man darf entfrienden und man kann Friend Requests auch ablehnen! Erfahrungsgemäß haben Twitterer weniger Probleme damit jemand zu entfolgen, dessen Kurznachrichten sie nicht mehr lesen mögen. Vermutlich liegt das an der asymmetrischen Vernetzung. Man kann, muss aber nicht jedem zurückfolgen, der einem folgt.
Anders sieht es beispielsweise bei Facebook aus. Die Bezeichnung Friend unterscheidet sich ja vom Follower oder Subscriber schon dadurch, dass es einen gegenseitig bestätigten Kontakt meint. Darüber hinaus nehmen zumindest deutsche User diese Bezeichnung gern wörtlich und echauffieren sich darüber, wer alles unter dem Label Freund in die Nähe der eigenen Online-Reputation gelangen könnte.
Das ist unnötige Wortspalterei. Ein Friend ist ein gegenseitig bestätigter Online-Kontakt. Und wenn jemand zu häufig und/oder zu aufdringlich im Newsstream Dinge platziert, die einem unangenehm sind, kann man dem ein Ende setzen. In Facebook gibt es beispielsweise die Möglichkeit, auf verbergen zu klicken. Und wenn man es für richtig hält, dann hat es auch seine Richtigkeit, wenn man jemand entfriendet. Im äußersten Notfall lassen sich besonders hartnäckige Kandidaten auch sperren.
Strukturiert arbeiten, Zeit kontingentieren
Weniger ist mehr, nicht nur im Hinblick auf die Nachrichtenquellen. Um effektiv zu arbeiten, empfiehlt es sich, eine To-Do-List anzulegen, die nicht nur der Prioritätenliste, sondern auch dem eigenen Kräftehaushalt entspricht. Wem es morgens leichter fällt zu schreiben, sollte morgens schreiben. Wer mittags lieber organisatorische Büroaufgaben erledigt, sollte das mittags tun. Und wer abends am kreativsten ist, sollte abends seiner Kreativität den Vorrang lassen. Eine Aufgabe lässt sich nur mal leichter und erfolgreicher bewältigen, wenn sie dem Fluss der eigenen Kräfte folgt.
Und das beinhaltet auch, die für eine Aufgabe zur Verfügung stehende Zeit zu kontingentieren und diszipliniert darauf zu achten, dass weder Ablenkungen noch andere Störfaktoren das eigene Vorhaben unterlaufen. Wer sich beispielsweise vornimmt, in der nächsten Stunde zu bloggen, sollte sich auch mit nichts anderem als dem anstehenden Blogpost befassen. Idealerweise greift man für Recherchen auf bereits im Vorfeld gespeicherte Seiten und Notizen zurück und nutzt in der verfügbaren Zeit ausschließlich seinen Schreibfluss aus.
Wem es schwer fällt, diszipliniert zu arbeiten oder wer sich leicht ablenken lässt, sei empfohlen, diese Störfaktoren auszuschalten. Man kann Twitter, Facebook und Co. schließen. Die Mails im Posteingang sind keine To-Do-Liste! Und man kann Anrufern von einem Mitarbeiter ausrichten lassen, man wäre gerade in einer Besprechung. Oder man schaltet das Telefon aus, während man arbeitet. Niemand zwingt einen, jederzeit erreichbar zu sein.
Ziele festlegen, auf Schritte herunterbrechen
Manchmal steckt man voller Ideen und findet scheinbar einfach den Anfang nicht. Eine klare Struktur hilft auch hier weiter. Meiner Meinung nach beginnt die Struktur bereits mit der Bewusstmachung einiger wesentlicher Dinge. Zum Beispiel damit, welches Ziel man eigentlich erreichen will. Wenn man irgendwo deutlich sichtbar definiert, wie sieht das Ende der anstehenden Aufgabe aussieht, fällt es auch leichter, die einzelnen Schritte dahin zu bewältigen.
Es gibt zahlreiche webbasierte Hilfsmittel, die gezieltes Arbeiten ermöglichen. Die Follower auf Twitter lassen sich ebenso wie die Friends in Facebook in Listen organisieren, um den Nachrichtenstrom themenbezogen zu filtern. Ideen lassen sich wunderbar in Mindmaps entwickeln, die sich darüber hinaus auch dafür eignen, die zum Ziel führenden Zwischenschritte in die richtige Reihenfolge zu bringen.
Und das sind auch schon die wichtigsten Tipps, um dem Information Overload vorzubeugen. So großartig und verführerisch die Vielfalt im Social Media auch ist, der Trick besteht darin, sich ein Ziel zu setzen und es auf leichter erreichbare Zwischenschritte herunter zu brechen. Idealerweise arbeitet man dem eigenen Kräftefluss entsprechend und nutzt für strukturiertes Arbeiten im Web verfügbare Hilfsmittel.
Es hilft ungemein, sich hin und wieder bewusst zu machen, dass man kein Hündchen ist, das jedem Stöckchen hinterher springen muss. Sich ablenken zu lassen, führt nur zu Frustration. Dagegen fühlt es sich jedes Mal gut an, wenn man das selbst gesteckte Ziel erreicht. Und am besten genießt man das in aller Ruhe. Man darf ruhig auch mal offline gehen und mit seinen Liebsten etwas Schönes unternehmen.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN
In dieser Serie erschienen:
- Faszination Social Media: Wozu ist das gut?
- Faszination Social Media: Twitter – Der alles verbindende Kreislauf
- Faszination Social Media: Das eigene Blog als Marketinginstrument
- Faszination Social Media: Google – Gigant und Außenseiter
- Faszination Social Media: Wie Facebook nach Dominanz strebt
- Faszination Social Media: Der Social Media Newsroom
- Faszination Social Media: Die Relativität der Privatsphäre
- Faszination Social Media: Die gefürchtete Frage nach dem ROI
Diesen Artikel empfehlen |
| | ![]() |
| |


16. August 2010

Diesen Artikel empfehlen
Danke für die Tipps.
… ja, auch mir fehlt oft der Faden, der wohl vorzugsweise rot sein sollte.
Seit kurzer Zeit lasse ich mich u.a. von der z.Zt. noch kostenfreien CRM-Software aus deutschen Landen unterstützen: taurec_cm
Ein paar Sachen laufen jetzt besser …
Danke, KChristoph, für Deinen Kommentar und den Tipp. Kannte ich noch gar nicht taurec_cm, sehe ich mir später noch an. Hier schon mal der Link für alle interessierten: taurec_cm
ganz herzlichen dank fuer diese sehr wertvollen tipps. bin schwer begeistert, auf den punkt. danke und gruss, z.Zt. aus berlin, olaf
Sehr schöner Artikel!
Was ich manchmal gerne hätte wäre ein Autoresponder für social Media. Jemand schreibt mich z.B. bei Facebook an und er erhält automatisch die Nachricht, dass ich mich um Facebook Nachrichten immer Dienstags um z.B. 12 Uhr kümmere.
Gibt es so etwas?
..und auf jeden Fall notieren, wo man etwas kommentiert hat ;-) a) um es wiederzufinden und b) zu sehen ob der Kommentar veröffentlicht wird
Vielen Dank für die Ergänzung, Alexander! Mit den Kommentaren ist es ja so eine Sache… Wohin notierst Du Deine Kommentare, um den Überblick zu behalten?
Hallo Sven, also mir ist so ein Social Media Autoresponder nicht bekannt. Die sind auch eher verpönt, weil man von der E-Mail weiß, „ah, Autoresponder, da kriegst Du nie ‘ne Antwort“ und auch weil automatische DM auf Twitter eher nerven. Die gesamte Authentizität geht mit automatisierten Nachrichten verloren, und gerade darum geht es doch in Social Media.
Ganz davon abgesehen, würde das Tool versagen, wenn jemand seine Benachrichtigungen abgestellt hat – also so ziemlich alle, die viel im Social Media unterwegs sind.
10 Twitteren folgen, 5 Feeds abonnieren? Meine Erfahrung nach bedeutet das, dass man die Vorteile dieser Medien dann nicht wirklich nutzt und somit gar nicht begreift, wie sie funktionieren. Gerade Anfängern würde damit nicht klar, dass Twitter & RSS eigentlich Werkzeuge sind, die die Nachrichtenfilterung erleichtern. Mein Vorschlag ist daher stets, gleich richtig anzufangen. Also erst einmal mindestens 30-50 Twitterern zu folgen. Ansonsten stellen sich Netzwerkeffekte schwerlich ein.
Was natürlich wichtig ist, und das kann man gar nicht oft genug sagen: „Entfrienden“ ist tatsächlich kein Affront, sondern teils notwendig. Wer in meiner Timeline viel zu einem Thema twittert, das mich nicht interessiert, ist für gewöhnlich draußen. Egal, um wen es handelt, und wie meine persönliche Beziehung zu diesen Leuten ist.
Gleiches gilt für RSS-Feeds. Ein Feed, den man seit 3 Monaten nicht mehr angesehen hat, kann meistens raus.
Hallo CH,
der Artikel handelt ja nicht davon, wie man Netzwerkeffekte erzeugt, sondern dem Information Overload vorbeugt. Und in dem Zusammenhang rate ich Anfängern sich heranzutasten. 10 Twitterer und 5 Feeds sind eine Menge für Leute, die das zum ersten Mal machen, und völlig ausreichend, um zu sehen, was passiert. Gleichzeitig ist es eine Empfehlung kein Gesetz ;)
Überspitzt gesagt würde dies jedoch bedeuten, dass man sich dem „Information Overload“ durch die Nichtverwendung von Instrumenten entgegen stellt. Analog wäre es, als würde man einem Menschen, der wenig Auto fahren möchte, empfehlen, doch einfach sehr wenig zu tanken. Das überzeugt mich nicht.
Meine These: Wer Twitter und RSS nur so nutzt, nutzt es relativ schnell gar nicht mehr. Dies wäre natürlich eine sehr konsequente Art, dem „Information Overload“ zu begegnen. ;o)
Sich herantasten heißt nicht vermeiden. Oder beginnt die erste Fahrstunde mit einer Autobahnfahrt?
Tolle Idee, Zeitmanagement in der Social Media-Welt. Ich kenne die oben genannten Beispiele nur zu gut aus meiner Vergangenheit.
Und ich glaube, das wichtigste Thema ist hier noch nicht erwähnt, hilft aber auch gerade den Unerfahrenen nur wenig: Das Wichtigste ist nämlich die Erfahrung, die man über die Zeit im Umgang mit den Social Media sammelt.
Von daher ist dieser Beitrag eine gute Maßnahme, gerade Anfängern zumindest ein paar Try-and-Error-Szenarien zu ersparen.
Top!
Beste Grüße
Daniel Vossems
Schöner Artikel, danke für den Beitrag! Das Thema interessiert mich schon seit langem. Ich bin derselben Meinung wie CH. Ohne assoziieren und hinterfragen der Dinge bleiben Informationen nur für kurze Zeit im Gehirn verankert.