Als ich heute Morgen meine Twitter Times überflog, geriet ich ins Stocken, als ich den Namen Chris Al-Aswad und share your condolences in einer Zeile las. Natürlich klickte ich auf den Link zum Kondolenzbuch der Chicago Sun-Times und trug mich ein. Ich schätze, jeder der irgendwie einmal mit Chris in Kontakt gekommen war, hätte beim Anblick dieser Nachricht das gleiche getan.
Was mich mindestens ebenso schockierte wie die Nachricht von seinem viel zu frühen Tod, war die Tatsache, dass ich erst jetzt– vierzehn Tage später – etwas davon mitbekam. Wie konnte das sein? Das Social Media war schließlich Chris Al-Aswads zweites Zuhause…
Irgendwann zu Beginn dieses Jahres tauchte jemand, der sich Lethe Bashar nannte, mit diesem auffälligen Profilbild auf meinem StumbleUpon Profil auf und abonnierte es. Also besuchte ich sein Profil und las, dass es der 30 Jahre junge Gründer und Redakteur des Chicagoer Online Kunstmagazins Escape Into Life war. Die Links in seinem Profil waren schon so interessant, dass ich ihn zurück abonnierte. Aber dieses Online Kunstmagazin – Chris kürzte es stets mit EIL ab – ließ mich nicht mehr los. Ich hatte den Eindruck, ich könnte den Rest meines Lebens ausschließlich auf dieser einen Website zubringen.
Zu dieser Zeit plante ich für Art and Events ein Interview mit Danielle Duer zu machen. Da es ohnehin auf Englisch stattfinden würde, fand ich, wäre das doch vielleicht auch ein Beitrag für EIL. Ich mailte Chris über StumbleUpon an, und nachdem er Danielles Website gesehen hatte, gab er mir sein OK.
Während ich das Interview mit Danielle ins Deutsche übertrug, tauschte ich einige E-Mails mit Lethe Bashar aus, während der er seinen Namen in Chris Al-Aswad änderte. Dies sei sein richtiger Name, ließ er – offenbar nicht nur – mich wissen.
Ich folgte ihm außerdem auf Twitter und FriendFeed. Und vor allem auf FriendFeed kriegte ich neben der schier unendlichen Fülle an Beiträgen über bildende Künstler auch jede Menge Gedichte mit, die er in seinen zahlreichen anderen Blogs publizierte. Und ebenso den einen oder anderen Tweet, den ich wegen der Zeitverschiebung sonst sicherlich verpasst hätte.
Die meiste Zeit war Chris am arbeiten. Er postete und postete wie ein manisch Besessener, getrieben von einer fremden übergroßen Kraft. Es gab durchaus Besorgnis erregende Tweets, bei denen ich mich fragte, ob er etwa selbst erkannte, dass dieses Pensum auf Dauer nicht zu halten war.
Am 16. Juli feierte Chris seinen 31. Geburtstag, natürlich nicht ohne zu arbeiten. Sein ganzes Leben widmete er der Idee, eine Website zu kreieren, auf der alle Künstler dieser Welt präsentiert werden. Escape Into Life kam dieser Idee näher als irgendwas sonst. Nur wenige Tage vor seinem Tod, zitierte er in einem Tweet den amerikanischen Schriftsteller F. Scott Fitzgerald:
There is no second act in American lives.
Am 27. Juli endete Chris Al-Aswad 1. Akt.
Chris hat eine unglaubliche Menge von Posts geschedult, die über seinen viel zu frühen Tod hinaus via Tumblr, FriendFeed, Facebook und Twitter seine Fans erreichten – und es immer noch tun. Und obwohl viele seiner Freunde auf Twitter mit dem Hashtag #TYCHRIS kondolierten, kriegte ich die Nachricht erst heute mit. Was mich aber nicht weniger betroffen macht.
R.I.P. Chris Al-Aswad aka Lethe Bashar
Update 04.10.2010: Art and Events: Christopher-Al-Aswad-Preis für Johanna Harness


14. August 2010



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