Um im Social Media erfolgreich kommunizieren zu können, sind einige Vorbereitungen nötig. Über seine Ziele sollte man sich ebenso klar werden wie über die Strategie, mit der man sie erreichen will. Die grundsätzlichen Erfolgsfaktoren – Zuhören und Teilen – erlernt man quasi schon mit den ersten Schritten. Nicht weniger wichtig ist, eine Auswahl der richtigen Werkzeuge zu treffen. Bis auf ein rein privates Anwenderszenario – etwa wenn jemand ausschließlich Kontakt mit Familienmitgliedern, dem engeren Bekanntenkreis und vielleicht noch alten Schulfreunden sucht – gehört ein Tool immer dazu: Twitter.
So viel wie nötig, so wenig wie möglich
Twitter ist der alles miteinander verbindende Kreislauf. Der einzelne Tweet ist zwar auf eine Länge von 140 Zeichen begrenzt, aber innerhalb dieses Limits gilt das freie Wort. Durch die Möglichkeit, Links zu Webseiten, Bildern, Videos und Sounddateien mitzusenden, die zuvor von URL-Kürzern geschrumpft werden, wird der eigene Kommunikationsfluss durch dieses Limit nicht etwa gehemmt, sondern seine Effektivität gesteigert.
Erstaunlicherweise begegne ich immer wieder Leuten, die gerade mit Twitter nichts anfangen können. Der Sinn, beliebige Kurznachrichten an ein mehr oder weniger anonymes Publikum aussenden zu können, erschließt sich ihnen einfach nicht. Dabei ist es (in meinen Augen) denkbar einfach zu verstehen: das Internet ist unfassbar groß. Unüberschaubar viele Menschen nutzen es gleichzeitig, um ihre Informationen anderen zur Verfügung zu stellen. Man kann es sich als riesigen Marktplatz vorstellen, auf dem sich Massen von Menschen drängen, die ihre Angebote machen und/oder die anderer nutzen wollen. Jeder hat die gleiche Chance gehört zu werden, nur dass die Wahrscheinlichkeit darauf im gleichen Maße abnimmt, wie die Anzahl der Nutzer zunimmt. Und in dieser Situation sinkender Erfolgsaussichten kommt jemand und drückt ihnen ein Megaphon in die Hand.
Twitter gleicht den Stimmbändern des Marktschreiers. Und mittlerweile gilt das nicht nur in einem physischen, sondern durchaus auch metaphysischen Sinn: Twitter ist die Stimme des Internet. Keine noch so genaue Umfrage kann sich auch nur annähernd auf eine so große, freiwillig und spontan geäußerte Menge an Meinungen berufen, noch dazu im denkbar kürzesten Zeitraum, nämlich in Echtzeit.
Asymmetrische Vernetzung und Privatsphäre
Einige Menschen haben in Bezug auf ihre Privatsphäre Bedenken, sich öffentlich vor (weitgehend) anonymen Massen zu äußern. Diese Unsicherheit wird meiner Meinung nach schon in relativ kurzer Zeit verdrängt von der Lust, sich vor Zeugen zu verwirklichen. Wie weiter oben schon beschrieben, ist Zuhören einer der grundsätzlichen Erfolgsfaktoren im Social Media und man lernt währenddessen alles Nötige.
Es gibt keine konkrete Erwartungshaltung. Nachdem der Account eingerichtet ist, sieht man sich ein wenig auf Profilen anderer Nutzer um und abonniert mehr oder weniger nach Belieben die ersten Twitterer. Wichtig ist dabei, das asymmetrische Prinzip zu verstehen: jeder kann jedem folgen, muss aber nicht. Es gibt keinen Grund, in seiner Eitelkeit gekränkt zu sein, wenn man nicht zurückverfolgt oder nach einiger Zeit wieder entfolgt wird. Wenn man im Bus neben jemand sitzt, der vor einem aussteigt, ist man ja auch nicht beleidigt.
Schon beim Beobachten der ersten Tweets beginnt man zu lernen, was Twitterer für geeignet halten, anderen mitzuteilen. Die Betonung liegt auf mitzuteilen, und es werden kaum intime Dinge sein, die man vor mehrheitlich Fremden hinausposaunt. Was andere über einen sagen, lässt sich ohnehin kaum kontrollieren. Aber was man selber sagt, kann man mit Bedacht wählen, dann ist die Privatsphäre auch nur so weit gefährdet, wie man sich gehen lässt. Und überhaupt, das schlimmste was einem passieren kann ist, auf einen längst vergessenen Tweet zu stoßen, der einem mittlerweile peinlich ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass andere ihn auch wieder sehen und/oder peinlich finden.
Quelle sozial gefilterter Nachrichten
Sobald man seine anfängliche Scheu abgelegt hat, kommt man vor lauter Spaß gar nicht mehr dazu, Bedenken zu tragen. Die Freude darüber, wie leicht man mit gänzlich Unbekannten in Kontakt kommt und welch erstaunliche Nähe einzig durch regelmäßiges miteinander Kommunizieren zustande kommt, ist überwältigend. Den fließenden Übergang gar nicht bemerkend, wandelt sich auch der blutigste Anfänger binnen kürzester Zeit zum Profi.
Plötzlich versteht man Twitter als einzigartige Quelle sozial gefilterter Nachrichten in Echtzeit zu nutzen, das heißt nur die Mitteilungen zu beachten, die einem momentan bedeutsam erscheinen. Die wichtigsten Gepflogenheiten erschließen sich dabei von ganz allein. Ein vorangestelltes #-Zeichen macht ein Wort zu einem #hashtag, der funktional als Selektor dient, um den betreffenden Begriff über die Twittersuche leichter auffindbar zu machen. Gleichzeitig versteht man ihn als Filter zu nutzen, um auf einen Blick zu erkennen, ob ein Tweet im Augenblick interessant für einen ist oder nicht.
Ebenso leicht erschließt sich die Bedeutung der Retweets als virtueller Beifall und Möglichkeit, eine subjektiv für wertvoll befundene Nachricht wahlweise mit oder ohne Anmerkung an die eigenen Follower weiterzuleiten. Und auch die lustige Tradition, nützliche Nachrichten verbreitende Twitterer den eigenen Followern zum #FollowFriday zu empfehlen, möchte man bald nicht mehr missen.
Dank Hyperdistribution immer und überall präsent
Letzte Zweifel an der Nützlichkeit Twitters als jedermann zugänglichem Kommunikationskanal lösen sich wie von selbst auf, sobald man beginnt es professionell in den Dienst seiner Ziele zu stellen. Meist handelt es sich um Marketingziele, ungeachtet ob es sich um Firmen, Marken, Produkte, Dienstleistungen oder die eigene Arbeitskraft handelt. Um das in Gänze zu verstehen, sollte man sich noch einmal vor Augen halten, dass die teilnehmenden Menschen via Twitter kommunizieren wollen. Wer einem anderen folgt, möchte dessen Nachrichten lesen – sicherlich nicht immerzu und nicht jeden einzelnen Tweet, aber generell signalisiert der Follower seine Bereitschaft. Und so ist man quasi überall gleichzeitig und in Echtzeit potentiell wahrnehmbar.
Verknüpft man Twitter mit seinen diversen anderen Profilen, besteht die Möglichkeit die ausgesendeten Tweets von jeder anderen Plattform automatisch entgegennehmen zu lassen, um sie seinen Kontakten dort ebenfalls mitzuteilen. Dieser Vorgang heißt Hyperdistribution und er sorgt nicht nur dafür, dass andere als die Twitterkontakte die eigenen Tweets lesen können. Vielmehr hat der einzelne Tweet auch eine längere Lebensdauer und eine größere Wahrscheinlichkeit, auch von den Twitterern gesehen zu werden, mit denen man auf mehreren Plattformen verknüpft ist; schließlich kann nicht jeder immerzu überall sein.
Monitoring – der professionelle Einsatz
Nutzt man die Twittersuche fürs Monitoring, lässt sich die Effektivität der Echtzeitkommunikation noch einmal steigern, und auch skeptische Marketer dürften spätestens dann den Wert dieser Plattform verstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Twitters eigene Suche nutzt und die betreffenden #hashtags für spätere Wiederholungen speichert, oder ob ein externer Service zum Einsatz kommt, der einem die in Echtzeit aktualisierten Suchergebnisse als RSS abonnieren lässt. Anhand einer Anekdote möchte ich Ihnen das beispielhaft erklären:
Im Dezember vergangenen Jahres verschickte eine Bekannte – ganz web1.0-mäßig per E-Mail an all ihre Kontakte – das Wohnungsgesuch einer Freundin, die offenbar noch weniger webaffin war. Die einzige Möglichkeit helfen zu können, sah ich darin, den komprimierten Inhalt der Mail zu vertwittern. Wenige Stunden später erreichte ich ein zur Anfrage passendes Angebot von Immobilienscout, obwohl weder die zu meinen noch ich zu ihren Followern zählte. Ganz offensichtlich hat ihr Monitoring gegriffen und meinen Tweet herausgefischt, woraufhin zeitnah die richtige Reaktion erfolgt ist: so generiert man Leads, wenn nicht sogar Kunden.
Fazit
Wenn Content King ist, wie es immer so schön heißt, dann ist Twitter der rote Teppich, auf dem der König entlang schreitet. Twitter ist der alles miteinander verbindende Kreislauf im Internet, die Kommunikationsplattform für jedermann. Dabei sollte man stets im Auge behalten, dass zielgerichtetes Kommunizieren die Voraussetzung für erfolgreiches Marketing ist, völlig egal wen oder was man bewirbt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
aka kadekMEDIEN
In dieser Serie erschienen:
- Faszination Social Media: Wozu ist das gut?
- Faszination Social Media: Das eigene Blog als Marketinginstrument
- Faszination Social Media: Google – Gigant und Außenseiter
- Faszination Social Media: Wie Facebook nach Dominanz strebt
- Faszination Social Media: Der Social Media Newsroom
- Faszination Social Media: Tipps zum Umgang mit dem Information Overload
- Faszination Social Media: Die Relativität der Privatsphäre
- Faszination Social Media: Die gefürchtete Frage nach dem ROI
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12. Juli 2010



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