Wer nicht schon längst der Faszination Social Media erlegen ist – und das ist trotz der knapp 10 Millionen deutschen Facebook-Nutzer immer noch eine Mehrheit –, fragt nicht selten danach, was das überhaupt soll. Skeptiker begleiten die nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung mit kritischem Nachfragen und leisten damit als Korrektiv einen wertvollen Beitrag. Viele „Kritiker“ jedoch stehen scheinbar wie gelähmt vor diesem Phänomen und finden immer wieder neue Gründe dagegen.
Gleichzeitig können oder wollen sie Social Media nicht einfach links liegen lassen – was nur die logische Konsequenz aus ihrer ablehnenden Haltung wäre. Das kann nur bedeuten, dass längst auch die ärgsten „Kritiker“ Social Media unwiderstehlich attraktiv finden. Sie suchen nur noch nach einer passenden Gelegenheit, ihren Meinungswandel plausibel erklären zu können.
Mit diesem Blogpost will ich Ihnen dabei helfen, die Faszination Social Media zu verstehen.
Beginnen Sie damit, Ihre eigenen Fragen in Frage zu stellen. Es ist Zeitverschwendung, sich mit etwas zu beschäftigen, was man ablehnt. Wenn Sie also wirklich davon überzeugt sind, das Social Media so nützlich wie ein Kropf ist, hören Sie auf Ihre Zeit damit zu verschwenden. Wenden Sie sich ganz einfach den Dingen zu, die Sie für wichtig befanden, bevor Sie das erste Mal von Social Media gehört haben.
Falls Ihnen das nicht gelingt, können Sie sicher sein, dass auch Sie schon längst der Faszination Social Media erlegen sind. Analysieren Sie einfach die Fragen, mit denen Sie üblicherweise Bestätigung für Ihre ablehnende Haltung suchen. Es macht keinen Sinn, auf die immer gleichen Fragen neue Antworten zu erwarten. Im Kern versuchen nämlich alle zwischen Faszination und Ablehnung schwankenden Zweifel eine Antwort darauf zu finden, wozu das in Frage gestellte gut ist.
Fragen Sie nicht länger, wozu Social Media gut ist, sondern wie es Ihnen nützt.
Auch wenn sich Social Media weitgehend um Selbstdarstellung dreht, ist das noch lange keine Spielerei. In diesem ausführlichen Blogpost geht Alex Kessinger auf die zentrale These des Medientheoretikers Marshall McLuhan ein, „das Medium ist die Botschaft.“ Am Beispiel der Beatles – die sicherlich berühmteste Band der Popgeschichte – erläutert Kessinger, was McLuhans These uns sagen will: Ohne die reichweitenstarken Medien ihrer Zeit – Schallplatten, Radio, Fernsehen, Magazine und Zeitschriften – wären auch die Beatles trotz ihres Ausnahmetalents nur eine Liverpooler Band unter vielen gewesen. Die Kommunikation in den Medien hatte den entscheidenderen Anteil am weltweiten Erfolg der Fab Four.
Social Media sind die reichweitenstarken Medien für jedermann
Die Tendenz, die Welt in der wir leben über Medien wahrzunehmen, gibt es schon seit langem. Die Erfindung der Massenmedien im vergangenen Jahrhundert hat diesen Trend nur verstärkt. Denken Sie nur daran, wie Sie Ihren Tag beginnen. Sie treten nicht vor die Tür und beobachten aufmerksam die Witterungsverhältnisse, die außerdem gar keinen großen Einfluss mehr auf die Struktur ihres Tagesablaufs nehmen. Sie schalten stattdessen den Wetterbericht ein und vertrauen den übermittelten Werten. Das gesamte Informationsgeschehen unseres Lebens findet über Medien statt. Ohne Medien wüssten wir nicht einmal welches Datum wir heute haben.
Mit Social Media stehen jedermann reichweitenstarke Medien zur Verfügung, und ihr Hauptanwendungsgebiet ist die Selbstdarstellung. Wer mit dem Wort Selbstdarstellung Negatives assoziiert, sollte sich vor Augen führen, dass dies in den wenigsten Fällen zum Selbstzweck geschieht. Weit häufiger dienen die in Medien kommunizierten Inhalte dem Aufbau einer Reputation zu Marketingzwecken.
Ich kommuniziere, also bin ich.
Personal Branding und Selbstmarketing unterscheiden sich im Kern nicht von Branding und Marketing für Firmen, Produkte oder Dienstleistungen. In einer immer komplexeren Welt mit zunehmend unbeständigeren Kooperationsbeziehungen ist es für das Überleben des Einzelnen unabdingbar, sich in sozialen Netzwerken medial darzustellen. Descartes’ auf Selbsterkenntnis gründende Existenz muss im Informationszeitalter vor Zeugen erst bestätigt werden. Wer nämlich nicht kommuniziert, weder in Suchmaschinen noch in Social Networks auffindbar ist, kann auch nicht wahrgenommen werden.
Umgekehrt gilt, wer Social Media als notwendige Möglichkeit zur Selbstdarstellung versteht, erhöht seine Chancen auf wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg. Personaldienstleister bauen sich ihren Datenbestand aus den im Social Media verfügbaren Profilen auf. Künstler, Designer, Texter, Journalisten und andere Freiberufler wären ohne diese Möglichkeiten gar nicht mehr konkurrenzfähig. Und auch von Firmen und Produkten wird allgemein erwartet, dass Informationen über sie auffindbar sind.
Es ist demnach nur eine Frage der Zeit, bis sich der Zauderer verdächtig macht, weil keine Informationen über ihn im Social Media abrufbar sind. In dem Zusammenhang seien die zögernden, zweifelnden „Kritiker“ daran erinnert, wer in den Augen der Öffentlichkeit die verlässlichste Informationsquelle zu einer jedweden Person ist: nämlich immer Sie selbst. Solange Sie selbst Informationen von sich und über sich preisgeben, haben Sie auch weitgehend Kontrolle über Ihre daraus resultierende Reputation. Und das ist in jedem Fall besser, als wenn die Gerüchteküche zu brodeln anfängt.
Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit nutzlosem Zweifeln an einer Sache, die Sie längst schon begeistert. Machen Sie sich Social Media nutzbar! Eröffnen Sie Profile auf diversen Plattformen und kommunizieren Sie sich in den Echtzeitstrom. Nehmen Sie teil, fließen Sie ein, gestalten Sie das Bild, das andere von Ihnen haben sollen. Nutzen Sie die sich bietenden Chancen, bevor es ein anderer tut. Und wenn Sie sich das nächste Mal fragen, wozu Social Media gut ist, dann wissen Sie es jetzt: zur Selbstdarstellung, zum Personal Branding, zum Aufbau Ihrer eigenen Online-Reputation, und letztlich zum Selbstmarketing, für Ihren eigenen Erfolg.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
In dieser Serie erschienen:
- Faszination Social Media: Twitter – Der alles verbindende Kreislauf
- Faszination Social Media: Das eigene Blog als Marketinginstrument
- Faszination Social Media: Google – Gigant und Außenseiter
- Faszination Social Media: Wie Facebook nach Dominanz strebt
- Faszination Social Media: Der Social Media Newsroom
- Faszination Social Media: Tipps zum Umgang mit dem Information Overload
- Faszination Social Media: Die Relativität der Privatsphäre
- Faszination Social Media: Die gefürchtete Frage nach dem ROI
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5. Juli 2010

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Ein sicherlich stimulierender Beitrag – er hängt nicht unwesentlich an dem Statement, Social Media seien ‘reichweitenstark’. Gibt es dazu Analysen? Ich zweifle nicht an, dass Social Media meinen Content innerhalb kürester Zeit an die entfernteste Ecke der Welt übermittelt. Aber liest das jemand? Gibt es eine Statistik darüber, wieviele Social Profiles von wievielen gelesen werden? Ist ‘mein’ Auftritt bei Facebook reichweitenstärker als ‘mein’ Auftritt in einem etablierten Printmedium? Es ist richtig, mehr Menschen können mit Social Media lauter brüllen. Aber werden sie deshalb besser gehört?
Es erinnert mich ein wenig an das Spiel bei Kindergeburtstagen: Jeder erhält einen Zettel mit dem Namen eines anderen Kindes und die Aufgabe, seinen Partner zu finden. Es geht ein riesiges, hektisches Gebrüll los – und die Verwirrung ist groß…
;-)
Danke für Deinen Kommentar, Carsten.
Ich meine ja, Social Media ist für den einzelnen Nutzer reichweitenstark, auch wenn ich ehrlich gesagt keine Analysen dazu habe. Mir reicht meine bauchgefühlgestützte Anwendererfahrung ;)
Du hast natürlich Recht damit, dass Social Media Beiträge dank Hyperdistibution in Windeseile am anderen Ende der Welt sind, was aber noch lange nicht heißt, dass sie auch gelesen werden. – Ähnliches gilt für die herkömmlichen Medien auch. Zeitungen verkaufen ihren Anzeigenplatz beispielsweise mit Hinweis auf ihre Reichweite – ohne Nachweis oder Garantie, dass sie auch gesehen wird.
Für den einzelnen Menschen ist Social Media ein reichweitenstarkes Medium. Nimm allein Deinen Kommentar: Es gibt nicht ein einziges konventionelles Medium, wo Du so schnell beliebig viel publizieren kannst. Selbst Leserbriefe haben keinen Anspruch auf Veröffentlichung und werden i.d.R. gekürzt abgedruckt. – Und anhand meiner Antwort siehst Du, dass Du mindestens einen Leser erreicht hast.
Ähnliches gilt für Deinen Facebook-Auftritt. Es gibt keine konventionellen Medien, die Dir derart publizistische Freiheit gestatten. Und obendrein erreichst Du mehr Menschen als verließest Du Dich ausschließlich auf Deinen mündlich/schriftlich/telefonisch erreichbaren Bekanntenkreis.
Natürlich erzeugt die Jedermann-Kommunikation in den Social Media auch jede Menge Hintergrundgeräusch. Aber das dürfte sich a) proportional zu den kommunizierenden Quellen verhalten und b) lässt sich dank Filter Wesentliches von Unnötigem einigermaßen leicht unterscheiden. Ich lese lieber wer von meinen Friends/Followern eine Pizza Elvis zum Mittag hatte (freie Entscheidung es zu rezipieren oder ignorieren), als wenn mir keine andere Wahl bleibt, als über dem Silikonbusen künstlich gehypter Mainstreammediensternchen zu sabbern ;)