Es gibt viele Gründe, warum Menschen bloggen und bloggen wollen, und sicherlich gibt es auch zahlreiche Anleitungen, die im Kern aussagen, wie einfach es für jedermann ist, mit dem Bloggen zu beginnen. Um aber eine gewisse Qualität zu erzeugen – und sei es nur, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden –, bedarf es neben einer zuverlässigen Regelmäßigkeit vor allem einer gewissen Originalität.
Besinnt man sich auf die Wurzel des Wortes (original – lat. origo ‚Ursprung’), muss man sich nicht mit den zahlreichen Synonymen aufhalten, um zu erkennen, wovon hier die Rede ist. Aber genau diese ‚Echtheit’ und ‚Eigenständigkeit’ scheint nicht wenige Blogwillige vor ein Problem zu stellen, zumindest hinsichtlich der Regelmäßigkeit. Verführerisch einfache Techniken scheinen dann geradezu dazu einzuladen, gelegentlich auch mal eine Kopie fremder Originalität auf dem eigenen Blog zu publizieren – und durchaus auch nicht immer mit Quellenangabe.
Teilen ist das Wesen des Social Media, was unbestritten richtig ist. Interessant ist, dass gerade von Leuten, die es mit der Originalität nicht so genau nehmen, Teilen als Rechtfertigung für ihre skrupellose Selbstbedienung herhalten muss. Da Contentklau erst vor wenigen Tagen ein Thema auf einem der von mir gelesenen Blogs war und dort zu einer interessanten Diskussion geführt hat, gehe ich hier einfach mal auf die unterschiedlichen Begriffe ein.
Teilen ist sozial
Teilen ist die soziale Version des Verbreitens fremder Inhalte. Es werden jedoch nicht die vollständigen Inhalte verbreitet, sondern allenfalls ein Anrisstext zusammen mit einem Link zum Ursprung. Gerade im Microbloggingbereich – auf Kommunikationsplattformen wie Twitter oder GoogleBuzz ebenso wie in sozialen Netzwerken – hat sich diese Art Hyperdistribution als Medieninhalt erfolgreich etabliert. Der Teilende empfiehlt seinen Kontakten Qualitätsinhalte mit Verweis zum Quellmedium und lenkt so – quasi als Dank und Ausdruck virtuellen Beifalls – die Aufmerksamkeit anderer.
»Ein Zitat ist ein expliziter Hinweis auf einen anderen Autor«
Zitieren ist fraglos die teilweise Widergabe fremder Inhalte mit eindeutiger Quellenangabe. Beim Bloggen, Rebloggen, Erstellen von Mashups oder wie auch immer man es nennen mag, geht es jedoch immer nur um Auszüge, niemals um ganze Texte. Schließlich liegt es in der Absicht des Bloggers, eigenen Inhalt zu verbreiten, wenigstens in einem Kommentar. Zitate unterstützen dabei die eigene Originalität, was völlig legitim ist, zumal dann, wenn die Quelle genannt und verlinkt ist.
Der Contentdieb täuscht seine Leser
Den Inhalt eines anderen vollständig und unverändert zu übernehmen, sprengt den Rahmen des Zitats. Das ist schlicht und ergreifend Contentklau, und zwar auch dann, wenn am Ende des Textes zur Quelle verlinkt wird. Die Leser eines Blogs erwarten nämlich die Inhalte des Blogbetreibers und nicht etwa die Artikel anderer präsentiert zu bekommen. Wäre es so, würden sie gleich woanders lesen. In ihren Augen entsteht also ein falscher Eindruck, und der Contentdieb nimmt diesen bewusst in Kauf, während er sich mit fremden Federn schmückt.
Die vorgetragenen Argumente erwischter Contentdiebe lassen dann auch jede Form von Anstand und Unrechtsbewusstsein vermissen. Das erkennt man nicht nur daran, dass sie sich zur Verteidigung ihrer Skrupellosigkeit gern in der Auslegung der Begriffe ‚Teilen’ und ‚Zitieren’ versuchen, sondern auch, dass sie notfalls bereit sind, eine Pseudodebatte über ‚Urheberrecht’ und ‚geistiges Eigentum’ loszutreten. Dabei ist es einfach nur respektlos, dreist und billig, die Arbeit eines anderen als die eigene auszugeben.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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3. Mai 2010

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Wenn die Originalquelle angegeben wird, finde ich das völlig in Ordnung – selbst wenn der gesamte Artikel (es ist ja nicht gleich die ganze Webseite) übernommen wird. Der falsche Eindruck entsteht vielleicht zunächst nur auf den ersten Blick, aber beim genauen Hinsehen fällt es dann doch auf – und man sollte doch vorerst immer kritisch lesen.
Danke, Markus, für Deinen Kommentar. – Ich frage mich allerdings, wo und weshalb Du eine quantitative Grenze ziehst (»nicht gleich die ganze Website«). Wo liegt diese Grenze? Bei zwei Artikeln, drei, fünf?
Selbstverständlich kommt immer auch so etwas wie eine persönliche Toleranzschwelle ins Spiel. Ich habe es selbst schon erlebt, dass fast ein gesamter Artikel von diesem Blog auf einen anderen kopiert wurde. Und über Twitter wurde das nicht nur beworben, sondern ich erhielt die Anfrage „das geht doch okay, oder?“ – Und ja, es ging in diesem Fall okay für mich. Und zwar (da sehe ich den Unterschied) weil der kopierte Artikel eben nur fast vollständig kopiert worden war, weil er eine andere Überschrift erhielt, weil aus der unmittelbar darauffolgenden Unterüberschrift hervorging, woher der nun folgende kopierte Text stammte, und weil am Ende noch einmal die Quelle ordentlich angegeben und verlinkt war. – Das ist in meinen Augen noch Zitieren, auch wenn die übernommene Textmenge das für Zitieren zulässige Maß weit überschritten hat.
Und auch, wenn es mir weniger Verkehr brachte (den dorthin gelenkten hätte ich sonst ebenfalls gar nicht gehabt), brachte es Aufmerksamkeit im Sinne von Branding. Über das Thema Duplicate Content habe ich mir dabei keine Gedanken gemacht, weil ich sicher bin, dass auch für Suchmaschinen der Unterschied bemerkbar war.
Eine gute Zusammenfassung!
Interessant wird ein Blog doch durch die originären und originellen Beiträge – das bloße Herumkopieren von Fremdfedern bringt auf Dauer nichteinmal Klickrate.
a propos: hier vorbeischauen :-) http://www.faktoide.de
Wenn ein Blog ausschliesslich Artikel kopiert, dann ist es für mich kein Blog, sondern eine Linksammlung und auch das bemerkt wiederum ein aufmerksamer Leser und wird gewiß vom Feedreader gelöscht.
Es ist doch genau wie mit einer Zeitung: eine „bebilderte“ Ausgabe oder Klatschzeitungen nehme ich noch lange nicht so ernst wie ein Wirtschaftsmagazin, wo ich Fakten prüfen kann, wenn mich das ernsthaft interessiert.
Ich habe es woanders geposted, aber will auch hier noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, das Google nicht das Maß aller Dinge ist. Diese Suchmaschine soll – wie ich mal gelesen habe – sicherlich durchaus in der Lage sein Klone zu erkennen und diese sogar im Ranking abzustrafen. Zum Thema „Abstrafung“ gibt es ebenfalls jede Menge Material.
Sicherlich möchte ich mit meinem Blog ein Vielzahl von Lesern anlocken, aber erster Linie geht es mir um RSS-Feed-Abonennten, die meine Artikel regelmässig lesen, weil sie diese mögen. Daher auch mein Motto: weniger ist oftmals mehr und wenn ich nichts ernsthaftes zu sagen habe, halte ich die in meinem Blog Klappe und setze stattdessen einen Tweet ab. Da stört es auch niemanden, wenn ich etwas bereits Gesagtes noch ein tausendstes Mal wiederhole und wenn doch, kann er/sie ja unfollowen. Da interessiert es mich nicht die Bohne wer meine Tweets liest – im Gegensatz zum Blog.
-> ich käme nie auf die idee fremde texte als meine auszugeben oder so zu tun als ob, oder mich mit fremdverfasstem zu brüsten [okay, ganz früher hab ich das gelegentlich gemacht, zitate und aphorismen angeführt usw] ..
-> überhaupt zitat und textpassagen: sie zeugen fast immer von schutzbedürftigkeit und der/dem unfähigkeit/unvertrauen, eigenes in worte zu fassen.
-> heute klaue ich wennüberhaupt von mir selbst, beflecke mich bedürftigkeitshalber schonmal mit einem einst verfassten erguss ;-)
So langsam kann man dann auf die Idee kommen, Content-Klau wäre das letzte Problem in unserer Gesellschaft, alle anderen schon gelöst.
Es ist faszinierend zu sehen, daß selbst die vermeintlichen Profis nicht in der Lage sind korrekt zu differenzieren.
Da werden selbst definierte Merkmale für Contentklau als Maßstab für Recht, Norm und Anstand definiert – ohne zu merken, wie sehr man sich gerade aus dem Fenster lehnt.
Es ist eine raue Welt, dieses Bloggen – vorallem für die, die dem Anschein nach nur noch mit Ihrem Blog Geld verdienen wollen.