Vor gut zwei Jahren surfte ich durch Künstlerwebsites, wie so oft auf der Suche nach Inspiration und Zerstreuung. Kunst, so sagt man ja, entfaltet seine volle Bedeutung erst im Auge des Betrachters. Die Schönheit und rätselhafte Traurigkeit in den Bildern von Danielle Duer berührten mich tief und ließen mich erahnen, wie diese Bedeutung entsteht. Reflexion, Bewusstheit, Verstehen – lauter Antworten innerhalb eines Dialogs einander fremder Geister, der durch die Kunst als verbindendes Medium in Gang gesetzt wurde.
Da mich ihre Kunst auf diese besondere Weise ansprach, wusste ich auch von Anfang an, dass ich mit ihr Kontakt kommen wollte. Ich wurde Fan auf ihrer Facebok-Page, und als die Künstlerin begann, über diese ihre Bilder unter den Fans zu versteigern, erwarb ich einige. Um mein Kunsterlebnis noch zu intensivieren, wurde es schließlich Zeit, Danielle Duer aus Nashville/Tennessee um ein Interview zu bitten.
Interview mit Danielle Duer im April 2010
Klaus-Dieter Knoll: Hi Danielle, danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Lassen Sie uns zu Beginn etwas von Ihnen wissen. Worum geht es in Ihrer Kunst?
Danielle Duer: Als Kind lernte ich, dass spielen glauben macht. Ich konnte es kaum erwarten zurück zu den Orten in meinem Kopf zu gehen, wo ich von einer herrlich bizarren Szenerie umgeben war. Ich begann zu beschreiben, was ich dort sah, während ich ausmalte, zeichnete und schrieb. Ich sehnte mich nach Erleichterung vom richtigen Leben, wo grausame und furchterregende Dinge passierten.
Als ich älter wurde, begann ich eine seltene Schönheit in der fehlerhaften „Schreckens“-Welt zu sehen. Ich sah das Leben anders. Traurigkeit erhielt einen höheren Wert für mich und meine neue Perspektive erschien mir interessanter, beinahe schon verführerisch. Meine derzeitige Arbeit beschreibt diese Lebensperspektive.
Schönheit ist ein wichtiges Element in all meinen Bildern, was ich mit intensiver Farbgebung, Mustern sowie vielen Kuriositäten und Eigenheiten zu erreichen versuche. Ich will, dass der Zuschauer vom Bild angezogen wird und dann findet, dass es darin noch viel mehr zu entdecken gibt.
KDK: Transportieren Ihre Bildern eine bestimmte Botschaft? Was sind Ihre Absichten?
Danielle Duer: Während ich male, kümmere ich mich gar nicht um die Botschaft. Ich versuche einfach nur zu erschaffen und beschreibe dabei meine Version von fremdartig und schön.
Hinterher kann ich allerdings fast immer Teile in meinen Bildern ausmachen, die Dinge aus meinem persönlichen Leben repräsentieren oder solche, die mich im Augenblick gerade beschäftigen. Irgendwie ist doch alles, was aus uns herauskommt eine Reflexion dessen, was in uns abläuft. Ich bin sehr daran interessiert, was sich unter der Oberfläche befindet, daher mag ich es auch, meine eigene Arbeit zu interpretieren. Ich bin ständig auf der Suche nach einem Sinn und ich denke, die Suche an sich lohnt sich schon.
KDK: Haben Sie Kunst studiert oder sind Sie Autodidaktin?
Danielle Duer: Ich bin hauptsächlich Autodidaktin. Ich hab zwar einen Abschluss in Werbegrafik und wende das, was ich auf dem College gelernt hab, auch jeden Tag an. Aber Kunst hab ich nie direkt studiert.
Mein Großvater war in jeder Hinsicht ein Künstler, er fertigte handgemalte Schilder für seinen Lebensunterhalt. Aber er machte auch Geschenke und Spiele aus Trödel und Schrott. Er konnte immer etwas schaffen, um es rasch zu verkaufen und mit Geld nach Hause zu kommen.
Mein Onkel ist auch Maler. Und meine Großmutter arbeitete unter der Woche in einer Markerfabrik und hatte ein kleines altes Haus, das sie mit Raritäten vom Flohmarkt ausstattete, die sie aufpolierte und nebenbei wieder verkaufte…
So würde ich mal sagen, dass die Kunst mir im Blut liegt.
KDK: Welche Techniken bevorzugen Sie? Verwenden Sie besondere Materialien?
Danielle Duer: Ich erwähnte ja bereits, dass meine Großmutter in einer Markerfabrik arbeitete, und so sitze ich in meinen frühesten Erinnerungen an Materialien mit Kisten voller Marker am Boden, alle fein säuberlich sortiert und nach Farben geordnet. Ich hab Stunden damit verbracht, so kleine Muster zu zeichnen, die dann die ganze Seite ausfüllten.
Einige der ersten Bilder, die ich jemals verkaufte, waren Marker auf Leinwand. Ich fühle mich völlig wohl mit einem Stift in der Hand. Ich beschloss dann, dass meinen Arbeiten eine Weiterentwicklung anzusehen sein sollten… Also wollte ich zuerst malen und später mit Feder und Tinte verfeinern, und das ist die Stelle, an der ich jetzt bin. Ich verwende Acrylfarben, manchmal Ölfarben, Federkiel, sehr feine Pinsel und Tusche.
KDK: Anscheinend wird in jedem Ihrer Bilder eine Geschichte erzählt, über die Emotionen und das Innenleben der dargestellten Charaktere, deren Erwartungen usw. Woher beziehen Sie Ihre Inspiration?
Danielle Duer: Ich bin sehr am menschlichen Verhalten interessiert, ganz besonders daran, was Menschen motiviert zu tun, was sie tun, und wie wir mit Kleidung, Süchten, Meinungen, Leistung usw. verbergen, wer wir wirklich sind… Ich mag die Wahrheit aufdecken. Das IST emotional. Das ist intim. Es gibt viele Elemente in meiner Arbeit, die meine Leidenschaft zu diesem Thema widerspiegeln.
KDK: Sie sagen über sich selbst, „ein Märchen aus geflochtenen Erinnerungen und romantischen Perspektiven“ umgebe Sie, während Sie in einer Geschichte leben. Also, ich bin ja nicht gerade Experte in solchen Dingen: was ist das Romantische in Ihren Bildern? Was genau bedeutet Romantik für Sie? Gibt es sie überhaupt noch in unserer High-Tech-Welt?
Danielle Duer: Ich bin eine Romantikerin. Ich sehe das Leben durch eine rosa Brille. Ich beobachte meine Umgebung ganz genau, den Raum, die Atmosphäre darin, den Ausdruck auf den Gesichtern der Leute, die schwarze Katze auf dem Kaminsims, mit den schrägen Dingen, die man darüber erzählt, die Dame mit den dicken Knöcheln und dem aufrichtigstem Lächeln – in all das bin ich verliebt. Es kann sogar ein unangenehmer Ort sein, stinkend, furchterregend. Egal wie, ich neige dazu viele Adjektive zu verwenden, um dieses bunte Leben im Detail zu beschreiben.
Romantik ist der Prozess, vertraut zu werden (kennen zu lernen, darunter zu schauen), das ist Beziehung. Wir alle leben in UNSERER EIGENEN Geschichte, wie wir sie sehen und wie wir sie dann erzählen, sind zwei Paar Schuhe. Ich glaube, in meiner Kunst ist es größtenteils die Farbe, mit der ich eine romantische Perspektive ausdrücken kann.
KDK: Wenn ich Ihre Bilder mit meinen deutschen Augen betrachte, bemerke ich nicht nur Ihren ganz eigenen, großartigen Stil, sondern frage mich, ob er vielleicht einem größeren, regionalen Kontext zugerechnet werden könnte. Gibt es so etwas wie Südstaatenkunst? Und wenn ja, wäre es richtig, Ihre Bilder als Teil dessen zu sehen?
Danielle Duer: Ja, es gibt so etwas wie Südstaatenkunst. Eine Menge Dinge könnten als Südstaatenkunst angesehen werden. Aber obwohl ich meine Heimat liebe, glaube ich nicht, dass meine Arbeit zwangsläufig diese Region widerspiegelt.
KDK: Als Fan von Danielle Duer wünschte ich, die ganze Welt könnte die rätselhafte Schönheit Ihrer Bilder teilen. Gibt es eine Galerie, die Sie vertritt?
Danielle Duer: Ich habe Arbeiten in der Art and Invention Gallery in Nashville/Tennessee, in The Hive Gallery in Los Angeles/Kalifornien, in der Young Blood Gallery in Atlanta/Georgia sowie in der Anno Domini Gallery in San Jose/Kalifornien. Ich stehe aber bei keiner von denen unter Vertrag.
KDK: Ihre Website und ganz besonders Ihre Facebook-Fanpage eröffnet Ihnen die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit Ihren Fans zu treten anstatt von einer Galerie gemanagt zu werden. Wie wichtig ist Ihnen dieses Social Media Marketing als Künstlerin?
Danielle Duer: Es interessiert mich schon sehr, wie meine Arbeit präsentiert und gemanagt wird. Ich stehe zwar nicht „unter Vertrag“, aber die Galerien, die meine Arbeiten ausstellen machen einen wunderbaren Job, auch hinsichtlich der Werbung. Besonders die Art and Invention Gallery in Nashville hat ständig neue Bilder von mir da und ordert nach, sobald was verkauft wurde.
Facebook ist eine fantastische Quelle für mich. Es versetzt mich in die Lage, meine Arbeiten allgemein zu teilen, und es hat wirklich Türen geöffnet, die meiner Karriere förderlich waren. Außerdem ist es dadurch leichter für mich, kleine Einblicke in meine Kunst sowie in den gesamten Entstehungsprozess zu gewähren.
Eine Menge Feedback habe ich auch über meine herkömmliche Website erhalten. Es ist schon ziemlich wichtig für mich, meine Online-Präsenz aktuell zu halten.
Aber natürlich suche ich auch ständig neue Galerien, um meine Arbeiten auch in anderen Städten zu zeigen.
KDK: Danielle Duer, recht herzlichen Dank für dieses Interview.
| • The Art of Danielle Duer | | | • Facebook | Danielle Duer |
Update 29.04.2010_07:00: Und nun ist auch das englische Original im Chigaco Online Kunstmagazin ‘Escape Into Life’ erschienen: “The Process of Becoming Intimate” – Interview with Danielle Duer
Dieses Künstler-Interview präsentierte Ihnen:
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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28. April 2010






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gefällt mir sehr! fantastische bilder und tolles interview ~ kompliment, lieber klaus!
Dein Auge für das Besondere – fand diese Perle…
Du hast diese Muschel im großen Online-Ozean gefunden, hast sie geöffnet und den kostbaren Inhalt auch uns andere Suchenden präsentiert.
Danke, dass Du uns teilhaben lässt am Zauber dieser romantischen Kunst.
Ich bin beeindruckt von den herrlichen Bildern und begeistert von Deinem Interview.