Vergangene Woche hat Google offiziell bestätigt, dass die Ladegeschwindigkeit einer Website ein weiterer Rankingfaktor ist. Müssen alle Websites schon wieder überarbeitet werden? Und will Google damit etwa zurück in ein Internet der reinen Textseiten? Müssen wir gar auf tiefgründige Texte verzichten und uns mit halbautomatisch generiertem SEO-Content zufrieden geben?
Bei der Ladegeschwindigkeit handelt es sich um die Dauer, die zwischen der Anfrage einer bestimmten Website durch den Browser und der vom Server gesendeten Antwort inklusive der die Website umfassenden Daten vergeht. Also schlicht um die Frage, wie viel Zeit vergeht zwischen dem Aufruf einer Website und ihrer vollständigen Ansicht im Browser.
Was zunächst profan anmuten mag, gewinnt jedoch erheblich an Bedeutung, führt man sich vor Augen, dass ein paar große Bilder, ein Video oder mehrere Foreneinträge auf einer Seite dazu führen können, dass man seine gute Position in den Suchergebnissen künftig einbüßen kann. Folglich ist mindestens eine Überprüfung der eigenen Website durch den Webmaster angezeigt. Denn wer will schon zusehen, dass er sein gutes Ranking an einen Mitbewerber verliert, bloß weil dessen Seiten schneller laden?
Andererseits gehört zu einer Überprüfung auch dazu festzustellen, ob die eigene Website überhaupt betroffen ist. Wessen Seiten nämlich auf Grund einzigartigen und für Nutzer interessanten Inhalts gute Ergebnisse auf den Suchseiten erzielen, hat auch dann nichts zu befürchten, wenn diese Seiten etwas länger laden. Verlieren tut man sein Ranking nur dann, wenn jemand gleichartigen und gleichwertigen Inhalt auf schneller ladenden Seiten anbietet.
Doch was bezweckt Google eigentlich damit? Ist das ständige Erweitern der Rankingfaktoren des Google-Algorithmus so etwas wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Webmaster?
Wer will, kann es sicherlich so auffassen, aber Google sieht sich einzig und allein dem Bedürfnis der User nach schneller Performance verpflichtet. Und wer sich selbst mal beobachtet, wird feststellen, wie wenig Geduld man gegenüber langsam ladenden Websites aufbringt. Zumal wenn man zahlreiche Websites zu möglichst vielen Themen in kurzer Zeit scannen will, nervt es, wenn man auf eine Website scheinbar ewig warten muss.
Mir geht es sogar so, dass ich mich oftmals frage, ob mir das Thema wirklich so wichtig ist, dass ich fünf Sekunden oder länger auf die Auslieferung einer Seite warte. Gerade wenn ich von meinen Twitterkontakten auf eine unüberschaubare Fülle an interessanten Themen verwiesen werde. Und oft genug lautet die Antwort „nein“ und ich klicke weg.
Was bedeutet das aber für Website-Betreiber? Leitet Google wirklich das Ende der Bilder im Internet ein und strebt rein textbasierte Seiten wie in der Anfangszeit an?
Ehrlich gesagt, obwohl ich aus fehlender Kenntnis auch nur vermuten kann, glaube ich das nicht. Mag sein, dass Google die Bedürfnisse der Nutzer nur vorschiebt, um seine eigenen Interessen (Einsparung von Serverressourcen beim Crawlen und Auswerten von Websites) zu verfolgen. Doch ich denke, es geht nach wie vor immer noch um die besten Suchergebnisse, die man im Netz bekommen kann. Und da muss auch ein Gigant wie Google mit der allgemeinen Entwicklung Schritt halten. Allein die Beliebtheit von Facebook führt immer häufiger dazu, dass Googles Platzhirschstellung als Ausgangsbasis aller Webaktivitäten in Frage gestellt wird.
Und Bilder genauso wie Videos lassen sich auch auf entsprechende Plattformen hochladen und von dort in die jeweilige Website einbinden. Es muss also niemand auf den gewohnten Anblick moderner Internetseiten verzichten und wird stattdessen mit trockenen Textwüsten konfrontiert. – Ganz im Gegenteil könnte gerade der Rankingfaktor Ladezeit auch die großen Medienhäuser dazu bringen, ihre Klickstreckenstrategie zu überdenken und Inhalte nutzerfreundlicher aufzubereiten.
Bedenklicher stimmt mich da schon Franz Neumeiers Sichtweise, Seiten mit billig erstelltem SEO-Content könnten gegenüber jenen mit wertvollen Texten im Vorteil sein. Aber auch das mag ich nicht so recht glauben. Vordergründig und vielleicht auch vorübergehend kann es zu solchen Verwerfungen kommen. Aber letztlich entscheidet immer der User, und Google registriert dessen Verhalten schließlich auch.
Ganz davon abgesehen, ist die Ladezeit nur ein weiterer Rankingfaktor unter vielen. Und die Entwicklung bleibt auch nicht stehen. Das semantische Web wird kommen, und dann kann auch eine Suchmaschine aufwändig recherchierte, tiefgründige Texte von hohlen, keywordgeschwängerten Copy-&-Paste-Phrasen unterscheiden.
In diesem Sinne:
herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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12. April 2010




Die Performance allein wird natürlich keine Website weiter nach vorne spülen oder benachteiligen. Meine Kritik an Google bezieht sich vor allem darauf, dass mit dem Performance-Faktor eben schon wieder ein zusätzlicher Ranking-Faktor auftaucht, der mit Geld und Technik zu beeinflussen ist und damit guten Content potenziell noch ein Stück weiter benachteiligt.
Das Problem mit den Usern, die durch ihr Verhalten entscheiden ist doch, dass User nur über Content mit den Füßen (bzw. Clicks) abstimmen können, den sie auch sehen. Je mehr technische Faktoren über das Ranking entscheiden, desto weniger wird der User aber vielen sehr hochwertigen Content überhaupt zu sehen bekommen, weil er nicht in den ersten 10 oder 20 Suchergebnissen auftaucht. Und dann stimmt der User leider nur noch darüber ab, ob Schrott 1, Schrott 2 oder Schrott 3 besser ist …
Zunächst einmal wird die Ladegeschwindigkeit nach allgemeiner Einschätzung nicht mit mehr als mit einem Prozent in die Gesamtbewertung einfließen. Außerdem gibt es bekannterweise einige Möglichkeiten in Websites dargestellte Bilder so zu optimieren, dass die Performance nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Jede ‘händisch’ und nach den W3C-Standards programmierten Seiten wird es nicht treffen.
Treffen wird es – wenn überhaupt merkbar – Blogs mit nicht performanten oder zu vielen Plugins und nicht performanter Datenbankanbindung, wie sie z.B. ein bekannter Hoster (S*****) bietet. Hier liegt der Hase im Pfeffer und nicht in den Bereichen, die Google selbst als Abhilfe anbietet: CSS-Dateien zusammenfassen und komprimieren o. ä.
Ob sich das langfristig auf das Ranking auswirkt, bezweifele ich. Andererseits entgehen ungeduldigen ‘Wegklickern’ möglicherweise interessante Inhalte.
Wichtig ist dabei auch, dass die Bewertung der Seitengeschwindigkeit zur Zeit nur auf Google.com für englischsprachige Nutzer eingeführt wurde, mehr dazu: http://www.thomashutter.com/index.php/2010/04/seo-ladegeschwindigkeit-der-website-relevant-fuer-das-pageranking/