Lesbarkeit von Texten
Wann immer jemand einen Text publiziert, tut er es in der Absicht, die darin enthaltene Botschaft zu kommunizieren. Damit dies auch gelingt, sollte man sich vor Augen führen, dass Texte nicht buchstabenweise, sondern entlang der Wortbilder in willkürlichen, spontanen Augenbewegungen vom Leser erfasst werden. Um einen möglichst ungestörten und harmonischen Lesefluss zu ermöglichen, achtet der Mediengestalter beim Layouten auf die Lesbarkeit von Texten.

Sakkaden – der Mensch liest nicht buchstabenweise, sondern erfasst Wortbilder oder Teile davon in spontanen, willkürlichen Bewegungen des Auges.
Der menschliche Lesefluss findet in drei Phasen statt: Sakkaden, Regression und Fixation. Sakkaden sind spontane Blickbewegungen, die willkürlich und zielgerichtet ausgeführt werden, um bekannte Wortbilder oder Teilstücke davon zu identifizieren. Geübte Leser erfassen Texte nicht aus einzelnen Buchstaben, sondern erkennen an der Form des Wortbildes das einzelne Wort. Es genügt oft schon, wenn die Anfangs- und Endbuchstaben sowie die Buchstabenanzahl stimmen, um ein Wort zu erkennen – auch wenn im Wortinneren die Buchstaben einmal durcheinander geraten sind.
Das Auge springt von einem Zielpunkt zum nächsten und findet mühelos zurück, falls sich Ungereimtheiten auftun. Dieses Zurückspringen wird als Regression bezeichnet. Je schwieriger ein Text zu lesen ist, desto häufiger kommt es zum Hin- und Herspringen.
Sowohl die Sakkaden als auch die Regression dienen zunächst nur dem Erfassen des Textes; ein Sinnzusammenhang wird noch nicht erkannt. Dies geschieht erst in einer Fixation genannten Ruhephase, in der das Auge für einen kurzen Moment eine Ruheposition einnimmt, um dem Gehirn das Entschlüsseln der Botschaft zu ermöglichen. Diese kurzen Momente der Fixation nehmen jedoch beim Lesen mit bis zu 90% den überwiegenden Teil der gesamten Lesezeit ein.
Die fünf Kriterien für gute Lesbarkeit
Um die optimale Lesbarkeit eines Textes zu gewährleisten, beachtet der Layouter vor allem folgende fünf Kriterien: Schriftgrad, Laufweite, Zeilenabstand, Zeilenlänge und Kontrast.
Schriftgrad
Bei Mengentext empfiehlt sich eine Leseschriftgröße zwischen 9 und 12 Punkt. Für Bildunterschriften, Randnotizen (so genannte Marginalien) und Fußnoten können kleinere Schriftgrößen verwendet werden. Entsprechend größere Schriftgrade werden für Überschriften und Schlagzeilen verwendet. Leseanfänger und ältere Menschen bevorzugen auch als Leseschrift größere Schriftgrade.
Laufweite
Die Laufweite ist der Abstand der Buchstaben untereinander. Sowohl zu geringer als auch zu großer Laufweitenabstand behindert den Lesefluss und ermüdet die Augen. Die Laufweite wird im Layoutprogramm eingestellt. Bei einigen Buchstabenkombinationen kann es erforderlich sein, manuell negative Werte einzustellen (Unterschneidung).
Zeilenabstand
Auch unausgewogene Zeilenabstände hemmen den Lesefluss und beeinträchtigen die Konzentration. Die Lesedauer erhöht sich und es wird insgesamt mehr Aufmerksamkeit benötigt, um den Text zu erfassen. Nicht selten bricht der Leser schon vorher ab, und die eigentliche Botschaft konnte vom Text nicht vermittelt werden.
Der Zeilenabstand wird von Grundlinie zu Grundlinie gemessen und der zusätzliche Abstand wird als Durchschuss bezeichnet, ein Begriff aus dem Bleisatz, als dieser zusätzliche Abstand noch manuell zwischen die Zeilen gegeben werden musste.
Allgemein ist ein Durchschuss von mindestens 20% empfehlenswert. Tatsächlich hängt dieser Wert aber auch von der Zeilenlänge, der erforderlichen Textmenge und dem zur Verfügung stehenden Platz ab. Nicht selten findet man auch Werte von einem Drittel oder sogar 50%. Bei größeren Schriftgraden kann allerdings sogar ein negativer Zeilenabstand erforderlich sein, um die optimale Lesbarkeit zu gewährleisten.

Ein ausgewogenes Verhältnis von Schriftgrad, Laufweite, Zeilenabstand und Zeilenlänge sorgt für gute Lesbarkeit.
Zeilenlänge
Lange Textzeilen von 80 und mehr Zeichen lassen sich visuell am schnellsten verarbeiten, aber der Mensch bevorzugt trotzdem kürzere Zeilen. Je öfter das Auge springen muss, um einen Text zu erfassen, desto schneller ermüdet es. Als optimal haben sich Textzeilen von 40 bis 60 Zeichen (inklusive Leerzeichen) herausgestellt. Bei weniger als 35 Zeichen wird die Auffassungsgabe übermäßig angestrengt, was sich zu Ungunsten des inhaltlichen Verstehens auswirkt.
Kontrast
Dunkler Text auf hellem Hintergrund lässt sich am leichtesten erfassen und wird daher bevorzugt verwendet. Die umgekehrte Variante ist ebenfalls möglich – vor allem wenn das Design es erfordert –, der Kontrast sollte jedoch mindestens 70% betragen.
Farbkombinationen beeinträchtigen die Lesbarkeit nicht, so lange ein deutlicher Kontrast verwendet wird. Allerdings reduziert sich der Kontrast bei gemusterten Hintergründen, auf die der Lesbarkeit des Textes wegen verzichtet werden sollte.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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Einen wichigen Aspekt, den Du in Beitrag selbst verwendest, aber nicht explizit erwähnst: Absätze und Zwischenüberschriften erleichtern das ‘Scannen’ und entscheiden oft darüber, ob eine Seite (Text) genauer angesehen wird oder nicht. Ich kenne Seiten, nur in Kleinschreibung, ohne jeden Absatz: Da klicke ich gleich weg.
jetzt weiß ich endlich, warum meine qype-reviews die meistgelesenen im lande sind – der inhalt ist ja eh eher zweitrangig .. :))