Wie man ins Social Media startet
Der Hype um Social Media ist vorüber und allmählich fragen sich immer mehr Firmen, ob sich ein Engagement für sie lohnt. Einige wenden sich an externe Berater, die im Wesentlichen erklären, dass Social Media auf Versuch-und-Irrtum im Bereich vermuteter Gesetzmäßigkeiten basiert, die sich aus den bisher beobachteten Erfahrungswerten gerade erst herauskristallisieren. Die Folge ist Unsicherheit oder nicht selten die Fehleinschätzung, ein neuer Praktikant könne diese Aufgabe schon irgendwie übernehmen.
Dabei bildet Social Media eigentlich exakt ab, welche Veränderungen die Transformation der Industrie- in eine Informationsgesellschaft mit sich bringt, nämlich Diversifikation und Individualisierung. Am Ende wird es eine sich selbst organisierende Vielheit aus gleich-berechtigten Ganzheiten geben, die miteinander kommunizieren, interagieren, kollaborieren.
Wer die Tragweite dieser Veränderung nicht begreift, verkennt, dass sich Konsumenten in Prosumenten wandeln und wird daher versuchen, sie mit Kampagnen zu erreichen, wo Dialoge vonnöten sind; wird Kommunikation auf Monolog verkürzen und Interaktion auf Handlungsaufforderungen herunterbrechen; wird letztlich an den Menschen vorbei operieren – und scheitern.
Im Social Media steht der Mensch im Mittelpunkt. Und alle Schritte, die Sie im Social Media gehen werden – auch und gerade die allerersten – gehen auf den Menschen zu.
Sinnvolle Zielsetzung
Seien Sie von Anfang an ehrlich zu sich selbst. Was wollen Sie eigentlich mit Ihren Social Media Engagement bewirken? Ist Social Media überhaupt der richtige Weg für das, was Sie vorhaben? Suchen Sie neue Kunden oder den schnellen Abverkauf Ihrer Waren? – Vergessen Sie es! Denn dafür ist Social Media nicht geeignet und noch bevor Sie rein zufällig das erste Geschäft abschließen, haben Sie sich eine Online-Reputation erworben, die Sie so gar nicht haben wollen.
Stellen Sie sich stattdessen darauf ein, dass Ihr Engagement im Social Media langfristig angelegt ist, um nachhaltig zu wirken; dass Sie es mit steter Regelmäßigkeit betreiben werden, um aktuell zu bleiben; dass Sie von Externen nur beratende Begleitung erhalten können, aber von innen heraus kommunizieren müssen, um authentisch zu sein.
Orientieren Sie Ihre Zielsetzung am Dialog. So können Sie neue Kontakte knüpfen, Ihre Kompetenz beweisen, sich einen guten Ruf und darauf aufbauende Glaubwürdigkeit erwerben. Lauter Voraussetzungen für neue, Erfolg versprechende Geschäftsbeziehungen.
Geeignete Plattformen wählen
Sie haben ein Produkt oder eine Dienstleistung anzubieten und Sie kennen Ihre Zielgruppe. Anhand dieser entscheiden Sie sich für diverse Social Media Plattformen und eröffnen Ihre Accounts. Die Wahl der richtigen Plattform ist bereits die nächste Hürde, denn nicht jede Zielgruppe ist auf jeder Plattform gleich vertreten. Sie müssen also zunächst recherchieren, wo es für Sie den meisten Sinn macht, sich zu engagieren.
Wenn Sie beispielsweise B2B kommunizieren, kann es sinnvoller sein, auf Businessplattformen wie LinkedIn oder XING eine Gruppe zu gründen als eine Facebook-Fanpage zu eröffnen. Möglicherweise sucht Ihre Zielgruppe verstärkt Videos auf YouTube oder twittert vielleicht gar nicht. Und wer wird regelmäßig aus Ihrem Hause bloggen, wenn Sie sich für ein Blog entscheiden? Gibt Ihr Angebot genügend thematische Bandbreite für regelmäßiges Bloggen? – Diese Dinge müssen Sie im Vorfeld sorgfältig bedenken.
Zuhören, zuhören und nochmals zuhören
Sobald Sie jedoch Ihre Accounts auf den geeigneten Plattformen eingerichtet haben, ist Zuhören das wichtigste was Sie zu tun haben. Natürlich werden Sie sich fragen, wo beispielsweise all die Follower auf Twitter herkommen sollen. Nutzen Sie die Twittersuche und recherchieren Sie, wer bereits zu Ihren Schlüsselbegriffen etwas twittert. Folgen Sie denen und deren Followern und kümmern Sie sich nicht darum, ob Ihnen auch alle zurückfolgen. Einige werden es tun, die allermeisten jedoch nicht. Das ist vollkommen in Ordnung, schließlich sind Sie neu und niemand kann einschätzen, was Sie wollen und ob es einen Mehrwert darstellt, Ihren Tweets zu folgen.
Hüten Sie sich vor Selbstbetrug und meiden Sie 1.000-neue-Follower-am-Tag-Dienste. Es nützt Ihnen gar nichts, wenn die aus Asien und Nordamerika kommen und Sie auf Deutsch twittern. Und es spielt auch überhaupt keine Rolle, ob Sie bereits 400 Leuten folgen, aber nur 12 folgen Ihnen zurück. Die Anzahl der Follower erhöht sich mit der Zeit wie von selbst, und zwar einzig und allein über die Qualität Ihrer Tweets.
Richten Sie Ihren Fokus auf die Inhalte der Tweets, die Sie abonniert haben. Interessieren Sie sich für diese Menschen und fragen Sie sich, was sie interessiert. Finden Sie geeignete Inhalte und teilen Sie diese Ihren wenigen Followern mit. Retweeten Sie hin und wieder besonders gute Inhalte, aber überschreiten Sie nicht die Grenze zum Spammer, der alles, was ihm unter die Augen kommt retweetet.
Im Gespräch bleiben
Üben Sie sich in Geduld und hören Sie Ihren Followern/Friends/Fans immer wieder zu. Verbreiten Sie gute Inhalte. Das sind idealerweise solche, die sowohl Ihren als auch den Interessen Ihrer Follower entsprechen und die Ihrem guten Ruf dienen.
Denken Sie daran, dass die Menschen, die ihre Nachrichten empfangen, deutlich mehr als nur Ihre Informationen zu verarbeiten haben. Kürzen Sie also Ihre Informationen auf das Wesentliche, verstecken Sie aber nicht ihre Person.
Bleiben Sie ehrlich und sagen Sie direkt, wenn Sie etwas wollen. Denken Sie aber daran, der Ton macht die Musik – das gilt auch im Social Media. Transportieren Sie Ihre Botschaften sachlich und unaufdringlich im Dialog, dann werden Sie auch vernommen werden. Variieren Sie Ihre Inhalte, aber halten Sie an Ihren Themen fest und bleiben Sie im Tonfall überzeugend konsistent.
Wenn Sie ernsthaft an einem Dialog mit den Menschen interessiert sind, wird Ihrem Engagement Interesse entgegengebracht werden. Und sofern Sie den Dialog aufrechterhalten, werden auch Sie im Gespräch bleiben.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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Ob der „Hype“ vorüber ist, wage ich zu bezweifeln, zumindest wenn ich mich an den stetig wachsenden Seminaren, Webinaren, Breakfasts und selbst ernannten „Evangelisten“ orientiere.
Diesem Beitrag entnehme ich vor allem eins: „Bleiben Sie als Unternehmen auf dem Teppich!“ und „Lassen Sie’s langsam angehen!“
Gut dass es immer mehr Stimmen gibt, die sich bei Social Media auf die gute alte Bodenhaftung besinnen und der Schwarz-Weiß-Denkerei abschwören. Das hilft allen: Den Unternehmen und der weiteren Verbreitung von Social Media als Ergänzung im Kommunikationsmix. Wovon letztendlich auch die Dienstleister etwas haben.
Warum kommt es zu einem solchen anhaltenden Hype? Die einfache Antwort ist: Er ist von den Social-Media-Aficionado hausgemacht. Gegenseitiges Zitieren, das Posten immer neuer ‘Rekorde’ („mehr als eine Milliarde Tweets pro Monat“) halten diesen Hype am Leben. Die Frage, ob wir noch genügend ‘geerdet’ sind, ist absolut berechtigt. Manchmal frage ich mich, was dahintersteckt. Vielleicht die Frage, ob alles so eintrifft, wie man es postuliert? Ich denke, man sollte nicht auf jeden Zug aufspringen, der als ‘(R)Evolution des Social Media’ bezeichnet wird, hinter dem aber nichts anderes als eine Erweiterung eines Geschäftsmodells steht. Beobachten, abwarten und letztendlich die Dienste nutzen und empfehlen, die sich in der Breite eatblieren ist der Königsweg.
Würde auch nicht vom Ende eines Hypes ausgehen. Würde eher sagen, dass der Hype noch gar nicht wirklich da ist, da jeder weiß, dass man damit einiges machen kann … aber keiner weiß genau wie. Wie kann man Social Media monetarisieren? Das ist die Frage, die noch nicht 100%ig beantwortet werden kann (obwohl Ansätze vorhanden sind). Das ist natürlich auch von der Zielsetzung abhängig!
Na gut, sagen wir mal, der „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ ist überschritten… der Hype wird jetzt gerade weitergetragen an jene, die ihn gar nicht mitgekriegt haben… Stichwort: Social-Media-Optimization bzw. Social-Media-Beratung. – Das ist übrigens schon ein Ansatz, Social Media zu monetarisieren ;)
Weitere Ansätze sind ja gerade erst im Kommen mit Webdiensten wie flattr und Kachingle.
In der Hauptsache sehe ich es aber so, dass Social Media primär (Kunden-)Beziehungen stärkt und nicht etwa Ca$hflow auslöst. Von daher ist es zu kurzfristig gedacht, auf einen ROI zu schielen. – Als SEO ist Dir doch die Langfristigkeit solcher Investitionen kein Fremdwort. Was jemand heute nicht ins Social Media investiert, wird er morgen doppelt und dreifach nachholen (müssen).
Ich möchte mich Iwo anschließen – ich denke auch nicht, dass der Hype vorbei ist. Aber man sollte wirklich bedenken, dass nicht alles für alle nutzbar ist. Vielleicht ist dies die Erkenntnis der letzten Zeit…?