Was sind selbsternannte Social Media Berater?
Irgendwie habe ich den Eindruck, den Begriff „selbsternannter Social Media Berater“ immer häufiger zu lesen, meist in abwertendem Zusammenhang. Dem Attribut „selbsternannt“ kommt dabei offensichtlich eine entlarvende Funktion zu, die dem an Beratung in Sachen Social Media potentiell Interessierten signalisieren soll, dass es so etwas wie einen Social Media Berater gar nicht gibt. Vollends absurd wird diese Wortklauberei, wenn man beim Lesen den Eindruck nicht loswird, es handle sich um Leute, die Social Media Beratung anbieten, weil sie besser sind als ihre „selbsternannten“ Konkurrenten.
Doch hey, wer wirft da eigentlich mit Steinen aus dem Glashaus? Wer maßt sich eigentlich an, Social Media Berater zu ernennen? Wonach suchen Interessenten, die sich an „selbsternannte“ Social Media Berater wenden? Und was zum Teufel ist eigentlich Social Media?
Googelt man sich einmal durch diese Begriffe, wird einem einerseits rasch klar, dass bereits seit einiger Zeit die Professionalisierung des Expertentums gefordert wird. Andererseits scheint die Meinung vorzuherrschen, Social Media schlage die Richtung Kommunikation ein und daher seien die gestandenen Kommunikationsberater noch jene, die am ehesten als Social Media Berater in Frage kämen. Doch das ist ebenso richtig wie falsch und führt daher allenfalls in die Irre.
Social Media, als Gesamtheit aller interaktionstauglichen Webtechnologien, kann nämlich weit mehr als „nur“ Kommunikation zu ermöglichen. Und genau dieses „Mehr“ erwarten die meisten Kunden von Social Media Beratern. Die entscheidenden Hinweise darauf findet man in den Kommentaren zu oben verlinktem Beitrag: „Kommunikation ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Und auf diesen Zweck kommt es bei Beratung an“. Und: Der Beratende sollte „nicht Kanäle oder Produkte“, sondern Problemlösungen verkaufen.
Die Kunden von Social Media Beratern erwarten nämlich das gleiche wie alle anderen Kunden auch: Nutzen. Sie wollen ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen, und wenn ein Engagement im Social Media diesem Ziel nützt, werden sie darein investieren. Und solange jemand mit seiner Beratungsleistung diesen Nutzen ermöglichen oder optimieren kann, ist es völlig nebensächlich, worauf sich sein Expertenrat gründet.
Und ja, im Social Media steht der Mensch im Mittelpunkt. Social Media verändert alles, unsere Mediennutzung, unsere Wahrnehmung, unser Konsumentenverhalten, unsere sozialen Beziehungen und Normen. Und selbst die Art und Weise wie wir arbeiten und wirtschaften wird schon in wenigen Jahren von Social Media dominiert.
Aber was ändert das am Wunsch der Firmen, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen? Natürlich ist Social Media kommunikationslastig, da die zwischenmenschliche Interaktion dialogorientiert stattfindet. Kundenbeziehungen und Markenführung nehmen den Weg über den Dialog mit der Zielgruppe. Allerdings immer mit dem Ziel, den Umsatz zu steigern. Folglich ist die Kommunikation aus Sicht des Social Media Beratung suchenden Kunden Teil des Marketings. Und spätestens an dieser Stelle drängen sich wieder ganz andere Experten ins Spiel. Ob sie wohl die Marketingfähigkeiten der Kommunikationsberater in Frage stellen?
Mit Social Media gehen gewaltige Veränderungen einher, und die Verschmelzung ganzer Bereiche zu einem großen Ganzen gehört sicherlich dazu. Ob Kommunikationsberater, SEOs, Online-Marketer, Werbeagenturen oder Webdesigner – sie alle haben mindestens in Teilen geeignetes Expertenwissen, um Problemlösungen zu erarbeiten, die ihren Kunden nützen.
Und sei es im Social Media oder einer anderen wie auch immer gearteten Entwicklung – sich interessieren, informieren, weiterbilden und entwickeln sind die Schlüssel, um nützliche Problemlösungen finden und anbieten zu können. Solches auf Eigeninitiative beruhendes Expertentum pauschal als „selbsternannt“ zu diskreditieren, ist allenfalls ein Zeichen von Neid seitens derer, die die Nachfrage Ratsuchender nicht auf sich lenken konnten ;)
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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Hallo Klaus,
Habe ich neulich hier in einer Diskussion gehoert:
„You’ll never be able to spot out a real master“
Naja waere schoen bloed bei Social Media, denn wenn man ein Meister ist und keiner es weiss -> kein Geld.
Wenn man ein selbsternannter Meister ist -> gutes Geld
Ich wuerde sagen am besten ist man ein von anderen ausgemachter Meister, dann muss man nur verstehen dies auch umzusetzen, wie es die meisten selbsternannten tun ;)
SG nach Berlin
M
P.S.: die Bedeutung der Zeichen schicke ich Dir gleich!
Moin Klaus,
dein Beitrag gefällt mir gut und ich kann das nur unterstreichen. Dieses Ironische was mit „Social Media Berater“ einhergeht, kann schon nerven und oft wird man abfällig belächelt.
Ich sehe dennoch (ohne das persönlich zu meinen) bei jungen Leuten mit entsprechender Ausbildung einen Vorteil. Und ich stelle einfach mal in den Raum (deine Meinung dazu interessiert mich sehr): Wer mit dem Internet groß wird und sämtliche Vorgänge inhaltlich wie technisch kennt und präzise analysieren kann, ist hier besser aufgestellt. Denn ich möchte meinen, das nötige Wissen über Kommunikation und Marketing kann man sich aneignen, aber umgekehrt ist es schwierig, vom alten Denken auf Social Media umzuschalten und erstmal die Schnelle des Internets zu begreifen.
Ich studiere Marketingkommunikation an der design akademie in Kreuzberg und merke in so einigen Veranstaltungen doch immer wieder, dass das Internet bei einigen Dozenten noch nicht angekommen ist. :-)
Ciao
Tobias
Hi Markus,
Du erinnerst Dich ja bestimmt an Deinen Artikel „Marketing: Ist Social Media schon wichtiger als Search Engine Optimization?“ vom 27.03.2009 ;)) Darin hast Du ja selbst schon beschrieben, dass Social Media (auch) fürs Marketing immer wichtiger wird… Und in meinem Kommentar hab ich seinerzeit – ich will’s heute mal so nennen – den Social Media Beauftragten als Angestellten gesehen, und in der Folgezeit haben wir uns öfter darüber unterhalten…
Darum geht’s mir eigentlich. Viele (vor allem die nicht ganz soo großen Firmen) haben immer noch höchstens eine vage Ahnung, möchten aber gerne ihre Marktchancen auf diesem Gebiet auch verbessern. – Und wer auch nur ein Funken Ahnung von Social Media hat weiß, welche Rolle Authentizität spielt und dass das darauf hinausläuft, dass der Kunde selber mit seiner Zielgruppe komunizieren muss. Wie anders als beratend könnte ihm da jemand helfen, der von der Materie etwas mehr weiß?
Und welche Rolle spielt das „selbsternannt“ dabei? Wenn jemand der Meinung ist, soviel über die Nutzung von Twitter zu wissen, dass er Beratung anbietet oder ein Buch darüber schreibt – Herrgott, ist doch wurscht, woher er dieses Wissen bezogen hat. Die Leute, die sich an denjenigen wenden, bestätigen ihn doch als Berater.
Und dass es wohl hauptsächlich auf Kommunikation hinausläuft, stimmt ja auch nicht, wie man an Kritiken sehen kann, wenn bei Lufthansa plötzlich die PR-Abteilung twittert und es heißt „wieso nicht der Kundenservice?“
Irgendwie sind nämlich alle „selbsternannt“ ;)
Schöne Grüße nach Shenzhen.
Hi Tobias,
völlig richtig, was Du schreibst: die jungen Leute, die in die Materie hineinwachsen, sind deutlich im Vorteil. Ich glaube nämlich, dass sie von vorn herein gar nicht erst trennen zwischen Mediennutzung, Kommunikation, Marketing, Selbstdarstellung, Online-Reputation und was sonst noch in diesen Bereich fällt. Und diese selbstverständliche Offenheit findet im Kopf statt.
Das ist auch die Crux mit Dozenten, bei denen „das Internet“ noch nicht so präsent ist. Es erfordert nicht nur viel Zeit, sich wenigstens mit den wichtigsten Aspekten auseinanderzusetzen. Sondern vor allem ein enormes Umdenken – auch und gerade für Dozenten. Und dieses Umdenken beinhaltet die Bereitschaft der Älteren von Jüngeren zu lernen. Gerade Social Media wird ja von jüngeren Menschen so selbstverständlich genutzt als sei es das Betriebssystem für ihre sozialen Kontakte (und „soziale Kontakte“ meint nicht nur Freunde und Verwandte, sondern eben auch Geschäftspartner, Vorgesetzte etc.)
Dem Umdenken muss (und wird, da bin ich sicher) ein partnerschaftliches Lehr-/Lern-Verhältnis folgen, als Alternative zum Frontalunterricht. Wissen wird dann untereinander aus/getauscht – ganz social-media-like ;)
Schöne Grüße in die Nachbarschaft ;)
Professionalisierung des Expertentums?…erinnert mich an einen meiner Beiträge, warum Bloggen in Deutschland nicht funktioniert: http://preview.tinyurl.com/yahmufv
„Wenn man kein Papier hat, auf dem steht, dass man sich zu diesem oder jenem Thema äußern darf, dann darf man seine Meinung auch keinem anderen zumuten.“
Aber ist es nicht so, dass gute SM-Berater mittlerweile von ihrem Ruf leben? Die stört das nun wirklich nicht mehr, weil sie niemand mehr nach vorhandenen Qualifikationen fragt.
Ja, das ist mir auch schon aufgefallen.
Auch dieser abwertende Zusammenhang.
Ich persönlich kann es aber teilweise verstehen, weil ich selber nicht gerade der Fan davon bin wenn es darum geht sich selber als „EXPERTE FÜR…“ zu verkaufen.
Insbesondere nicht in Bereichen wie SocialMedia.
Dieses „abwertende“ ist denke ich nur daraus entstanden weil so einige sich nun als SocialMedia Experten titulieren, und auch Mashable hatte ja vor nicht allzulanger Zeit darüber berichtet wieviele dieser „Social Media Experten“ alleine nur auf Twitter umher streifen.
PS: Ich erwarte sowieso dass jemand EXPERTE auf seinem Gebiet ist, zumindest hoffe ich das mal. Aber man braucht es nicht immer extra überall dazu schreiben, sowas lässt das ganze nur eher unprofessioneller wirken.
Meine Meinung.
Hey Klaus,
ja, „das Internet“ als Fremdkörper ist vielerorts noch sowas wie ein Gespenst, obwohl es ja nun lang genug präsent ist, um aus diesem Spielzeug-Status raus zu sein.
Du schreibst mit aus dem Herzen! :-)
Ich merke nur zu häufig, dass so viele klassische Denkweisen mit meinem Online-Hirn absolut nicht konform gehen. Ich bin an das Studium rangegangen, mit der Meinung, online besser werben und beraten zu können, wenn ich erstmal klassische Kommunikationsmethoden kennenlerne und verstehe. Mittlerweile denke ich mir in einigen Fächern eher sowas wie „da musste jetzt durch“.
Und wie du schon sagst, diese Trennung mache ich gar nicht. Wenn mich Leute nach neuen Kanälen oder Tools fragen, hab ich damit oft schon rumgespielt und mir das angeschaut und mir dazu meine Gedanken gemacht, natürlich in Zusammenarbeit mit Freunden, aber auch Leuten, mit denen ich zusammenarbeite. Und bis das dann mal bei der anderen Generation ankommt…. ui ui… ;)
Ciao
Tobias
Hallo Klaus,
ich finde schön das Du das Thema aufnimmst. Denn auch mir ist in letzter Zeit der abfällige Ton über „selbsternannten Social Media Experten“ aufgefallen.
Eigentlich ist mir auch unverständlich warum man sich über den Begriff echauffiert. Beim „Journalisten“ oder dem „SAP-Berater“ handelt es sich ja auch um selbsternannte Spezialisten.
Momentan besteht halt großer Beratungsbedarf. Unternehmen wie Agenturen fehlt das nötige Wissen. Das es Berater gibt, die diese Nachfrage bedienen ist nicht weiter verwunderlich.
Mit dem fehlenden Wissen geht natürlich auch eine latente Unsicherheit einher. Wer sich in einem Gebiet nicht gut auskennt, der kann auch nur schwer beurteilen ob er kompetent beraten wird oder nicht.
Insofern kann ich nachvollziehen das eine Gewisse Unsicherheit herrscht. Schließlich möchte ja niemand unzureichend beraten werden von einem Anbieter, dem die nötige Kompetenz fehlt und der sich schnell mal ein paar EUR verdienen möchte.
Das selbsternannte Experten vor selbsternannten Experten warnen ist schon ziemlich absurd.
Wer seinen eigenen Expertenstatus kundtun möchte, der soll seine Kompetenz demonstrieren und nicht andere Anbieter pauschal abwerten.
Viele Grüße aus Essen
Tim