Die als Informationsbroschüre konzipierte Firmen-Website hat sich spätestens mit dem Social-Media-Hype im letzten Jahr überlebt. Den Hauptgrund hierfür sehe ich in den gegenläufigen Interessen beider Konzepte. Während die meist nicht sehr umfangreiche Firmen-Website den hauseigenen Werbeflyer eins zu eins im Internet abbildet, suchen die Nutzer im Social Media nach immer neuen Informationen.
Aktualisierungszyklen von einem Jahr und mehr haben diesem Informationshunger nicht wirklich etwas anzubieten. Doch nicht nur die geringe Häufigkeit, mit der die Firmen-Website aktualisiert wird, lässt sie in den Augen Informationen Suchender langweilig und altmodisch erscheinen. Es sind vor allem die im Social Media etablierten Techniken – die Verwendung von Aggregatoren und sozialer Filter –, die das Auffinden der statischen Webpräsenz verhindern.
Den beständig nach Informationen suchenden Social-Media-User sollte man sich keineswegs als jemand vorstellen, der das Netz nach Neuigkeiten absucht. Die Information begibt sich auf die Suche nach dem Nutzer.
Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.
Wer auch immer diesen Spruch geprägt haben mag, hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen und das Leitmotiv des Web 2.0 kreiert. Im Umkehrschluss bedeutet das für eine Website, die irgendwo in den Tiefen des Internet auf einen vorbeisurfenden Interessenten wartet, den Erfolg der Firmen-Kommunikation an einen glücklichen Zufall zu knüpfen.
Der einzige Grund, weshalb es die Firmen-Website immer noch gibt, liegt an einer Art sozialem Druck, der immer dann entsteht, wenn man von einem Geschäftspartner oder potentiellen Kunden nach seiner Webadresse gefragt wird. Hinterfragt man jedoch diese Frage oder hakt ganz und gar beim Fragesteller nach, welche Informationen er da erwartet, die nicht ebenso gut in einem Netzwerk-Profil hinterlegt sein können, erhält man keine Antwort. Und keine Antwort ist bekanntlich auch eine Antwort, in diesem Falle offenbart sie sogar sehr deutlich das Fehlen eines Grunds für eine kleine, rein statische Informationen bereithaltende Webpräsenz.
Ein unendlicher Prozess
Zwei Möglichkeiten ergeben sich aus dieser Feststellung. Entweder man verlagert seine Webpräsenz ins Social Media oder man lässt seine Website neu konzipieren.
Für eine Migration ins Social Media sprechen immerhin beständig wachsende Nutzerzahlen. Ein wie auch immer geartetes Angebot lässt sich am besten dort machen, wo bereits viele Menschen sind. Das erspart jede Menge Aufwand, um Traffic auf die eigene Website zu lenken, zumal die kleineren statischen Firmen-Websites viel zu selten für Suchmaschinen optimiert werden.
Außerdem bietet Social Media die Möglichkeit, sich sowohl aktiv – beispielsweise mit einem Blog, einer Facebook-Seite und einem Twitter-Account – als auch passiv – mit Profilen in den wichtigsten Netzwerk-Plattformen – zu engagieren.
Eine Website ist in erster Line ein Kommunikationsmittel, das auch als Marketinginstrument eingesetzt werden kann. Eine Firmenpräsenz als Website wird allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht als etwas Fertiges, sondern als unendlicher Prozess verstanden wird. Das bedeutet kontinuierliche Suchmaschinenoptimierung sowie regelmäßiges Aktualisieren.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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20. Januar 2010




Zugegeben, viele Websites entsprechen nicht den Kundenbedürfnissen, sondern eher einer nicht sehr hilfreichen Innensicht, und sollten dringend überarbeitet werden.
Aber ich würde gern mal sehen, wie ein B2B-Unternehmen, das beispielsweise mehrere hundert oder tausend Produkte über ein PIM-System auf der Website präsentiert, Modellberater und Konfiguratoren anbietet, diese ins Social Web verlagert.
Da scheint mir dieser Beitrag ein wenig kurzsichtig. Die Firmen-Website ist noch lange nicht in die Jahre gekommen. Es wird nur Zeit, etwas aus ihr zu machen.
Na, die großen Firmen-Websites mit den hunderten Artikeln sind ja auch nicht gemeint. Ich gehe mal davon aus, dass die regelmäßig gepflegt und aktualisiert werden. – Ich meine diese ins Internet übertragenen Imagebroschüren, an denen dann so gut wie nie mehr gerüttelt wird.
Das mit den Imagebroschüren stimmt mitunter schon. Aktualisierung tut allein schon not, will man nicht von Google runtergerankt werden.
Wir fahren seit neuestem zweigleisig, sprich: eine Website, auf der man zu jeder Dienstleistung/Produkt Infos bekommt (und wenig Marketing-Blabla, wir sind die Besten, blubb) – und dann noch die Social Media Schiene.
Ich denke, beides muss bleiben – Social Media mit einem Blick in das UN, mit stets neuen Inhalten.
Aber auch die Website als Visitenkarte (nicht als Imagebroschüre) des UNs, denn manche Infos zu Produkten/Services ändern sich nicht und sind dort besser aufgehoben, also auf twitter oder Facebook, da umfangreich.
Sehr geehrter Knoll,
wenn Sie von Webseiten kleiner Büros oder Agenturen ausgehen, mögen Sie recht haben. Aber wenn es um Unternehmen geht, die technische Produkte anbieten wird es schwieriger. Kunden erwarten technische Datenblätter, Einbauanleitungen etc, also möglichst ausführliche Produktinformationen und das keine Weiterleitung zu Facebook, etc. Zusätzlich lassen sich mit Sicherheit Social-Media Dienste integrieren, aber – bei allem Socialmedia-Hype – ist immer noch das wichtigste sich zu überlegen, was wollen oder erwarten potentielle Kunden auf der Website. Der Kunde muss im Mittelpunkt des Interesses stehen und keine Technologie.
Viele Grüße aus Spandau,
Andreas Kühl
Ich denke, Datenbelätter etc. hochzuladen (machen wir auch) ist kein Problem. Dem User muss es nur überlassen bleiben, wie tief er einsteigen möchte. Es ist nur löglich ein PDF auf der Website zu verlinken und zum Download anzubieten, als alles auf die Website zu schreiben.
Bei Social-Media geht es meiner Meinung auch nicht darum, eine Technologie voranzutreiben (nehmen wir twitter), sondern eben genau das, was Sie ansprechen: den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Wir z.B. verfolgen die Tweets von potentiellen Kunden. Wenn dann einer schreibt: “Mann, 1000 Flyer, bis übermorgen, wie soll das gehen” – haken wir ein, sprechen ihn an, führen ihn (natürlich) auf unsere Website, generieren Traffic, einen zufriedenen Kunden usw.
Davon, die Webpräsenz ins soziale Web zu verlagern, halte ich sehr wenig. Dadurch macht man sich zu sehr von Twitter, Facebook (oder wo auch immer die neue Onlinezentrale liegen soll) abhängig. Natürlich macht es für sehr viele Firmen Sinn soziale Medien zu nutzen und in die eigene Seite integrieren. Aber Schlüsselinformationen sollte man immer auch auf der eigenen Website parat haben und sich nicht auf Tweets oder eine FB-Gruppe verlassen.
Die klassische Firmenwebseite hat immer noch ihre Funktion in einem Marketing-, Kommunikations- und PR-Konzept, genauso wie es ein Blog, Microblog, Social Network etc. haben. Ich denke, für einige User ist die herkömmliche “digitale Visitenkarte”, um die es Ihnen ja geht, immer noch der Einstieg, das “Klingelschild”. Und hier sehe ich das doch wieder ähnlich wie Sie: Mögen viele Firmen vielleicht schon ihr altertümliches Schild (statische Informationen) durch ein neues (dynamisches) ersetzt haben: Entweder fehlt die Klingel (gar keine Social Media Vernetzung auf der Seite) oder die Klingel funktioniert, aber man wird nicht hereingebeten (mangelnde Social Media Kommunikation)!
Hallo Klaus-Dieter,
interessante These: “Der einzige Grund, weshalb es die Firmen-Website immer noch gibt, liegt an einer Art sozialem Druck, der immer dann entsteht, wenn man von einem Geschäftspartner oder potentiellen Kunden nach seiner Webadresse gefragt wird.”
Ich denke nach 1 bis 2 Jahren beruflichen (und auch privatem) Twittern, Facebook usw. muß ich sagen, daß die These sich vielleicht in der SocialMedia (SM)-Szene bewahrheitet (u.a. PR, Marketing, Blogger), aber viele kennen sich mit SM nicht aus, schauen sich mal Twitter an und lassen es dann sein. Alleine die Angst, über solchen neuen Kanäle die Hoheit über die eigene Kommunikation zu verlieren, was ja längstens der Fall ist, führt viele zur Ablehnung von SM, zu Aussagen, daß das ja alles nur trendy ist und sich in spätestens 1em Jahr gelegt hat.
Weit gefehlt. Ich will jetzt keinen Epos schreiben, aber ich halte eine Firmen-Webseite nach wie vor als sogenannte Landing-Page für wichtig. Gut, man kann ja auch einen Blog nehmen anstelle einer Seite. Letztlich ist diese Online-Präsenz das Herz der Außendarstellung (zumindest bisher), SM mit seinen vielen Channels kann das Herz versorgen mit Blut (Traffic, Hinweis, PR, Kommunikation, Kundendialog), aber alleine im Gesamtkörper kann es auch nicht überleben.
Was ich damit sagen will: Der Mix macht es und nicht eines alleine. Blog/Webseite & SM-Channels zusammen ergeben ein vielschichtiges Bild eines Unternehmens und beweist letztlich ja Zielgruppenorientierung: Denn sowohl digital natives als auch immigrant natives als auch silversurfer sowie seldomSurfer – den letzten hab ich mir schnell ausgedacht :) – werden aktiv auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten angesprochen.
So long so far,
beste Grüße aus Stuttgart
Grundsätzlich sollte jedem Unternehmensauftritt im Web eine Strategie zu Grunde gelegt werden, die der Businessstrategie dienlich ist. Wen will ich ansprechen? Wo kann ich meine Kunden heute und morgen erreichen? Wie internet-affin ist meine Zielgruppe? Was kann ich inhaltlich über das Web zum Erfolg des Unternehmens beitragen? Welche Hubs habe ich, um die Kunden auf meine Webauftritte (Mehrzahl!) zu bekommen? Und so weiter… Unternehmens-Webseite und Business-Auftritte in sozialen Medien oder Netzwerken stehen zukünftig gleichberechtigt nebeneinander, verfolgen aber unterschiedliche Absichten. Die Unternehmens-Webseite hat in meinen Augen noch lange nicht ausgedient, man muß sie nur mit den heutigen sozialen Medien zu vernetzen wissen. Eine Handlungsreisender hat schließlich auch ein zuhause, oder nicht?
Einen Einblick zu ein paar Gedanken liefern diese Gedanken zur Webstrategie 2010… http://bit.ly/5bOWqm
„Zugegeben, viele Websites entsprechen nicht den Kundenbedürfnissen, sondern eher einer nicht sehr hilfreichen Innensicht, und sollten dringend überarbeitet werden.“
Dem stimme ich voll und ganz zu. Viele Webseiten dienen der Selbstdarstellung und bieten dem Besucher kaum einen Nutzen.
Das der Anbieter dorthin “gehen” sollte wo sich seine Zielgruppe befindet ist ein sehr gutes Argument. Hat der Anbieter etwas zu sagen, kann die Online-Kommunikation gut durch Social Media Angebote ergänzt werden.
Viele Dienste lassen sich hervorragend in die eigene Seite integrieren. Das können externe Dienste, oder auch selbstgehostete Lösungen sein.
Hallo @all, danke, dass ihr hier so fleißig kommentiert :)
Die Firmen-Website, die ich in diesem Post meine, ist so die typische Web-Visitenkarte mit “Herzlich willkommen!” auf der Startseite und den No-Gos “zuverlässig”, “kompetent” und “preiswert” auf der Über-uns-Seite.
Was kann eine solche Website leisten, was ein Profil auf LinkedIN, XING, MyON-ID oder Faceboook nicht kann? – Es ist m.E. einzig der “soziale Druck”, um in den Augen anderer nicht dazustehen, wie jemand, der sich die eigene Website nicht leisten will.
Doch diese Verschämtheit halte ich für unangebracht. Ich glaube, wenn eine Firma heute wirklich nur eine Visitenkarte als Web-Präsenz will, ist sie mit einem Profil besser bedient. Denn da schaut man hin und weiß von vorn herein, was einem da erwartet. – Es surft doch keiner mehr von Website zu Website, um mal zu sehen, wie sich Firma Sowieso darstellt. Kommt man dann aber auf eine solche reine Web-Visitenkarte, erzeugt sie heutzutage einen faden Eindruck, weil nichts passiert, da sie nicht wirklich kommuniziert. Das wirft doch auch ein Licht auf die Firma selbst. – Daher denke ich, dass der Schaden größer ist, als wenn man auf ein Profil verlinkt.
Super Beitrag. Genau zu diesem Thema darf ich in 2 Stunden im Rahmen eines österreichischen Hotelkongresses referieren. Es gibt Sicherheit und man fühlt sich ein bißchen bestätigt wenn vor einem Referat so ein Beitrag reingetwittert kommt (via @klauseck)
hier eine ähnliche Frage im Tourismus:
http://workersonthefield.wordpress.com/2009/11/06/tourismusregion-lost-webpage-auf/
Die Wichtigkeit der Social-Media-Aktivitäten lasse ich gelten. Die Firmen-Website ist dennoch weiterhin wichtig: als verbindendes Tool und vor allem auch als Plattform, in der sich ein Unternehmen in der eigenen CI, mit dem gesamten Selbstverständnis präsentiert.