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Readport – gut gemeint ist nicht genug

Vor fast genau einem Monat hat das noch junge Netzwerk für innovative Online-Projekte, Blue Ocean Labs, einen neuen Dienst gestartet, mit dem sich interessante Blogs aus dem Long- und Midtail des Internet aufspüren lassen. Readport – so der Name des Dienstes – mitten in die Vorweihnachtszeit zu releasen, war vom Timing her eher unglücklich, zumal die deutsche Blogosphäre gerade ihr eigenes Sterben diagnostizierte. Doch davon abgesehen performt das Blogperlen-Aggregat auch deutlich schwächer als in der vollmundigen Pressemitteilung verhießen.

Zunächst eröffnet man einen User-Account und trägt unter „meine Sites“ alle jene Blogs ein, die man bereits liest. Der Algorithmus von Readport sucht dann unter allen angemeldeten Usern jene, die diese Blogs ebenfalls lesen und generiert aus deren noch nicht gelesenen Blogs eine Empfehlung.

Die Empfehlungen werden in Listen aufgeführt, deren Usability allerdings verbesserungswürdig ist. So wird zwar neben einem Vorschaubild, dem Blogtitel und den Link dahin auch angezeigt, wie viele weitere User den empfohlenen Blog lesen. Aber worum es in diesem Blog geht, wird weder in einem Snippet wie bspw. beim BloggerAmt angezeigt, noch ist wenigstens ein Auszug aus dem letzten Post zu lesen oder eine Reihe automatisch generierter Keywords.

Die Empfehlung beruht also einzig auf den Mitlesern der von mir gelesenen Sites, deren Blogs ich noch nicht alle lese. Vermutlich ist das Ziel erreicht, wenn alle Mitglieder alle eingetragenen Blogs lesen. Das nächste Level heißt dann Information Overload.

Ein weiteres unnötiges Hindernis in der Empfehlungsliste ist der fehlende „Hinzufügen“-Button hinter jedem Treffer. Stattdessen klickt man entweder über den Titel oder das Vorschaubild zu einer separaten Seite, wo die Empfehlung endlich zu „meine Sites“ hinzugefügt werden kann. Zurück zur Empfehlungsliste gelangt man lediglich über den „Zurück“-Button des Browsers. Klickt man etwa auf „meine Empfehlungen“, landet man nämlich wieder auf Seite eins, egal auf welcher Seite man zuvor eine Blogperle entdeckt hat.

Auf der Hinzufügen-Seite werden noch einmal alle Mitglieder aufgeführt, die den empfohlenen Blog bereits lesen. Kontakt zu ihnen kann man allerdings nicht aufnehmen. Stattdessen gelangt man über einen weiteren „Empfehlen“-Link zu einer eingegrenzten Trefferliste, die aus Blogs besteht, die nur von diesem Leserkreis gelesen werden.

 

Blogperlen-Aggregat Readport eignet sich eher für Social-Media-Neueinsteiger

Blogperlen-Aggregat Readport eignet sich eher für Social-Media-Neueinsteiger

 

Überhaupt handelt es sich bei der so genannten Community um Stolperstein und vorauseilende Entschuldigung zugleich. In der Ankündigung auf der Blue Ocean Labs-Website liest sich das so:

Die Seite lebt somit sehr stark von der Community und wird mit jedem neuen Mitglied wertvoller.

Von Community kann jedoch gar keine Rede sein. Readport ermittelt unter den angegebenen Blogs seiner Mitglieder jene, die die gleichen Blogs lesen. Diese werden mit ihrem Usernamen entweder unter „meine Mitleser“ aufgeführt, oder als Zahl in den spärlichen Angaben zu einer Empfehlung genannt (Beispiel: Spreeblick hat 7 Leser – Stand: 02.01.2010).

Einzig die Möglichkeit eine Empfehlung zu kommentieren, signalisiert einen Ansatz von Community. Davon hat bisher allerdings noch niemand Gebrauch gemacht. Doch das hat gewiss auch noch andere Gründe. Da sich bis jetzt nur eine überschaubare Anzahl Nutzer bei Readport angemeldet haben, bestehen die Empfehlungen allesamt aus bereits Bekanntem. So lässt sich kein Mehrwert erkennen, was dazu führt, dass registrierte User das Interesse verlieren und Readport nicht weiterempfehlen. Die Schwäche des abgeschlossenen Systems schließt hier einen Teufelskreis.

Fazit: Hinter Readport verbirgt sich eine gut gemeinte Idee, die leider nur an der Grenze zwischen Web 1.0 und Web 2.0 umgesetzt wurde. Social Media Neueinsteiger, die das „Zuhören“ noch erlernen müssen, finden in Readport sicherlich ein besseres Hilfsmittel zum Auffinden interessanter Blogs, als wenn sie sich durch zahlreiche Blogrolls klicken. Wer jedoch mit den bekannten Diensten und Aggregaten wie Twitter, FriendFeed, Google-Reader oder StumbleUpon vertraut ist, findet in ihnen komfortablere Usability, bessere soziale Filter und somit auch wertvolleren Content.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment

 

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