Virales Marketing und SEO via Blogs

Das Web verändert vieles mit atemberaubender Rasanz. So eröffnet es unter anderem auch völlig neue Werbemöglichkeiten für kreativ handelnde Unternehmen. Mit etwas Phantasie kann man nämlich die viralen Effekte des Netzes für sein Angebot nutzbar machen, indem die aktiven User in die Durchführung eines Werbekonzepts einbezogen werden. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die jüngste, über deutsche Blogs erfolgte Kampagne der Online-Druckerei logiprint.com.

Anfang November erhielten wahrscheinlich tausende Blogger ein nettes Schreiben der Ibbenbürener mit der Bitte, etwas über die Produkte der Online-Druckerei zu schreiben. Um diese vorher auch testen zu können – und sicherlich auch als Stimuli gedacht –, war das Schreiben mit einem Gutschein über 500 einseitig farbige Visitenkarten sowie 300 Midi-Adressaufkleber inklusive Versandkosten garniert.

Obwohl ich die Idee sympathisch fand, mochte ich mich nicht an der Aktion beteiligen und habe deshalb auch den Gutschein verfallen lassen. Hauptsächlich ging es mir dabei um die inhaltliche Hoheit über mein Blog: wenn ich hier Werbung mache – ob für mein eigenes Angebot oder das anderer, ob mehr oder weniger versteckt –, dann auf meine eigene Initiative hin. – So schreibe ich ja auch diesen Blogpost über eine beeindruckend gelungene, virale Werbekampagne aus eigenen Stücken und ohne jegliche Vergütung (mal abgesehen davon, dass eine bloggenswerte Story für einen Blog immer auch einen gewissen Nutzen darstellt).

Als Fachmann stolperte ich außerdem über die etwas unpräzise Beschreibung „einseitig farbige Visitenkarten“. Wie viele Farben? Und auf welchen Karton? – Natürlich wird ein 4-farbiger Offsetdruck auf für Standardangebote üblichen Bilderdruckkarton gemeint sein. Aber als Grafikdesigner spielt man beim Lesen solch interpretationsoffener Beschreibungen schon mal alle Möglichkeiten durch.

Hinzu kam außerdem, dass mir grad niemand einfiel, den ich mit Visitenkarten beglücken konnte. Und meine eigenen lasse ich – wie vieles andere auch – in der Druckerei meines Vertrauens drucken, weil sie mehr Auswahl an Kartonsorten anbietet und bereits seit über zehn Jahren meine Kundentreue mit ihrer zuverlässig hohen Qualität erwirbt.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, dem viralen Marketing als neue Werbemöglichkeit für kreativ handelnde Unternehmen. Ende November stieß ich dann auf den ersten Blogpost, der von dem Angebot von logiprint.com Gebrauch gemacht hatte. Für meinen Geschmack hätte der Blogger ruhig schreiben können, dass die Initiative auf die Online-Druckerei zurückging, dann hätte er sich entsprechende Kommentare und den Verdacht, nicht wirklich zu dem zu stehen, was er bloggt, erspart. Aber sei’s drum.

Screenshot der Twingly BlogSearch Ergebnisse vom 06.12.2009

Screenshot der Twingly BlogSearch Ergebnisse vom 06.12.2009

Viel interessanter fand ich, welch gigantische Wirkung logiprint.com mit dieser Idee bewirkt hat. Da die Bitte um einen „unabhängigen und freien Artikel“ (Zitat: Anschreiben) mit einem ordentlichen Anreiz vorgetragen wurde, dürften dem zahlreiche Blogger nachgekommen sein. – Und genau diese Überlegung brachte mich dann auch auf die Idee zu diesem Blogpost.

Denn die Blogger beschreiben ja nicht allein die Produkte, Bestellabwicklung, Bezahlmöglichkeiten und Lieferdauer, sie erwähnen dabei auch mehrere Male den Firmennamen der Onlinedruckerei. Obendrein entstehen also auch zahlreiche SEO-taugliche Texte mit unique content, da sie allesamt jeweils von einer anderen Person geschrieben sind. Und selbstverständlich verlinken sämtliche Beiträge zu logiprint.com. Da Blogger ihre Beiträge auch auf diversen Bookmarking-Plattformen verlinken sowie auf Twitter reichlich dafür werben, entsteht mit der Aktion also jede Menge virtueller Trommelwirbel und die vorderen Plätze auf den Suchergebnisseiten für die entsprechenden Keywords dürften ebenfalls auf Monate hinaus gesichert sein.

So habe ich denn auch spaßeshalber die Twingly BlogSearch und MicroblogSearch mit dem Suchbegriff „logiprint“ gefüttert und bin auf seitenweise Ergebnisse gestoßen, die allesamt im November ins Netz gestellt und vertwittert wurden.

Da man annehmen darf, dass ein Blogpost permanent im Web verbleibt, brachte diese virale Kampagne einen beachtlichen und vor allem nachhaltigen Erfolg für die Online-Druckerei. – Und es gibt sicher zahllose Unternehmen, die mit überschaubarem Aufwand in aktive Nutzer investieren und so virale Effekte für ihre Angebote nutzbar machen könnten. Es ist alles nur eine Frage der Kreativität. Und möglicherweise enthalten solche Ansätze ja auch ein mittlerfreies Monetarisierungspotential für Blogger.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment

 

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Über kadekmedien

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8 Antworten zu “Virales Marketing und SEO via Blogs”

  1. Ich wurde auch von der Druckerei angeschrieben und habe mir einen Beitrag verkniffen. Denn die Aufforderung, explizit “positiv” über etwas zu schreiben, das ich gar nicht beurteilen kann – ihre Leistungen und Qualität – ist einfach nur frech… und aus meiner Sicht nicht besonders clever.

    Denn der virale Effekt kann ganz schnell nach hinten losgehen, wenn viele Blogger sich dazu negativ äußern. Da geht die Reputation schneller den Bach runter, als man zuschauen kannn, auch wenn es SEO-technisch natürlich hilft.

    Ich finde diese Aktion eher plump als gelungen.

  2. Stimmt, “plump” im Sinne von wie es gemacht wurde. Das kam auch in einigen Posts so rüber, dass die Blogger sich ärgerten, dass ihr Blog gar nicht gelesen wurde. Andere haben die Aktion sogar als Spam bezeichnet…

    Aber erfolgreich im Sinne von SEO und viralem Marketing, da potentielle Kunden ja eher nach einem Angebot – bspw. Visitenkarten günstig drucken – suchen.

    Insgesamt sehe ich da aber eine Kooperationschance zwischen Firmen, die neue Marketingwege suchen und Bloggern. Darum ging es mir hauptsächlich.

  3. Ich habe den Beitrag nach dem ersten Lesen ‘gezwitschert’. Ich denke, moralische Entrüstung ist hier völlig fehl am Platz. Blogger schreiben positiv? Das sagt doch eher etwas über die Blogger, als über die Kampagne aus. Natürlich kann so etwas ‘nach hinten’ losgehen, bekannter als vorher ist logiprint.com aber sicher.
    Nach dem Grundsatz: Negative PR ist besser als keine. Die Frage ist natürlich, ob logiprint.com seiner Onlinereputation damit einen Gefallen getan hat. Das wird logiprint.com allein an den Umsatzzahlen messen.

  4. Da würde mich mal Deine/Eure Einschätzung interessieren: Wir (also ich und meine Firma, in der ich arbeite, gleiche Branche: Druck), hatten einmal ein ähnliche Idee. Und zwar, dass wir Muster versenden (mit Wunschmotiv der Blogger), z.B. auf Keilrahmen o.ä., im Rahmen von “Testwochen” zB. Und die Blogger sollten diese Muster dann neutral (also unvoreingenommen) bewerten, also Farbe/Farbtreue, Verarbeitung, Stabilität usw. Allerdings eben nur ein Muster oder aber einen Auftrag, den sie jedoch bezahlen müssen – vielleicht mit Rabatt oder sowas – aber explizit nicht kostenlos, damit da keine Bestechungsvorwürfe entstehen. Dann würde eine solche Sache doch Sinn machen. Quasi “Testwochen” ausrufen. Wer will, kriegt Muster oder echten Auftrag günstiger gegen unbefangenen Bericht. Was denkt Ihr über so eine Idee? Denn wichtig ist denke ich – wie auch bei allen anderen Maßnahmen im Netz – das Spiel mit offenen Karten. So wie es Kadek gemacht hat: “Da kam ein Angebot, ich habe es nicht angenommen, aber so und so sah das aus” usw.

  5. Nun ja, prinzipiell finde ich die Vorgehensweise von logiprint.com in Ordnung. Das machen andere Firmen, die Testkäufer suchen oder Produkttests anbieten ebenso: die Tester einspannen, ohne dass denen Kosten entstehen. – Im konkreten Fall hätte es auch weniger negative Posts gegeben, wäre mit etwas mehr Fingerspitzengefühl die Bloggerseele gestreichelt worden ;) …ist halt etwas aufwändiger.

    So wie Du es vorschlägst, also für einen Rabatt auch noch den Auftrag besprechen, kommt zu wenig Anreiz rüber. Gerade die Online-Druckereien bombardieren einen ja regelrecht mit Mails im Rahmen ihrer Rabattschlachten. Wenn da jemand wirklich nur auf den Preis schaut, kriegt er schon was er braucht. Weshalb sollte er sich dann noch die Mühe machen, einen Post zu bloggen?

    Mir hat die direkte Kontaktaufnahme zugesagt, weil es keines Mittlers – z.B. Trigami – bedarf. – Und diesbezüglich sehe ich da Zukunftschancen auch für andere Branchen. Es gibt ja auch genug Blogger, die AdSense schalten oder für Trigami bloggen. Also wieso nicht direkt? – Es sollte thematisch zum Blog passen und als Auftragspost zu erkennen sein (die Trigami-Posts haben immer diesen Link am Anfang), dann geht das schon in Ordnung. – Der Nutzen in Sachen SEO (keywordhaltiger unique content) dürfte den Auftraggeber weniger kosten, als eine SEO-Agentur zu beauftragen und/oder AdWords zu schalten.

  6. Hallo,

    obwohl ich ja ein Mitbewerber von Logiprint bin, finde ich die Idee toll. Es haben echt viele gemacht, war aber auch ne Sau teure Aktion denke ich. Auch wenn wir alles zum Einkaufspreis drucken kosten 500 Visitenkarten immer noch 17,00 EUR bei 500 Stück. Das ist schon viel Geld für einen Link. Egal was für ein Blog.

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  2. uberVU - social comments - 7. Dezember 2009

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