Auf der Mauer, auf der Lauer…
Ich verstehe das viel diskutierte Thema Paid Content ehrlich gesagt nicht so recht. Zumal diejenigen, die voller Besorgnis skeptisch bis ablehnend argumentieren, gar keinen Grund haben, sich Sorgen zu machen. – Bis auf wenige Ausnahmen wird Paid Content nicht funktionieren. Und zwar schon allein deshalb nicht, weil die Informationsflut immer weiter steigt. Immer mehr Menschen finden Freude daran, Content zu produzieren. Und unter denen, die schon länger dabei sind und die so genannten Qualitätscontent vermissen, beginnt sich die Einsicht durchzusetzen, selbst welchen produzieren zu müssen. | ET79WRKZER23
Einige bringt das dazu, ihre Blogs aufzugeben. Andere denken darüber nach zu fusionieren oder neue Modelle auszuprobieren. Wieder andere setzen schon allein der Gesundheit wegen auf Entschleunigung und nehmen Abschied vom dominoeffektartigen Wiederbloggen.
Sollen doch die Verlage herausfinden, was passiert, wenn ihr Content hinter Pay Walls verschwindet, so sie unbedingt wollen.
Unterbrich deinen Feind nicht, wenn er dabei ist, einen Fehler zu machen.
Napoleon Bonaparte (1769-1821)
Ich meine, was soll denn schon groß passieren, wenn Inhalte hinter einer Bezahlwand verschwinden, während massenhaft andere Inhalte – weit mehr als ich lesen kann und will – kostenlos angeboten werden?
Irgendjemand wird sich vielleicht als Premium-Blogger in Szene setzen und stets als erster aus den Quellen hinter den Pay Walls zitieren. Und alle anderen zitieren dann aus seinem Unique Content. So in etwa wie bisher alle technischen/technologischen Neuigkeiten von Techcrunch und Mashable wiedergekäut wurden. Was der Alpha-Blogger davon hat? Fame, was sonst?!
<träum>Noch schöner wäre natürlich eine allgemeine Solidarisierung. Die Verlage lassen ihren Content hinter Pay Walls verschwinden und verlieren mit der Leserschaft auch ihren medialen Einfluss. Nachfolgend brechen natürlich auch die im Web ohnehin schon spärlicher als im Print fließenden Werbeeinnahmen weg.
Und wenn dann noch die Autoren ein wenig Schneid hätten, könnten sie ihre Inhalte gleich selber publizieren und auf diese Weise ein paar ungeliebte und inzwischen nicht mehr benötigte Mittler loswerden.</träum>
Hilfe vom Großen Bruder
Was ich ebenfalls nicht verstehe, ist, weshalb Google die Konterrevolutionäre nicht schon längst von seiner Spielwiese verjagt hat. Die Möglichkeiten dazu hat es. Aber vermutlich bereitet es mehr Freude, zu sehen, wie der Feind sich selbst aufreibt, als extra ein paar neue Codezeilen zu produzieren, die dafür sorgen, dass der Content all jener, die jetzt ausschließlich in Google den Feind sehen, einfach nicht gelistet wird.
Was Google jedoch wirklich an Innovation beisteuern könnte (und wer weiß, vielleicht arbeiten sie in Mountain View ja bereits daran), wäre eine Möglichkeit, Qualitätscontent besser als bisher an den Werbeeinnahmen partizipieren zu lassen. Und zwar explizit nicht die Verlage, sondern die Autoren.
Wie ich mir das vorstelle? In etwa so: Zusätzlich zu den AdSense-IDs gibt Google Certified Author-IDs aus, die verifizierten Qualitätscontent-Autoren höhere Klickpreise auf die geschalteten Anzeigen ausbezahlen als es für gewöhnliche Ads gibt.
<träum>Darüber hinaus könnte sich auch eine Netzkultur herausbilden, die den zufriedenen Leser eines guten Textes dazu bringt, als Dankeschön auf ein Werbebanner zu klicken.</träum>
Wie dem auch sei, der Medienwandel wird nicht aufzuhalten sein. Die Technologie der allgemeinen Partizipation ist nun mal in die Welt gesetzt und wird auch nicht wieder verschwinden. Und wenn die Konterrevolutionäre – die genau genommen eigentlich Reaktionäre sind – unbedingt mit Pay Walls experimentieren wollen, sollen sie doch. – Das Ende vom Lied von der steigenden Informationsflut und um sich greifenden Vernetzung wird doch sowieso noch mal ganz anders klingen, und zwar so: der User wird für seine Aufmerksamkeit bezahlt.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment
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