Gesetz der Kontinuität
Das Gesetz der Kontinuität ist ein weiteres Gestaltgesetz, das die selektive Wahrnehmung des Menschen beschreibt. Es besagt, dass Elemente, die auf einer „gedachten“ Linie aufgereiht sind, als zusammengehörig empfunden werden. Das menschliche Bewusstsein ordnet sie automatisch einem Sinnzusammenhang zu. Es beschränkt sich dabei nicht nur auf gerade Linien, sondern bezieht auch Elemente auf gekrümmten Linien mit ein oder solche, die an Fluchtlinien wie Zeilen oder Spalten ausgerichtet sind.
Markierungen auf einem Tachometer werden beispielsweise als eine Sinneinheit interpretiert, da sie entlang einer kreisförmigen Linie angeordnet sind. Zudem entspricht diese Anordnung unserer Leserichtung von links nach rechts.

Die auf einer gekrümmten Linie aufgereihten Markierungen auf einem Tachometer fassen wir als Gruppe auf. – Bei sich überschneidenden virtuellen Linien, gehen wir nicht davon aus, dass sie an irgendeiner Stelle verzweigen, sondern folgen dem einfachsten Verlauf.
Ähnlich wie beim Gesetz der Geschlossenheit wird unsere Wahrnehmung kleinere Ungenauigkeiten ergänzen. Die „gedachten“ Linien werden so wahrgenommen, als folgen die Elemente darauf dem einfachsten Weg. Außerdem gehen wir davon aus, dass sie die einmal von unserer Wahrnehmung festgelegte Richtung beibehalten. Überlagern sich zwei virtuelle Linien, folgen wir dem Verlauf jeder einzelnen, ohne zu „denken“, der Verlauf der Linien ändere an irgendeiner Stelle abrupt seine Richtung.
Zum Beispiel werden zwei nebeneinander angeordnete v-förmige Linien auch genauso wahrgenommen: als zwei nebeneinander angeordnete v-förmige Linien. Setzt man jedoch beide übereinander und spiegelt eine der beiden horizontal, werden sie nicht mehr als zwei v-förmige Linien erkannt. Stattdessen sehen wir zwei sich kreuzende Diagonalen in Form eines X.

Zwei V-förmige Linien nebeneinander nehmen wir als das wahr, was sie sind. Eine über die andere gestellt und eine davon horizontal gespiegelt und schon veranlasst das Gesetz der Kontinuität unser Auge eine X-Form zu erkennen.
Das Gesetz der Kontinuität lässt sich im Design sehr gut anwenden, um Sinnzusammenhänge herzustellen, indem man auf kontinuierliche Linienführung mit möglichst wenigen Unterbrechungen achtet. Ein gutes Beispiel hierfür sind die in einer Zeile angeordneten verlinkten Seitenzahlen am Ende einer Suchmaschinen-Ergebnisseite. Auch Balkendiagramme lassen sich leichter erfassen, wenn die äußeren Kanten der Balken eine fortgesetzte Linie ergeben.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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