Blogs und Totgesagte leben länger

Der Hype um Blogs sei vorbei, heißt es dieser Tage. Andere behaupten gar, Blogs an sich seien tot, doch das halte ich für etwas übertrieben. Und zwar nicht nur vor dem Hintergrund, was ich meinen KMU-Kunden empfehle, wenn ich gefragt werde, ob Bloggen etwas Sinnvolles sei. Ein Blog ist ein wunderbares Werkzeug. Es dynamisiert Ihre bislang statische Webpräsenz durch aktive Kommunikation.

Bloggen ist einfacher als Sie glauben, aber sooo einfach ist es nun auch wieder nicht. Es kommt nämlich – wie bei allen anderen Dingen auch – darauf an, was Sie erreichen wollen. Wenn Sie mit ihrer Zielgruppe kommunizieren wollen, um neue Kunden zu gewinnen, wenn Sie mit ihren Kunden in direkten Dialog treten wollen, um ihre Marke zu stärken und um die Kundenbindung zu erhöhen – immer dann ist ein Blog dank zahlreicher Interaktionsmöglichkeiten hervorragend dazu geeignet.

Allerdings sollten Sie Ihre Erwartungen etwas justieren, falls Sie sich mit den großen Medien messen wollen. Nicht jedes Blog kommt in die Top100, nicht mal in die nationalen. Und das ist auch überhaupt gar nicht notwendig. – 70% aller geschäftlichen Handlungen werden lokal getätigt, also in einem Umkreis von gut sieben Kilometern zum Lebensmittelpunkt des Konsumenten. Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele KMU eher die Frage, wie Sie ihre potentielle Zielgruppe in Leser – und besser noch: Stammleser – verwandeln können.

Falls ich mich bislang missverständlich ausgedrückt haben sollte: die Rede ist hier von Corporate Blogs, oder – um es eine Nummer kleiner zu liefern – von Firmenblogs als ergänzendes Kommunikationsmittel. Man kann ein solches Blog nämlich sehr gut als Kundenmagazin auffassen. Es lässt sich mit deutlich weniger Aufwand betreiben, herstellen und verbreiten. Und es kann seine Reichweite einfacher vergrößern als ein gedrucktes Kundenmagazin es je könnte.

Fairerweise sollte ich erwähnen, dass Blogposts sich nicht von alleine schreiben. Und die Informationen, die letztlich zum Blogpost führen, müssen ebenfalls erst gefunden und gelesen werden. Außerdem gehören noch weitere Maßnahmen zum Bloggen, wie das Bewerben der Posts, das Verlinken in Bookmarkingdiensten und die Reaktion auf Kommentare bzw. die Teilnahme an der Blogosphäre durch Kommentieren anderer Blogs. Das alles verschlingt Zeit. Und wer nicht in der Lage ist, diesen Aufwand als Investition in den Marketing-Mix zu sehen, wird genügend Gründe finden, die gegen das Bloggen sprechen.

Von Äpfeln und Birnen

Häufig wird Bloggen auch mit Twittern verglichen, um angesichts des Echtzeitstreams das Blog als langsam abzutun. Ich finde, beides ist so unterschiedlich, dass es gar nicht miteinander verglichen werden kann. Twitter ist vergleichbar mit den Stimmbändern des Marktschreiers. Analog dazu sind Blogposts das Beratungsgespräch mit dem Verkäufer. Erst beides zusammen erregt Aufmerksamkeit, lockt Interessenten und verwandelt sie womöglich in Kunden.

Der an dieser Stelle von Skeptikern gern erhobene Einwand, die Reichweite sei lächerlich gering, ist imho ebenso albern wie demotivierend. Es gibt zahlreiche Kundenmagazine, die von den allermeisten Menschen noch nie gesehen wurden, noch jemals gesehen werden. Und, wird ihr Erscheinen deshalb eingestellt?

Das gleiche gilt übrigens für Bestellmagazine, die eine deutlich größere Reichweite erzielen. Meine Kunden jedenfalls buchen immer wieder Anzeigen für Medien, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die doch eine beachtliche Auflagenhöhe in der jeweils exakt passenden Zielgruppe erreichen. – Die Welt führt halt immer weit über den eigenen Tellerrand hinaus. Demotivierung ist da völlig fehl am Platz, denn sie legt nahe, es gar nicht erst zu versuchen. So wird allenfalls Stillstand produziert – und wer will das schon?

Der Authentizität wegen sollten Sie jedoch selber bloggen und twittern. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist es gerade wegen der Reizüberflutung nicht notwendig, täglich zu bloggen. Einmal wöchentlich reicht vollkommen aus, wenn Sie noch weitere Kommunikationsmittel wie Posterous, Facebook und Twitter nutzen. Allerdings sollte es auch nicht seltener sein. Wichtig ist vor allem, dass verlässlich regelmäßig gebloggt wird, andernfalls bildet sich keine Stammleserschaft.

Blogs sind tot. Es lebe das Blog.

Es ist ein Fehler zu glauben, Blogs seien gegenüber Streaming zu langsam und deshalb obsolet. Mal abgesehen davon, dass die verschiedenen Nutzergruppen höchst unterschiedlich webaffin sind, beträgt die Lebensdauer eines Tweets oder selbst einer Statusmeldung in den Social Networks nur einen Bruchteil eines Blogposts. Seine Kommunikation also vollständig in den Echtzeitstream zu verlagern, hieße all jene vom Dialog auszuschließen, die – aus welchen Gründen auch immer – gerade nicht oder nicht auf der richtigen Plattform online sind.

Auch die Ansicht, Streaming-Dienste wie Twitter, Facebook oder FriendFeed zu benutzen, würde zu einer Verwässerung des Online-Profils führen, kann ich nicht teilen. Zunächst einmal ist die Dezentralisierung die herausragende Stärke des Internet, der eigentliche Grund, weshalb sein Vorläufer – das Arpanet – vom U.S.-Militär überhaupt entwickelt wurde.

Die verschiedenen virtuellen Orte, die von jedermann zur Kommunikation genutzt werden können, erhöhen doch die Reichweite des Anbieters ungemein. Eine Kommunikationsstrategie vorausgesetzt, können diese Dienste sinnvoll miteinander kombiniert werden. So lässt sich Posterous hervorragend als Notiz-Blog verwenden, um zwischendurch Netzfundstücke und eigene Gedanken zu bloggen und so zusätzlichen Inhalt für Twitter und Facebook zu generieren. Per Hyperdistribution gelangen diese Inhalte auch nach FriendFeed, MyBlogLog und Bookmarking-Plattformen wie bspw. Mr. Wong. – Und überall dort kann die Message von Leuten empfangen, kommentiert und weiterverbreitet werden, die gerade auf der einen, nicht aber der anderen Plattform kommunizieren.

Analog käme kein Mensch auf die Idee, dass ein Werbeplakat, das an verschiedenen Plätzen im Berliner Straßenbild ebenso zu sehen ist, wie in anderen Städten auch, die Botschaft desselben verwässern würde.

Blogs, Streaming-Dienste, Microblogging-Plattformen sind allesamt wunderbare Werkzeuge, mit denen sich effektiv kommunizieren lässt. Sie nicht zu nutzen – auch und gerade für die eigene Firma –, etwa weil der Aufwand zu hoch oder der Erfolg zu gering erscheint, heißt vor dem Hintergrund der gewaltigen Veränderungen, die Social Media mit sich bringen wird, eine riesige Chance zu verpatzen. Aber wie ein Schraubenschlüssel noch keinen Klempner macht, kann man sich Erfolg auch nicht allein mit Blogposts herbeischreiben.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Kommunikationsdesign und
Social Media Managment

 

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Über kadekmedien

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2 Antworten zu “Blogs und Totgesagte leben länger”

  1. gute gedanken!
    bei mir hat sich das täglichbloggen in ein mitunter etwas zu rumtrödlerisches facebooking gewandelt. die eigentliche arbeit aber passiert im offline-modus [mit einem stets halbgeöffneten auge nach bloggershofen]..

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