Eines der Geheimnisse professionell wirkender Grafikdesigns ist die Verwendung eines Gestaltungsrasters. Es erfordert zwar einiges an Fachkenntnis und Aufwand, den richtigen Raster anzulegen, erleichtert aber das anschließende Layouten ungemein. Für den Leser einer Drucksache ist der(!) Raster zwar unsichtbar, er empfindet ihn aber unbewußt als ordnendes Element und lässt sich optisch von ihm durch die Information führen.
Der Gestaltungsraster wird als gitterförmiges Konstrukt über dem Satzspiegel angelegt. Horizontal wird ein Grundlinienraster erzeugt, an dem die Textzeilen ausgerichtet werden. Bei mehrseitigen Druckerzeugnissen sorgt die Ausrichtung des Textes am Grundlinienraster dafür, dass die Zeilen fluchten, also auf der Vorder- und Rückseite auf gleicher Höhe stehen. Vertikal wird der Satzspiegel in mehrere Spalten unterteilt, deren Abstand voneinander im Idealfall einen Zeilenabstand misst. Der Spaltenabstand wird in der Fachsprache auch Zwischenschlag genannt.
Für periodisch erscheinende Druckerzeugnisse wie Zeitungen und Zeitschriften ist es unerlässlich, ein Gestaltungsraster anzulegen. Jede Woche ein neues Layout zu erstellen, wäre viel zu aufwändig. Außerdem vermittelt die am Raster ausgerichtete Gestaltung eine Konsistenz, die dem Leser Verlässlichkeit im Hinblick auf die Qualität der publizierten Information signalisiert.

Gestaltungsraster einer A4-Doppelseite mit je 4 Spalten in InDesign
Layoutprogramme wie InDesign oder QuarkXpress bieten die Möglichkeit, mehrere Raster innerhalb eines Dokumentes als Musterseiten abzuspeichern. So hat man die Möglichkeit, den unterschiedlichen Anforderungen an verschiedene Seiten – wie Titelseite, eher textlastige Inhaltsseiten, besonders illustrierte Doppelseiten und Schlussseite – mit diversen Musterseiten gerecht zu werden. Überdies lassen sich auf den Musterseiten noch ständig wiederkehrende Elemente wie Logos, Rubrikentitel und Seitenzahlen platzieren.
Stilvorlagen für mehr Produktivität
Darüber hinaus legt der Grafikdesigner mit dem Gestaltungsraster auch gleich Stilvorlagen für Zeichen- und Absatzformate sowie Grafikstile innerhalb eines Dokuments an. So werden die wichtigsten Textformatierungen – etwa für die Copy, die Haupt-, Unter- und Zwischenüberschriften – vordefiniert und lassen sich bei Bedarf an zentraler Stelle modifizieren. Eine Änderung der Stilvorlagen in den Paletten bewirkt automatisch die Aktualisierung des entsprechend formatierten Textes beziehungsweise der Grafikformate innerhalb des gesamten Dokuments.
Gestaltungsraster und Stilvorlagen im Webdesign
Die grundsätzliche Herangehensweise bei der Gestaltung von Webseiten und Printprodukten ist trotz aller Unterschiede bei den Ausgabemedien im Wesentlichen gleich. Eine Website kann zwar in Abhängigkeit vom Inhalt beliebig lang werden, aber in den meisten Fällen wird für die Gestaltung von einer festen Seitenbreite ausgegangen. Und der sichtbare Bereich wird ebenfalls horizontal und vertikal in kleinere Gestaltungsbereiche unterteilt.
In den Anfangsjahren des Internet wurde ein verlässliches – also in allen Browsern weitgehend ähnlich dargestelltes – Layout noch am ehesten durch Tabellenkonstrukte erreicht. Diese sind jedoch seit mehreren Jahren von reinen CSS-Layouts abgelöst worden und unter seriösen Webdesignern sogar verpönt.
Die Definition von Cascading Style Sheets (CSS) ermöglicht nicht nur die Festlegung von Spaltenbreiten und –höhen, sondern sämtliche Text- und sonstige Formatierungen lassen sich über sie vornehmen. Die CSS werden in speziellen Textdateien hinterlegt und ermöglichen ebenso wie die Stilvorlagen in Layoutprogrammen die Aktualisierung der gesamten Website an zentraler Stelle.
In jedem Fall erleichtert die Verwendung von Gestaltungsrastern und Stilvorlagen die Arbeit, steigert die Produktivität beim Layouten und lässt dem Grafikdesigner auch mehr Freiraum für kreatives Gestalten. So entstehen konsistente Grafikdesigns sowohl mit ordnenden Konstanten als auch mit unverwechselbarem Gesicht.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
Leseempfehlung: The Complex Grid by Pedro Monteiro
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7. September 2009





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