Gesetz der Geschlossenheit

Das Gesetz der Geschlossenheit ist ein weiteres Gestaltgesetz, welches die selektive Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen beschreibt. Es besagt, dass wir einzelne Elemente, die unter gleichen Bedingungen gruppiert sind, zuerst als geschlossenes Ganzes wahrnehmen. Das menschliche Gehirn schließt dabei die anscheinend vorhandenen Lücken zwischen den Elementen und ergänzt die „fehlende“ Information durch Erfahrungswerte, um die Form zu komplettieren.

Weisen die Dinge eine geschlossene Kontur auf, fassen wir sie als zusammengehörig auf. Innerhalb eines Umrisses ist eine vollständige Geschlossenheit nicht einmal erforderlich, um die darin befindlichen Elemente zu gruppieren. Die Andeutung einer geschlossenen Figur genügt voll und ganz, um uns ein geschlossenes Ganzes vorzutäuschen. Erst nach längerem oder mehrmaligem Hinsehen, bemerken wir die tatsächlich vorhandenen Einzelelemente.

Wir erkennen zuerst vollständige Figuren - Kreis, Dreieck Quadrat, nicht jedoch die einzelnen Elemente.

Wir erkennen zuerst vollständige Figuren - Kreis, Dreieck Quadrat, nicht jedoch die einzelnen Elemente.

Umschließen Linien eine leere Fläche, wird eher die eingeschlossene Leerfläche als Form wahrgenommen, als dass wir die eigentlich vorhandene Kontur sehen. Dem Umriss fällt dabei sogar eine Art Trennfunktion zu: während die Elemente in seinem Innenraum von unserer Wahrnehmung gruppiert werden, werden jene außerhalb der Kontur als nicht zugehörig betrachtet.

Elemente innerhalb einer Umrisslinie werden als zusammengehörig aufgefasst. Die gleichen Elemente außerhalb der Ellipsenkontur gehören anscheinend nicht zu dieser Gruppe. Die Kontur links macht die innere Leerfläche als Stern sichtbar.

Elemente innerhalb einer Umrisslinie werden als zusammengehörig aufgefasst. Die gleichen Elemente außerhalb der Ellipsenkontur gehören anscheinend nicht zu dieser Gruppe. Die Kontur links macht die innere Leerfläche als Stern sichtbar.

Im Grafikdesign wird das Gesetz der Geschlossenheit vor allem dann angewendet, wenn es darum geht, komplexe Designs zu vereinfachen. Außerdem besteht zum Beispiel bei Schrift die Möglichkeit, ganze Buchstaben wegzulassen oder durch geometrische beziehungsweise grafische Figuren zu ersetzen, um sie interessanter aussehen zu lassen. Diese Möglichkeit findet vor allem beim Logodesign Anwendung.

Serienbilder ergänzt unser Gehirn und nimmt Bewegungsabläufe wahr.

Serienbilder ergänzt unser Gehirn und nimmt Bewegungsabläufe wahr.

Comiczeichner machen sich das Gesetz der Geschlossenheit ebenfalls zunutze, da auch die nicht abgebildeten Szenen vor, zwischen und nach einem tatsächlich sichtbaren Bild im Geist zu einem vollständigen Bewegungsablauf beziehungsweise zu einer vollständigen Handlung ergänzt werden.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung

 

Meine bisherigen Blogposts zum Thema Gestaltgesetze:

 

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Über kadekmedien

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Eine Antwort zu “Gesetz der Geschlossenheit”

  1. “Elemente innerhalb einer Umrisslinie werden als zusammengehörig aufgefasst. Die gleichen Elemente außerhalb der Ellipsenkontur gehören anscheinend nicht zu dieser Gruppe”

    Hier hat meine Wahrnehmung einen zusammenhängenden Sternenschweif gesehen… Die Ellipse hat keinerlei Bedeutung bei mir hervorgerufen.

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