Der Name ist Programm
Für manch einen mag ein Produkt-, Marken- oder Firmenname so leicht, flüssig und einprägsam klingen, dass er sich hinsichtlich des Namenfindungsprozesses täuschen lässt. Dabei handelt es sich gerade bei der Namensfindung für ein Produkt, eine Marke oder eine Firma um eine der schwierigsten, in jeden Fall aber um eine der am weitest reichenden Entscheidungen.
Gerade Anfänger auf diesem Gebiet lassen alles an Herzblut in die Namensfindung fließen, was sie erübrigen können. Heraus kommen extra lange Spaghetti mit allerlei Liebeserklärungen, Nebensächlichkeiten und Dingen, die schon immer mal gesagt werden wollten. Und das, obwohl selbst bei flüchtiger Betrachtung offenbar wird, das ein guter Name kurz, einprägsam und einfach auszusprechen ist.
Es gibt noch ein paar andere Attribute, die einen wirklich guten Produkt-, Marken- oder Firmennamen ausmachen, aber Kürze, Wohlklang und Merkfähigkeit sind wohl die wichtigsten. Dabei muss sich die Merkfähigkeit nicht unbedingt im Namen selbst wieder finden. Es reicht durchaus, mit Hilfe eines einfachen Zeichens Merkfähigkeit zu erzeugen, wie etwa der Punkt im Namen des Energieanbieters E.ON.
Scrabbeln entlang des Marketingbudgets
Bevor man sich also daran macht, einen Namen für eine Unternehmung, ein Produkt oder eine Marke zu finden, sollte man ein paar praktische Überlegungen anstellen, die sich nicht zuletzt am zur Verfügung stehenden Marketingbudget orientieren. Welche Marketingmaßnahmen sind in jedem Fall geplant? Wie kommuniziere ich den Namen in die Köpfe der Zielgruppe? Wo wird der Name überall sichtbar sein?
Am einfachsten löst man diese praktische Aufgabe, wenn man sich vor Augen hält, dass fast immer eine Visitenkarte benötigt wird. Es kann also sein, dass der Name auf einer Hochformat-Visitenkarte abgedruckt werden soll. Das Format für eine schlanke Hochformat-Visitenkarte beträgt 50 x 90 mm. Der Satzspiegel lässt idealerweise einen Mindestabstand zum Rand von 3 bis 4 mm auf jeder Seite. Das heißt die längste Zeile misst maximal 42 mm.
Buchstaben werden immer aus einem Quadrat heraus entworfen, was den breitesten Lettern m und w geschuldet ist. Natürlich nehmen das i, das e und das j später weniger Platz ein, aber für eine grobe Berechnung reicht es, an einen Durchschnittsbuchstaben als ein Quadrat zu denken.
Räume ich dem zu findenden Namen also 10 Buchstaben ein und projiziere ihn auf eine Länge von 42 mm, weiß ich, dass jeder einzelne Buchstabe auf der Visitenkarte maximal 4,2 mm groß sein wird. Das ist nicht gerade groß für einen Firmenname, jedoch ausreichend.
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen entscheide ich, dass der zu findende Name aus nicht mehr als acht Buchstaben bestehen soll. Anschließend gehe ich eine Checkliste durch und arbeite mich nach dem Ausschlussverfahren an den am besten geeigneten Namen heran.
- Erfüllt der Name die praktischen Erfordernisse?
(max. Buchstabenanzahl) - Lässt sich der Name leicht merken?
- Erschließt sich die Bedeutung des Namens von selbst?
- Löst der Klang des Namens positive Emotionen aus?
- Gibt es diesen oder einen ähnlichen Begriff bereits?
Schmerzhafte Kopfgeburten vermeiden
Es gibt auch ein paar No-Gos, die unter allen Umständen vermieden werden sollten. Dazu zählen fast immer fremdsprachliche Begriffe, an den Haaren herbei gezogene Kurzwörter sowie erklärungsbedürftige Wortneuschöpfungen. Sobald der Name einer Firma, einer Marke oder eines Produktes erklärt oder auch nur seine richtige Schreibweise buchstabiert werden muss, taugt er nicht. Darum heißen die bekanntesten Salzstangen auch nicht SaltySticks oder SaltStickies, sondern Salzletten.
Gerade hinsichtlich des Marketingbudgets ist es von vorn herein bedeutsam, ob ein Name irgendwann auch einmal eine Kurzform erhält. Denn die Annahme, einen Namen einzuführen, ihn aufwändig zu branden, und dann darauf zu setzen, seine Kurzform erschließe sich der Zielgruppe schon von selbst, ist etwas gewagt. Besser ist es, von Beginn an eine später zu brandende Kurzform mit in Betracht zu ziehen und entsprechend zu vermarkten. So nimmt beispielsweise die neue Virtuelle Welt-Plattform Me2everyone ihr späteres Akronym M2E im Logo bereits vorweg.
Am besten man macht sich eine Checkliste mit allen Begriffen, die einem zum Tätigkeitsfeld der Firma einfallen, zum Inhaber selbst, zum Produkt, zur Erwartungshaltung der Zielgruppe usw. Und dann wird diese Liste Punkt für Punkt abgearbeitet, sozusagen entlang des Marketingbudgets gescrabbelt. Offenheit für jede Form der Kreativität ist hierbei genauso erforderlich, wie beherztes Verwerfen allzu zwanghafter Konstrukte. So steht dann am Ende des Prozesses immer auch der Name, der Programm ist.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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