Die Figur-Grund-Beziehung

Die Figur-Grund-Beziehung ist eines der Gestaltgesetze. Es besagt, dass eine Figur nicht unabhängig von ihrem Hintergrund wahrgenommen werden kann. Vielmehr unterscheidet der Mensch Wesentliches von Unwesentlichem innerhalb einer wahrgenommenen Ganzheit. So wird eine kleinere Fläche eher als Figur und die sie umgebende größere Fläche als Hintergrund wahrgenommen.

Hebt sich die Figur eindeutig vom Grund ab, wird ihr mehr Aufmerksamkeit gewidmet und sie bleibt auch stärker im Gedächtnis haften als der dazugehörige Hintergrund. Man spricht dann von einer stabilen oder eindeutigen Figur-Grund-Beziehung. Die eindeutige Figur-Grund-Beziehung ist für einen Grafikdesigner von besonderer Wichtigkeit, da sie wesentlich für das Verständnis eines Bildinhaltes oder Layouts ist.

Die Rubin'sche Vase. – Was sehen Sie? Eine Vase oder zwei sich anblickende Gesichter?

Die Rubin'sche Vase. – Was sehen Sie? Eine Vase oder zwei sich anblickende Gesichter?

Eine mehrdeutige Figur-Grund-Beziehung hingegen besteht immer dann, wenn mehreren Wahrnehmungsmöglichkeiten eine gleichwertige Bedeutung zukommt. Mehrdeutige Figur-Grund-Beziehungen erscheinen dem Betrachter unverständlich und/oder langweilig.

Das bekannteste Beispiel für eine mehrdeutige Figur-Grund-Beziehung ist sicherlich die nach dem dänischen Psychologen Edgar John Rubin benannte Rubin’sche Vase. In dieser Abbildung sind zwei Informationen enthalten: sowohl eine weiße Vase auf schwarzem Grund als auch die Schattenrisse zweier sich anblickender Köpfe vor weißem Hintergrund.

Die wichtigsten Merkmale einer stabilen Figur-Grund-Beziehung sind:

  • Die Figur hebt sich durch eine eindeutige Form vom eher formlosen Grund ab
  • Der Grund setzt sich auch hinter der Figur fort
  • Figur und Grund können nicht zugleich wahrgenommen werden
  • Meist wird die kleinere Fläche als Figur und die größere als Hintergrund interpretiert
  • Die Figur erscheint näher und an einer eindeutigen Position im Raum, während der Grund keine eindeutige Position im Raum einnimmt und weiter weg erscheint
  • Nahe beieinander liegende, ähnliche Elemente werden zusammengefasst als eine Figur wahrgenommen
  • Symmetrische und geschlossene Formen werden bevorzugt als Figur wahrgenommen
  • Elemente unterhalb einer Horizontlinie werden eher als Figur, jene über der Horizontlinie als Grund wahrgenommen
Grafikdesigner verleihen grafischen Elementen eine höhere Aufmerksamkeit, indem sie sich die Figur-Grund-Beziehung zunutze machen.

Grafikdesigner verleihen grafischen Elementen eine höhere Aufmerksamkeit, indem sie sich die Figur-Grund-Beziehung zunutze machen.

Für einen Grafikdesigner sind die Gestaltgesetze allgemein von großem Interesse für die richtige Platzierung von grafischen Elementen im Layout. Mit Wissen um die Wirkung einer eindeutigen Figur-Grund-Beziehung kann der Grafiker dafür sorgen, wichtigeren Elementen in einem Entwurf größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. So erscheinen gleichartige Elemente auf dunklem Grund größer und näher als auf als auf hellem Grund. Oberhalb der Horizontlinie werden grafische Elemente eher dem Hintergrund zugeordnet, während sie unterhalb der Horizontlinie eher als Figur wahrgenommen werden. Ihnen wird eine größere Bedeutung zugesprochen und sie werden sich auch leichter gemerkt.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung

 

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  1. Die Figur und der Grund | Dimna - 26. Februar 2011

    [...] Schön erklärt ist die Figur-Grundbeziehung auch hier .  [...]

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