Was brauchen Existenzgründer wirklich?
An fast jeder Ecke im Internet lassen sich zahlreiche Angebote lesen, die sich explizit an Existenzgründer richten. Mal mehr, mal weniger marktschreierisch wird dem Neuling unter den Selbständigen geraten, sich hier und jetzt und am besten ohne zu zögern ein ganzes Gründerpaket zu kaufen. Darin enthalten sind meist eine als Logo bezeichnete grafische Figur, ein Entwurf für Visitenkarten, ein Grafikdesign für einen Briefbogen und eine kleine Website, gern auch mit CMS. Mit etwas Glück, ist sogar noch ein Flyer dabei.
Solche eher zweifelhaften Gesamtpakete sind den Anbietern selbst oftmals nur wenige hundert Euro wert. Und gerade Existenzgründer, die zu Beginn ihrer Selbständigkeit gut beraten sind, ihre oftmals noch dünne Kapitaldecke mit größter Sorgfalt zu investieren, greifen danach. Doch was hat es eigentlich damit auf sich, eine hochwertige Designleistung für wenig Geld zu verkaufen? Leidet der Grafiker etwa Not und hält sich auf Kosten unerfahrener Neulinge über Wasser? Und was erwartet jene Existenzgründer wirklich, wenn sie mit ihrer billig erworbenen „Corporate Identity“ im Regen stehen gelassen beziehungsweise auf ihre Kunden losgelassen werden?
Brauchen Existenzgründer unbedingt von Anfang an ein Logo, eine beliebige grafische Figur und/oder einen hübsch aussehenden Schriftzug, der ihre Tätigkeit charakterisiert, obwohl sie gerade den Charakter, die Unverwechselbarkeit, das Alleinstellungsmerkmal ihrer Tätigkeit erst noch herausarbeiten? – Nein, nein, nein und nochmals nein!
Existenzgründer brauchen keine schlechte Beratung
Existenzgründer brauchen kein billiges Logo, was sie ob seiner Billigkeit in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Und Existenzgründer brauchen auch kein teures Logo, das sie sich zunächst gar nicht leisten können oder wollen und das zwar – vorausgesetzt es wurde von einem Grafikdesigner fachmännisch kompetent entworfen – einen starken Charakter vermitteln kann, aber inwiefern dieser das Alleinstellungsmerkmal eines Existenzgründers repräsentiert, ist mindestens zweifelhaft.
Existenzgründer brauchen auch keine schlechte Beratung, die eigentlich daraus hinaus läuft, einen neuen Kunden zu gewinnen. – Also reduziere ich hier einmal die Kommunikations- und Werbemittel, die von einem Existenzgründer tatsächlich benötigt werden, und zwar auf ein realistisches Maß, das sich am knapp bemessenen Budget eines Gründers orientiert.
Das Starter-Kit – Professionell Edition
Unerlässlich ist eine Visitenkarte. Da rate ich auch dringend von den wie auch immer gearteten Gratis- oder Billigangeboten ab. Realistisch betrachtet kosten ein Entwurf sowie der Druck von 500 Visitenkarten auf anständigem Offsetkarton um die 150 Euro – gerundet, man kommt bestimmt auch mit etwas weniger hin.
Braucht der Gründer eigenes Briefpapier? – Klares Jain. Es hinterlässt immer einen professionellen Eindruck, auf eigenem Briefpapier zu schreiben, selbst wenn es sich „nur“ um Rechnungen handelt. – Aber man schreibt heutzutage ohnehin weniger Briefe als E-Mails. Daher ist es sinnvoller, auf eine ordentlich eingerichtete Signatur bei den eigenen E-Mails zu achten als auf gedrucktes Briefpapier. Richten Sie sich eine anständige Wordvorlage ein oder lassen Sie sich dabei helfen, wenn Sie nicht wissen, wie es geht. Und drucken Sie Ihre ersten Rechnungen auf dem eigenen Drucker aus. Gut gemacht, sehen diese Briefe nicht weniger professionell aus, sparen jedoch eine Menge Kosten, die anfänglich gar nicht nötig sind.
Der Existenzgründer braucht eine Website. Aber einfach eine kleine Website ins Netz zu stellen, selbst wenn sie für weniger als 500 Euro zu haben ist, bringt rein gar nichts. Und rund fünfhundert Euro für eine nutzlose Sache auszugeben, ist ganz schön teuer, finden Sie nicht?
Das klingt für den einen oder anderen Webdesigner sicherlich provokant, aber ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Liebe Gründer, lassen Sie sich in Ihrer Not nicht erzählen, sie könnten den Inhalt Ihrer Website selbst aktualisieren, nur weil Ihnen jemand ein CMS verkaufen will. Da ist nämlich eventuell ein bisschen Mogelei im Spiel. Denn selbst wenn Sie Wochen nach der ersten Einweisung in Ihr neues CMS noch wissen, wie es funktioniert, können Sie nicht wirklich relevanten, keywordreichen Content erstellen.
Content is King
Wirklich guter, themenrelevanter und keywordreicher Inhalt von nennenswerter Qualität, der von den Suchmaschinen in den oberen Ergebnissen angezeigt wird und über den potentielle Kunden auf eine Website gelenkt werden, ist neben qualitativ hochwertigen Backlinks so ziemlich das wichtigste, um mit einer Website kommerziellen Erfolg zu haben. Und das sollte jedem Website-Betreiber auch etwas wert sein. Nicht das Kleid, in dem der Content sich zeigt. – Copywriting oder Inhaltserstellung ist jedoch ein anderes Thema…
Daher schlage ich Ihnen für den Anfang einen Blog vor. Ein Blog funktioniert im Prinzip wie eine Website und er bringt sozusagen von Hause aus ein einfach zu bedienendes CMS mit sich. Einen Blog können Sie sich kostenlos einrichten und schon nach 15 Minuten loslegen. Um eine eigene Webadresse darauf zu mappen, die den Makel des kostenlosen Blogs wieder wettmacht und Sie unter Ihrem Wunschnamen im Internet erreichbar macht, sind noch einmal $15 nötig. Planen Sie um die fünfzig Euro ein, dann können Sie auch noch das Design Ihren Wünschen entsprechend anpassen.
Falls notwendig, sind Flyer auch nützlich
Und für Interessenten, die Sie als Existenzgründer auf Messen und an anderen Offline-Orten als Kunden gewinnen wollen oder für die jene, die keinen Internetzugang haben, sind Flyer ganz nützliche Werbemittel, um Ihre Werbebotschaft zu verbreiten. Ob Flyer allerdings grundsätzlich für jeden Gründer Sinn machen, lässt sich nur in einem vernünftigen Beratungsgespräch ermitteln. Die grafische Gestaltung eines DIN-Lang Flyers jedenfalls sowie den Druck von 1.000 Exemplaren können Sie mit rund 300 Euro veranschlagen.
Zusammenfassend heißt das, Sie brauchen zu Beginn eine grafisch ansprechend gestaltete Visitenkarte, eine vernünftige Wordvorlage für Ihren ersten Geschäftsbrief, einen als CMS-Website betriebenen Blog und eventuell auch einen Flyer. Oder anders ausgedrückt, für knapp fünfhundert Euro bekommen Sie alles, was Sie als Existenzgründer unbedingt brauchen. Natürlich handelt es sich hierbei nur um das absolut notwendige Starter-Kit, dafür aber in der Professionell Edition.
Ich mache Ihnen gern ein auf Ihren tatsächlichen Bedarf zugeschnittenes Angebot. Darin enthalten ist eine kostenlose Beratung, die garantiert nicht umsonst sein wird.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
Hier geht es zu Ihrem Angebot für Existenzgründer. Tragen Sie bitte folgenden Code in die Betreffzeile ein: JA, ICH WILL!
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Gründer brauchen in erster Linie Biss und einen echten Masterplan, gepaart mit der Überzeugung Ziele unbedingt erreichen zu wollen.
Stimmt natürlich. – Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass „Biss, Masterplan und Überzeugung“ als Voraussetzung gegeben sind… und wollte den an jeder Internet-Ecke gepriesenen „Existenzgründer-Gesamtpaketen“ etwas entgegen halten ;-)
Hallo Kadek,
man darf es kaum aussprechen: Auch ich habe bis heute keine Visitenkarte, erst seit einem Jahr eine Webseite, die sich allerdings sehr positiv auswirkt und lebe dennoch seit 10 Jahren vom Texten und neuerdings auch vom Coaching. Die persönliche Empfehlung ist auch bei Freelancern immer noch die beste Werbung.
Das heißt: Wer gut arbeitet, arbeitet auch viel.
Die Existenzgründer-Beratungen beraten leider häufig am einzelnen Gründer vorbei. Jeder Kunde ist individuell in seinen Bedürfnissen zu betrachten. Bei meiner Betreuung von kleinen Designern und Galerien, die ich als kleine Sozialprojekte in meine Arbeit als Werbetexterin einstreue stelle ich fest: Ein geschickt getexteter PR-Artikel schlägt in Preis und Auswirkung die meisten anderen Werbemedien um Längen. Ein Flyer schadet auch nicht.
An überteuerten und unsachgemäßen Webseiten habe ich schon einige Starter bruchlanden sehen. Der gesamte Webauftritt (Foren, Blogs, Social Communities) sollte bei einer Gründung auf Fallstricke hin überprüft werden. Der Kunde googelt bisweilen.
Wer sich heute eine Existenz aufbauen möchte, kommt an einem gut ausgearbeiteten Businessplan nicht vorbei. Er wird sowohl für den Gründerzuschuss benötigt als auch für den Unternehmer selber, denn der Businessplan spiegelt sein Geschäftsmodell wieder. Ohne Geschäftsplan des Unternehmens ist ein gewinnbringendes Geschäft fast unmöglich. Viele Junggründer sehen sich jetzt mit diesem neuen Dokument konfrontiert, das Sie ohne Hilfe nicht lösen können. Das hat natürlich auch der Markt erkannt und somit gibt es immer mehr Unternehmensberater die Ihre Hilfe bei der Erstellung des Businessplanes kostenpflichtig anbieten. Nur der Neugründer muss große Kosten in der Gründerphase vermeiden um nicht frühzeitig Zahlungsunfähig zu werden. Hier bieten wir unsere Hilfe an, mit der Erstellung Ihres Geschäftsplanes.
Hallo Herr Knoll,
ich habe nun mit Gefallen schon einige Beiträge Ihres Blogs gelesen. Auch Ihre hier geäußerte Kritik an mancher konzeptloser Überversorgung von Existenzgründern teile ich voll und ganz. Jedoch haben mich die dann von Ihnen genannten Preisbeispiele doch sehr erstaunt. Da diese doch in einem krassen Missverhältnis zu einem professionellen und konzeptionellen Ansatz stehen. Sollte es sich hier um ein LOCKANGEBOT handeln? Oder setzen Sie an solche Projekte Prakikanten? Doch woher nehmen diese die konzeptionelle Erfahrung in der Beratung von Existenzgründern? Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihren Aktivitäten, aber so etwas haben Sie sicher nicht nötig.
Hallo Herr/Frau Pupinko,
danke dass Sie Ihre Aufmerksamkeit meinen Blogposts widmen und besten Dank auch für Ihren kritischen Kommentar.
Die Preisbeispiele stehen aus meiner Sicht in keinem krassen Missverhältnis zum konzeptionellen Ansatz, sondern ergeben sich aus der hier in Berlin üblichen Marktsituation. Den Druck von 500 Visitenkarten bekommt man mittlerweile schon für rund 30 Euro, und ein der AGD-Preisliste entlehnter Preis für die Gestaltung von Visitenkarten ist mindestens in dieser Klientel nicht durchsetzbar. Dafür sorgen schon zehntausende kreative junge Leute am Markt, die selbst einen Folder für 100 Euro oder weniger gestalten.
Existenzgründer – und wir reden hier nicht von StartUps, die mit Risikokapital gefüttert werden – haben oftmals nicht nur knappe Mittel zur Verfügung, sondern viel häufiger auch gar kein Marketingbudget in ihrem Geschäftsplan vorgesehen. Das mag dem Erfolg der Unternehmung massiv im Wege stehen, ändert aber nichts ander Tatsache, dass es so ist.
Ich richte mich also lediglich nach dem Markt, auf dem ich anbiete. Ich setze weder Praktikanten ein, noch handelt es sich um ein Lockangebot; eher um eine Art aufklärerische Provokation.
Konzeptionelle Erfahrung in der Beratung von Existenzgründern nehme ich nirgendwoher. Ich berate keine Existenzgründer, jedenfalls nicht ihre Existenzgründung betreffend. – Ich habe aber selber mal gegründet und auch schon einige als Kunden bedient, um zu wissen, was tatsächlich benötigt wird und was machbar ist. Diese Erfahrung gebe ich gerne weiter und weise auch gerne darauf hin, dass Gutes eben nicht immer teuer sein muss.