Gestern erst, pünktlich zum Ausstellungsbeginn, habe ich einen Beitrag in Art&Events über die Ausstellung Carnival Within – An Exhibition Made in America in den Weddinger Uferhallen veröffentlicht. – Heute um 15:11 Uhr erreichte mich eine E-Mail von einer mir unbekannten Person, die sich “Larama” nennt, in der sie oder er mir einen Review zu dieser Ausstellung zeitgenössischer amerikanischer Kunst zusandte.
Zunächst war ich etwas ratlos, weil es ja unter den Art&Events-Artikeln eine Kommentarfunktion gibt. Aber anscheinend ist der Text zu lang für einen Kommentar geraten… – Wie dem auch sei, ich habe entschieden, diesen Review hier in voller Länge zu veröffentlichen. Und zwar hauptsächlich, weil “Larama” darin eine völlig andere Meinung von der Ausstellung vertritt und weil ich sportlich mit meinen Kritikern umgehen will und außerdem die Meinungsvielfalt schätze. Hier also der Originaltext der E-Mail von “Larama” an mich:
Lamara reviews The Carnival Within
Über dieses „Kunst“-Ereignis habe ich genau die gegenteilige Ansicht. Tatsächlich denke ich, dass fast gar keine Kunst, sondern “Dinge” gezeigt wurden. Offensichtlich kann man immer viel Bedeutung und Erklärungen für alles schaffen, was gezeigt wird, aber in meiner Ansicht ist das sehr weit von einer Kunstausstellung entfernt.
Das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie schlecht die Dinge im kreativen Bereich sind, oder mindestens sind die echten Künstler in diesen Ereignissen nicht anwesend.

Screenshot der Original E-Mail von Larama an mich
Ich habe es vorgestern immer wieder stückweise nachgeprüft, und ich fand nichts, was einer anständigen Darstellung von Kreativität – in welcher Form auch immer – nah war.
Abgesehen von den anderen Aktivitäten, denen ich nicht folgte, so kann ich nicht urteilen, ohne den so genannten „Carnival Within“ in Bezug auf das Gezeigte zu sehen, und das ist ein Misserfolg.

Carnival Within - Uferhallen in Wedding - zur Eröffnung am Freitag, 27.03.2009
Bei der großen Mehrheit der gezeigten Gegenstände gibt es nichts, was irgendeine künstlerische Ambition mit dem vorgeschlagenen Konzept verbindet. Angefangen bei einem Karussell mit einem Stuhl, einem Stern mit Licht, den verkorksten Holzbären, von der Decke herab hängende rote Leuchtreklame-Lippen, ein Bündel blauer Ballons, der Ausdruck „Pursuit of Happiness“ (in blauen Buchstaben über die Wand geschrieben), die große Hänge-Marionette, all diese schlechten Videos, die in jeder Weise Kreativität vermissen lassen, und das bei so einem starken Medium, wie das Video eins ist.
Die Ecke bei der Licht-Anzeige „Mullata“, wo es wenigstens eine gute instrumentale von einem großen Musiker geschriebene Musik gab, obwohl die gar nicht Teil des Ereignisses war, und die Interpretation von Mickymaus… Doch das ist nicht genug, um die übrige Abwesenheit künstlerischen Talents zu retten. Ich nehme an, dass sie wirklich reden und viele Erklärungen über all diese Ausstellungsstücke schreiben müssen, weil sie allein nichts aussagen.
Einige gute Fotos waren dort, aber ich schätze, die Definition des Ereignisses und wahrscheinlich die Förderer, die es hatte, bestimmen, dass die Kuratoren sich verpflichtet fühlten, eine „Kunstausstellung“ zu produzieren.

Carnival Within - Uferhallen in Wedding - zur Eröffnung am Freitag, 27.03.2009
Die Leere war nicht wegen des riesigen Raums, der für die Ausstellung gewählt wurde, die war durch den Mangel an anwesender Kunst verursacht. Der große Fehler und das Missverständnis, die häufig bei ähnlichen Ereignissen vorkommen, besteht darin, dass die Erklärungen und die Texte, die sie schreiben, Kunst geschehen lassen. Doch das tut es nicht! Und je mehr sie schreiben und sprechen, umso weniger geschieht es, und zwar aus dem sehr einfachen Grund, dass der grundlegende Wert innerhalb der Stücke selbst liegen muss, in welchem Medium sie auch immer gezeigt werden. Wenn es diesen Wert nicht gibt, ist es einfach keine Kunst und auch die Wörter werden es nicht daraus machen, das ist keine Frage des persönlichen Geschmacks.
In unseren Tagen will jeder ein Künstler sein und glaubt, dass er es kann, aber leider ist das nicht so. Zwar kann jeder irgendwelche Dinge zeigen und Experimente damit machen, aber das ist nicht alles…

Carnival Within - Uferhallen in Wedding - zur Eröffnung am Freitag, 27.03.2009
Ich fürchte, ich muss daraus schließen, dass dort fast keine Künstler waren, sondern Leute, die Sachen mit Dingen machen (und eine Bedeutung oder eine pseudointellektuelle Erklärung dafür abgeben). Aber was immer für eine Erklärung sie finden werden, offenbart sie doch nicht den künstlerischen Wert der Werke und ändert auch nicht den tatsächlichen Mangel an künstlerischem Wert.
Sie haben alle das Recht, Dinge zu zeigen, aber wir haben auch das Recht, zurückzuweisen, was sie uns als Kunst präsentieren, und sogar sie selbst als Fake-Künstler abzulehnen.
Das ganze Konzept des Post-Bush-Amerika mag in der Literatur und bei den Lesungen des Programms widerspiegelt werden, aber bestimmt nicht bei dieser visuellen Ausstellung, tatsächlich fühlte es sich für mich ein bisschen so an, als gebe es eine politische Erklärung.
Es gibt ein Ziel, das sie meiner Meinung nach erreichten, nämlich sie haben in Wirklichkeit „No Carnival Within”.
Ich habe die erstaunliche Tradition des Karneval-Feierns in den Ländern gesehen, wo das echte Tradition ist, geladen mit Seele und Geist, Demonstrationen von Kreativität und Kunst, gemacht von Leuten, die sich selbst nicht Künstler nennen. – Vielleicht sollten die Leute dieser Ausstellung etwas von diesem Saft trinken, um anzufangen, ihren Verstand auf eine kreative Weise zu bewegen.
Gesagt, was ich gerade sagte, respektiere ich wirklich diejenigen, die es mögen, aber stimme bei allem Respekt mit denjenigen nicht überein, die Kunst darin finden.
Ich hoffe sehr, dass die anderen Aktivitäten wie Literatur und Musik nicht ebenso schlecht sind wie der Rest.
Larama
Diesen Beitrag präsentiert Ihnen:
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
![]() |
| | ![]() |
| | ![]() |
| | ![]() |


29. März 2009





Die Kommentarfunktion ist geschlossen.