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Interview mit Fridey Mickel über FRIDEYMICKEL in Berlin
Während meines Rundgangs über den 5. Berliner Kunstsalon im alten Humboldt-Umspannwerk letzten Herbst begegnete ich der Galeristin Fridey Mickel zum ersten Mal. Bis dahin hatte ich weder von ihrer Galerie noch von den Künstlern in ihrem Programm gehört. Umso mehr Aufmerksamkeit widmete ich in der Folgezeit ihren regelmäßig verschickten Einladungen, ließen diese doch ein konsequent verfolgtes Galeriekonzept erkennen.
Schließlich hatte ich letztens Gelegenheit, über eine neue Ausstellung bei FRIDEYMICKEL in Art&Events zu berichten und war von Henry Wollers großformatigen Tuschezeichnungen so angetan, dass ich beschloss, näheres über die Galeristin, ihre Galerie und ihre Künstler zu erfahren. Also bat ich Fridey Mickel um ein Interview.
Interview
KDK: Fridey Mickel, Sie stammen aus Pittsburgh, Pennsylvania und haben in New York gelebt und gearbeitet… Was hat Sie nach Berlin geführt? Und was hat Sie dazu gebracht, in Berlin eine Galerie zu betreiben?

Fridey Mickel vor Gemälden von Valentina Bardazzi
Fridey Mickel: Mit 17 begann ich am Andy-Warhol-Museum in meiner Heimatstadt Pittsburgh zu arbeiten. Das führte mich später nach New York City, wo ich 5 Jahre lebte. Nachdem ich Andy Warhols Schriften über Leo Castelli gelesen hatte, entschied ich mich Galeristin zu werden. Aber als ich ein wenig über Kunstpolitik gelernt hatte, traf ich die bewusste Entscheidung, die Kunst zu verlassen, und fing stattdessen an ein paar Jahre in der Politik zu arbeiten, komisch nicht?
2005 organisierte ich mit wenig Geld einen Kunstaustausch zwischen Scherer 8 in Wedding und einer Produzenten-Galerie eines Freundes in Williamsburg, Brooklyn. Zur Eröffnung kamen dann um die 400 Leute – das hat mich total überrascht; aber ich fand das extrem interessant… Kurz danach fing ich mit einer Off-Location im Wedding an, Name: Lifebomb. Ich habe dann ungefähr 75 Shows innerhalb von drei Jahren organisiert. Im Verlauf dieser Zeit lernte ich einige Künstler besser kennen, und so ergab es sich, dass ich öfters mit denselben KünstlerInnen zusammen arbeitete. Allmählich ist dann die Idee entstanden, uns gemeinsam als eine Galerie mit einem eigenständigen Programm von Künstlern aufzubauen.
KDK: Welchen Bezug haben Sie zur Kunst? Was befähigt Sie zur Galeristin?
Fridey Mickel: Ich glaube langsam, dass es das ist, was ich einfach machen soll… Ein Teil meines Bezugs kommt vielleicht daher, dass ich relativ jung damit angefangen habe. Es gab in meinem Leben eine Reihe ungewöhnlicher Gelegenheiten, spielerisch mit dieser Arbeit umzugehen und das hat dazu geführt, nun ein Spektrum von etablierten Künstlern persönlich zu kennen. Ich habe mit Künstlern gelebt und geliebt, und habe darüber erfahren, wie Künstler leben, arbeiten, sich entwickeln, und manchmal auch leiden können. Es ist meine Leidenschaft, Ausstellungen vorzubereiten und zu präsentieren, und mit Künstlern zu arbeiten.

Younis al Aazawi: ohne Titel, 200x200, Öl auf Leinwand, 2009
Während Lifebomb schloss ich absichtlich die Kunst-Außenwelt aus und konzentrierte mich stattdessen auf den persönlichen Dialog mit den einzelnen Künstlern, so dass ich meinen eigenen Blick für Kunst entwickeln konnte. Ich baute absichtlich eine Galerie-Plattform außerhalb des normalen Kunstmilieus auf, so dass ich die Feinheiten, wie man Kunst präsentiert, besser verstehen konnte. Ich denke, dass diese persönlichen Erfahrungen mir dabei geholfen haben zu verstehen, auf welche Weise Kunst tatsächlich zu bewerten ist: Technik, Medien und Hype mal außer Acht gelassen, ist es doch die persönliche Verbindung des Betrachters zu einem Werk, die ihm seinen Wert insgesamt zumisst. Meiner Meinung nach ist eine gute Galeristin jemand, die sich darauf konzentriert, wie diese Verbindung geschaffen wird.
Ich denke auch, dass fünfzig Prozent meines Jobs mit Möglichkeiten zu tun hat, die ich für meine Künstler schaffe. Diesen Aspekt mag ich absolut daran, und auch die persönliche Erfahrung, die ich für mich selbst daraus ziehe.

Jurij von Ortenberg: China07, 53x77, Gouache auf Papier, 2007
KDK: Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Galerie? Wer sind Ihre Künstler?
Fridey Mickel: Die Kunstwerke, die die Galerie zeigt, sind nicht bloß dekorativ, sondern sie haben Inhalt – in der Technik und in der Konzeption. Diese Werke sind nicht platt, vielmehr gibt es immer etwas Neues darin zu entdecken. Die Galerie zeigt verschiedene Arten von Kunst, aber es wird ein starkes Profil von Malerei aufgebaut. Die Künstler zurzeit sind: Claire Waffel, Jurij von Ortenberg, Daniela Bustamante, Ulrika Segerberg, Carola Göllner, Christian Grosskopf und Younis al Aazawi.
Das Programm wird sich natürlich in der nächsten Zeit noch entwickeln.
KDK: Stellen Sie außer „Ihren“ Künstlern auch weitere aus?
Fridey Mickel: Ja. Ich bin sehr offen dafür, auch neue Künstler zu zeigen, und ich denke, das ist auch gut für die Galerie. Mit der Galerie baue ich ein bestimmtes Profil auf, und deswegen bin ich ein bisschen genauer in dem, was unter diesem Dach gezeigt wird. Dennoch entwickele ich auch noch andere Projekte, wo ich mich mehr auf das freiere Arbeiten mit anderen Künstlern, welche mich aus anderen Gründen interessieren, konzentrieren kann.
KDK: Mit welchen Qualitäten überzeugen Künstler Sie, ihre Werke bei FRIDEYMICKEL auszustellen?
Fridey Mickel: 1. Die Qualität ihrer Arbeit. 2. Was mein Bauchgefühl mir sagt. 3. Wie viel Platz ich in meinem Kalender finde.
KDK: Würden Sie sagen, dass es sich bei FRIDEYMICKEL um eine typische Prenzlberg-Künstlerszene-Off-Galerie handelt?
Fridey Mickel: Nein. FRIDEYMICKEL ist keine Off-Szene-Galerie, es ist eine vollwertige Galerie, die gerade erst durchstartet. Ich fange jetzt an, und ich gehe dabei die Schritte, die die richtigen für mich sind. Als ich den Raum anmietete, wusste ich zudem gar nicht, dass ich im Prenzlauer Berg war – ich dachte, das wäre in Mitte, das spielt aber auch keine Rolle. Mir gefiel die Gegend gleich um die Ecke von Torstraße und Rosa-Luxemburg-Platz, und dass das direkt in der Mitte Berlins ist, aber gleichzeitig auch ein bisschen versteckt.
KDK: In Berlin gibt es ja mehrere Gegenden, die im Hinblick auf Kunst und Künstlerszene recht spannend sind… Ich denke da an Mitte mit seiner unglaublich vielseitigen Galerienszene in der Brunnenstraße, aber auch an Kreuzberg, Neukölln – Sie wissen schon, die sich überlagernde Gegend um „Kreuzkölln“ – aber auch Friedrichshain, Charlottenburg und Schöneberg sind interessante Standorte… Was ist für Sie das Besondere am Bezirk Prenzlauer Berg?
Fridey Mickel: Kunst hat in Berlin sehr zugenommen, und das mag ich. Mir gefällt, dass sich jede der Kunstgegenden ein bisschen verschieden entwickelt hat. Aber was mich noch mehr fasziniert ist, wenn man näher hinsieht, jede Galerie hat ihre ganz eigene Persönlichkeit. Es scheint, dass diese Invasion der Kunst in der Stadt einen echten Dialog über Kunst eröffnet hat – ich denke, dass die Leute mehr darüber sprechen und auch mehr sehen als noch vor ein paar Jahren.
KDK: Was wird Ihre nächste Ausstellung sein?
Fridey Mickel: Die nächste Ausstellung beginnt schon morgen, Valentina Bardazzi und Mirco Magnani. „Ohne Titel für Parenthesyne Suite“. Es ist eine Ausstellung von foto-figurativer Malerei und Video / Sound Art aus Italien.

PARENTHESYNE #6, Acryl+Bleistift/Holz, 50x145cm, 2008
Das Konzept der gezeigten Arbeiten handelt von den verschiedenen Elementen der Ästhetik. Das Argument ist, dass das Gefühl der Schönheit der Imperfektion entspringt. Die Ausstellung spricht mich sehr persönlich an, weil dieses Thema in meiner Auseinandersetzung mit Kunst sehr aktuell ist.
Vielleicht könnte ich es auch so erklären: In Bezug auf die Technik wird ein gutes Kunstwerk – figurativ wie abstrakt – nicht nur geschaffen, sondern auch konstruiert. Es gibt bestimmte Elemente, die bei der Umsetzung eines kreativen Gedankens unverzichtbar sind: das Medium an sich, Farbe, Überlegungen zu Licht, Komposition sowie auch Hässlichkeit.
Was die Hässlichkeit betrifft, kann sie als eine Verzerrung in Erscheinung treten, als Imperfektion, als widersprüchliches Element oder – im Falle der Malerei – als Idee der Farbanwendung. Es kann aber auch den Inhalt betreffen. Dies interessiert mich, denn wenn Hässlichkeit vorhanden ist, wird sie oft übersehen – oder aber angefochten. Dennoch muss sie vorhanden sein, sonst wird eine Arbeit eindimensional und vielleicht sogar langweilig. Manchmal bedarf es etwas Offensichtlichem, um einen Gedanken zu transportieren. In diesem Fall bedienen sich KünstlerInnen oft extrem realistischer Bilder – und es funktioniert.
Der zweite Grund warum es sich sicherlich lohnt diese Ausstellung zu besuchen ist, dass es sich um Italienische Malerei – aus Nord-Italien – handelt und diese vielleicht als distinguierteste Malerei Europas gewertet wird. Hiervon gibt es in Berlin nicht so viel zu sehen. Eine Abbildung kann dieser Malerei nicht gerecht werden, es gilt sie mit den eigenen Augen zu betrachten.
Fridey Mickel, vielen Dank für das Gespräch.
Die Ausstellung ist vom 13.03. bis 04.04.2009 zu sehen.
FRIDEYMICKEL
Straßburger Strasse 4, 10405 Berlin
(U2 / M8: Rosa Luxemburg Platz)
www.frideymickel.com
Fridey Mickel wurde interviewt von:
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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