Sind Flyer noch zeitgemäß?

Im Gespräch mit Kunden und Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten mache ich immer wieder eine interessante Beobachtung, wenn das Thema auf Werbung zu sprechen kommt: zuallererst fällt das Wort Flyer. Das bedeutet also, dieses Medium ist so weit verbreitet und so tief in den Köpfen verankert, dass es als Werbemittel erster Wahl angesehen wird. Aber stimmt das überhaupt?

Als Grafikdesigner sammle ich aus beruflichen Gründen jede Menge Flyer ein, um mich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit inspirieren zu lassen. Dabei ist mir bei vielen Flyern von Anfang an klar, dass ich sie zunächst einfach nur ablege und später völlig unbeachtet entsorge.

Privat handle ich noch viel radikaler: Wenn mir nach dem Öffnen meines Briefkastens ein Stapel bunt bedruckter Papiere in die Hände fällt, fische ich mit geübtem Auge meine Post daraus hervor und lasse den Rest einfach in die unter den Briefkästen extra dafür hingestellte Kiste fallen. Manchmal ist mir, als hätte ich das Wort Möbel ungewollt gelesen; meist jedoch handelt es sich um Spitzenpreise.

Das eigentlich Dramatische daran ist, das ich weder aus beruflichen noch sonst welchen Gründen die Inhalte der Flyer beachte, und zwar gar nicht. Ich gehe sogar davon aus, nein, ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass andere Menschen das nicht anders handhaben: Flyer erreichen nicht mehr die erhoffte Aufmerksamkeit ihrer Empfänger.

Doch für wen lohnen sich Flyer dann noch? Oder muss die Frage richtiger lauten: Eignen sich Flyer überhaupt noch als Werbemittel?

Ob Flyer als Werbemittel noch etwas taugen, hängt stark davon ab, ob sie als Mittel zum Zweck einer gut konzipierten Marketingkampagne eingesetzt werden. Oder anders ausgedrückt: wer Flyer ohne Konzeption unter die Leute bringt, produziert Altpapier.

Ich habe Kunden, die sehr genau wissen, was sie wollen. Sie verkaufen beispielsweise hochwertige Bioprodukte, die über Großhändler in die Geschäfte gelangen. Sie schalten Anzeigen in den Bestellkatalogen der Großhändler, um die Aufmerksamkeit der Einkäufer zu erreichen. Und sie lassen den Warenlieferungen immer Flyer beilegen, damit sich der Verbraucher unmittelbar vor dem Einkauf über diese Produkte informieren kann. Das erleichtert dem Einzelhändler den Warenabsatz und somit auch seine Einkaufsentscheidung, und der so konzipierte Flyer beeinflusst den Umsatz aller Beteiligten positiv.

Andere Kunden präsentieren sich auf Messen und benötigen für ihren Messestand selbstverständlich Flyer zum Auslegen. Wieder andere wissen, dass sie ihre Klientel aus der Nachbarschaft generieren. Sie bringen an der Außenwand ihres Ladengeschäfts oder ihrer Naturheilpraxis oder ihres Beratungsbüros einen Prospekthalter an und befüllen diesen mit Flyern zum Mitnehmen. Bei all den genannten Beispielen taugt der Flyer als Werbemittel. Ebenso natürlich für den Pizzaservice um die Ecke, der seine Speisekarte als Flyer verteilen lässt.

Es gibt unzählige Beispiele, bei denen der Flyer seinen Zweck erfüllt. Aber in mindestens ebenso vielen Fällen versagt der Flyer als Marketinginstrument. Und zwar immer dann, wenn der Flyer – wie bereits gesagt – ungeplant produziert wird.

Sparen Sie sich Flyer, die für die blaue Tonne sind

Zahllose Komplettangebote von anscheinend verzweifelt nach Aufträgen suchenden Grafikern richten sich vor allem an Existenzgründer und bieten zusammen mit der Gestaltung einer Visitenkarte und eines Briefbogens auch noch eine Flyergestaltung mit an. Und gerade Gründer, die am Anfang ihrer Selbständigkeit mit jedem Cent rechnen, fallen dankbar auf solche „Spar-Angebote“ herein. Dabei gibt es eine viel einfachere Methode, sein Geld sinnlos auszugeben: öffnen Sie Ihr Fenster und werfen Sie’s dort hinaus.

Fazit: In meinen Augen gehört es zu einer guten Beratung, seine Kunden offen und ehrlich darauf hinzuweisen, dass unkonzipierte Flyer als Marketinginstrument versagen. Damit entgeht dem Grafikdesigner möglicherweise ein aktueller Kleinauftrag. In den meisten Fällen jedoch zeigen sich die Kunden dankbar, dass man ihnen behilflich ist, unnötige Kosten zu vermeiden, und beauftragen den Grafiker auch mit der Konzeption ihres Flyers.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung

 

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KREATIV seit ich DENKEN kann. – Design • Print & Digital

3 Antworten zu “Sind Flyer noch zeitgemäß?”

  1. Flyer sind zu “gewöhnlich” geworden, um als Werbemittel effektiv wirken zu können. Flyerverteiler haben es oft schwer, diese überhaupt an die potenziellen Kunden zu bringen. Besser klappt die Taktik mit einem kleinen Werbegeschenk. Diese werden erfahrungsgemäß gerne angenommen und auch genutzt. Die Aufmerksamkeit für das werbetreibende Unternehmen wird dadruch enorm gesteigert.

  2. Ein super Beitrag mit vielen hilfreichen Tipps. Vielen Dank!
    Herzliche Grüße aus Österreich
    Helmut Jeremias

Trackbacks/Pingbacks

  1. Was brauchen Existenzgründer wirklich? « kadekmedien’s Blog - 31. März 2009

    [...] Offline-Orten als Kunden gewinnen wollen oder für die jene, die keinen Internetzugang haben, sind Flyer ganz nützliche Werbemittel, um Ihre Werbebotschaft zu verbreiten. Ob Flyer allerdings grundsätzlich für jeden Gründer Sinn [...]

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