Es kommt immer wieder einmal vor, dass Interessierte die Erstellung eines Logos anfragen und vermutlich keinerlei Vorstellung vom damit verbundenen Arbeitsaufwand haben. Andernfalls ließe sich Ihre Enttäuschung über den in Ihren Augen doch recht hohen Preis nicht erklären. Eine einfache grafische Konstruktion beinhaltet für einen gestandenen Grafiker soviel Arbeit, dass sein Preis den eines Gucci-Gürtels um ein Vielfaches übertrifft?
Na, locker! lautet die Antwort, und so entsteht auf beiden Seiten ein bedauerliches Ärgernis: auf Seiten des potentiellen Kunden aus Unkenntnis, auf der des Grafikers über das zugemutete Dumping. Der anfragende Interessent ist ebenso schnell wieder weg wie er kam, sieht sich im Internet nach preisgünstigen Alternativen um, wird fündig und das war’s. Dem Grafikdesigner hingegen ist eine möglicherweise interessante Aufgabe entgangen, die den faden Beigeschmack hinterlässt, die eigene Arbeit mit der eines gedankenlosen Amateurs messen lassen zu müssen.
Gerade erst ließ sich in einem Kreativen-Forum auf der Business-Plattform XING eine über Tage hinziehende Diskussion beobachten, in der betroffene Profis ihren Unmut über die Konkurrenz von Amateuren Luft machten. Ein kluger Hinweis kam von einer Kollegin, die meinte, der Thread werde bestimmt auch von potentiellen Kunden mitgelesen und so könne es nicht schaden, etwas Aufklärung zu betreiben.
Was also unterscheidet ein vom Fachmann designtes Logo von einer per Definition zum Logo erklärten grafischen Figur eines Laien?
Es ist die gedankliche Vorarbeit, die der Frage nachgeht, für wen soll ein Logo gestaltet werden. Wer will sich wem repräsentieren? Denn nichts anderes tun Leute mit ihrem Logo, sich und ihre Leistung – egal wie komplex – in einem einzigen abstrakten Zeichen anderen gegenüber zu präsentieren.
Der professionell arbeitende Grafikdesigner unternimmt hierfür ausgedehnte Recherchen hinsichtlich der Zielgruppe des Kunden, seiner Konkurrenz und seines Alleinstellungsmerkmals. Denn das Wissen um diese Dinge muss notwendigerweise in die Ausarbeitung eines funktionierenden Logos einfließen. Andernfalls handelte es sich um eine willkürlich aufgesetzte Pappnase, die den sich so Präsentierenden in den Augen seiner Kunden unprofessionell oder gar lächerlich wirken lässt.
Während und nach solchen umfangreichen Recherchen beginnt der Grafiker damit, Ideen in seinen Skizzenblock zu zeichnen. Er macht es sich nicht so einfach, wie manch einer sich vorstellt, indem er die Grafiksoftware auf seinem Rechner bemüht, etwa das Runde an das Eckige zu bringen, etwas Farbe dazu, fertig.
Ein Logo ist immer im Strich reproduzierbar
Ein Profi weiß vor allem auch, dass ein gutes Logo immer in allen bekannten Verfahren problemlos reproduzierbar sein muss. Deshalb wird ein guter Grafikdesigner das zukünftige Logo eines Kunden immer zuerst in schwarz-weiß erstellen; ideal ist sogar, umgekehrt vorzugehen, also weiß auf schwarzem Grund zu beginnen, um sicher zu stellen, dass sowohl das Signet als auch die verwendete Schrift selbst bei kleinsten Darstellungsgrößen einwandfrei funktionieren.
Der professionelle Grafiker erarbeitet ein Logo auch niemals in einem pixelbasierten Bildbearbeitungsprogramm wie etwa Photoshop, sondern er wird immer ein Vektorgrafikprogramm benutzen, um seine Strichgrafiken zu erstellen. Denn weder Halbtöne noch Bildpunkte an sich kommen hinsichtlich der Reproduzierbarkeit in Frage. Ein Stempel etwa kann keine Halbtöne wiedergeben. Und Pixel lassen sich nicht in selbstklebende Folie plotten, wenn das Logo eventuell auf Firmenfahrzeugen angebracht werden soll.
Pünktchen, Pünktchen, Komma, Strich?
Grafikdesigner machen sich auch die Ausarbeitung am Computer nicht so einfach. Die Erstellung eines Logos ist nicht mal eben mit wenigen Klicks zu machen. Der Profi wird immer wieder Schwarz-Weiß-Ausdrucke anfertigen, in geringer Qualität kopieren, vergrößern, verkleinern und die Kopien sogar faxen, um ganz sicher zu gehen, dass sein Entwurf auch tatsächlich funktioniert.
Erst danach wird er ebenso sorgfältig wie sparsam Farben auswählen, wenn diese noch nicht durch eine bestehende Firmenidentität vorgegeben sind. Und dann wird der Grafikprofi immer noch etliche Male probieren, machen und tun, bis er sich wirklich ganz sicher ist, dass seine Arbeit den Auftraggeber bei seinen Kunden im besten Licht erscheinen lässt. Vorher wird er seine Arbeit auf keinen Fall präsentieren.
Fazit: Mit Hilfe des Internet kann sich ein unbekümmerter Interessent eine vom Amateur angefertigte willkürliche Plakette als Logo erwählen, schon ab neunzehn Euro, so er es darauf anlegt. Jemand, der hingegen wert darauf legt, sich professionell zu präsentieren, wird auch einen Profi als Grafiker engagieren. Und er weiß auch, dass ordentliche Arbeit nicht zu Dumpingpreisen erhältlich ist.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung
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18. Februar 2009





Absolut richtig! Leider machen Plattformen wie MyHammer.de die Preise kapuut und führt minderwertige Software wie LogoMaker dazu, dass so manch Ahnungsloser meint, das mal eben in zwei Stunden selber machen zu können.
Yep, so ist es leider… vor allem, was die genannte Plattform betrifft ;-)
Aber ich bin andererseits auch sicher, dass qualitätsbewußte Kunden wissen, wen Sie beauftragen. – Insofern stellen die “Billigheimer” keine wirkliche Konkurrenz dar.