Kundenwunsch und Kreativität

Wird die eigene Kreativität von Kundenwünschen ausgebremst?

Nein, um es kurz zu machen. Die eigene Kreativität wird nicht im geringsten von Kundenwünschen ausgebremst oder verhindert. Und wer als Kreativer dennoch das Gefühl hat, der Kunde zerstöre die eigenen großartigen Ideen mit unqualifizierten Anmerkungen und überzogenen Änderungswünschen, bringt etwas ganz gehörig durcheinander.

Das soll natürlich nicht heißen, dass ich solche Situationen nicht kenne: Man macht sich mit Inbrunst über eine neue Aufgabe her, gibt sein Bestes und freut sich möglicherweise sogar darüber, sich selbst übertroffen zu haben. Und dann blickt der Auftraggeber auf den Entwurf ohne auch nur eine Miene zu verziehen, um anschließend etwas zögerlich zu sagen: „ja, doch, das gefällt mir schon recht gut. – Nur die Kreise hier oben stören mich ein wenig. Und die Schrift sollte auch noch etwas größer werden. Und wenn Sie den Hintergrund rot anstatt blau machen, haben wir’s fast.“

Zugegeben, soviel Ernüchterung auf einmal kann einen durchaus entmutigen. Doch nicht etwa der Kunde hat hier einen Fehler gemacht. Ganz im Gegenteil läuft er ja nicht sich die Haare raufend auf und davon, um anschließend telefonisch zu stornieren und den Auftrag anderweitig zu vergeben. Nein, der Mensch, der im Vertrauen auf Ihre Kreativität bereits ist, dafür zu bezahlen, zeigt sich offen für Ihre Ideen und signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Entmutigung hin oder her, sollte man sich also zunächst einmal in Erinnerung rufen, was man da überhaupt tut: als Designer stelle ich meine Kreativität in den Dienst des Kunden. Und als Dienstleister lebe ich von den Kundenwünschen und habe sie schon allein deshalb uneingeschränkt zu respektieren. Wenn ich an einem Essen im Restaurant etwas zu mäkeln habe, lasse ich es ja auch zurückgehen.

Natürlich hat ein Designer vertraglich geregelte Gestaltungsfreiheit: der Gast kann vom Pizzabäcker nicht verlangen, ihm eine Currywurst zu braten. Auf der anderen Seite bedeutet Gestaltungsfreiheit aber nicht, dass der Schuster seinen Kunden in ein Paar Schuhe zwängen darf, die ihm so gar nicht passen wollen. Wer seiner Kreativität ungehindert freien Lauf lassen möchte, muss dies als Künstler tun, mit allen Risiken, die ein wahrer Künstler bereit und willens ist zu tragen.

Als Designer muss ich die Bedürfnishierarchie berücksichtigen. Und zwar nicht alle Ebenen gleichzeitig, sondern eine aufbauend auf der anderen. Und auf der tragenden untersten Ebene der Bedürfnishierarchie steht nun einmal der Kundenwunsch, den es zu befriedigen gilt. Folglich muss ich diesen in einem sorgfältig vorbereiteten Briefing zur Gänze in Erfahrung bringen und in der konzeptionellen Vorbereitungsphase mindestens ebenso sorgfältig analysieren.

Dann kann mir eigentlich auch nichts mehr passieren, was mir den Boden unter den Füßen wegzieht, denn Kundenwünsche sind die Zügel an den Pferden meiner Kreativität, die sie lenken und verhindern, dass meine Phantasie nutzlos mit mir durchgeht.

Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken

Als Dienstleister habe ich jedoch noch weitere verantwortungsvolle Aufgaben, als nur Kundenwünsche zu erfüllen. Gerade wenn ich will, dass meiner Kreativität der denkbar größte Spielraum eingeräumt wird, muss ich dem Kunden glaubhaft versichern, dass dies zu seinem besten geschieht. Oder anders ausgedrückt: ich muss in jeder Phase des Projektes mit dem Kunden offen kommunizieren. Genauso wie mir klar sein muss, dass ich den Entwurf nicht für mich selbst gestalte, muss ich dem Auftraggeber nahe bringen, nicht er ist der Adressat seiner Botschaft, sondern seine Kunden.

Ebenso wichtig wie die sorgfältige Vorbereitung, die Berücksichtigung der Bedürfnishierarchie, das fortwährende Gespräch mit dem Auftraggeber und die unbedingte Gestaltungsfreiheit ist die gelungene Entwurfspräsentation. Auch sie gehört zu einer offenen und erfolgreichen Kommunikation und will bestens vorbereitet sein. Man sagt sogar, eine gelungene Präsentation ist die halbe Miete ;-)

Fazit: Arbeitet ein Designer an den Kundenwünschen vorbei, muss er sich nicht wundern, wenn seine Kreativität gering geschätzt wird. Versteht der Designer hingegen die Wünsche seines Auftraggebers und antizipiert er eventuelle Einwände im Vorfeld seiner Entwurfspräsentation, wird der Kunde sich auch für zunächst verwegen anmutende Ideen begeistern können.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Klaus-Dieter Knoll
Grafikdesign, Webdesign, Mediengestaltung

 

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